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Stormarn So funktioniert die neue Kläranlage
Lokales Stormarn So funktioniert die neue Kläranlage
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21:29 14.10.2017
Bürgermeister Heiko Gerstmann(l.) und Betriebsleiter Heiko Vokuhl führten durch das neue Klärwerk. Quelle: Foto: Albrod

Warum war der Neubau nötig?

Wo sonst Reinfelds Abwasser geklärt werden, wurden Sonnabend Fragen geklärt: Beim Tag der offenen Tür konnten sich Besucher zum Klärwerk informieren. 1,3 Millionen Euro wurden investiert. Bürgermeister Heiko Gerstmann und Betriebsleiter Heiko Vokuhl beantworteten Fragen.

„Das alte Gebäude aus den 60er Jahren entsprach nicht mehr den Anforderungen der Berufsgenossenschaft“, erläutert Betriebsleiter Heiko Vokuhl. „Neu ist jetzt, dass wir eine Schleuse zwischen den Umkleideräumen haben, die in einen schwarzen und einen weißen Bereich aufgeteilt sind. Das soll sicherstellen, dass die Mitarbeiter keine Bakterien von der Anlage in den Privatbereich mitschleppen.“

Zwischen den Umkleidebereichen wird geduscht. Auch ein neuer Sandfang wurde gebaut, da der alte nur 30 Prozent des Sandes auffangen konnte. „Jetzt sind wir bei nahezu 100 Prozent.“

Warum riecht die Anlage nicht?

„Die Kläranlage ist derzeit für 11600 Haushalte zuständig, es sind aber keine Industrieabwässer dabei“, erklärt Vokuhl. „Wenn wir unsere Arbeit richtig machen, riecht es nicht.“ Ausgelegt ist das Klärwerk für 24000 Einwohner. „Das liegt daran, dass ursprünglich Meddewade mit der Brotfabrik dazu gehören sollte“, sagt Gerstmann, der nicht nur Bürgermeister ist, sondern als Ingenieur auch in den 90er Jahren das Lübecker Klärwerk ausgebaut hat. „Ein Unternehmen wird mit einer höheren Zahl angesetzt als die Privathaushalte. Aber die Brotfabrik ist dann weggezogen.“ Eine Reserve sei dennoch gut. „Vielleicht siedelt sich ja irgendwann produzierendes Gewerbe in Reinfeld an.“

Wo wird das geklärte Wasser hingeleitet?

Das fertig geklärte Wasser fließt in die Trave. Vorher durchläuft es verschiedene Reinigungsstufen. Mechanisch beginnt es mit dem Rechenwerk fürs Grobe, danach fließt das Abwasser in den Sandfang und weiter zur Vorklärung. Im Belebungsbecken führen Bakterien dazu, dass das schädliche Ammoniak in reinen Stickstoff umgewandelt wird. Der Klärschlamm bildet im Faulturm Gas, das zur Wärmegewinnung genutzt wird. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach sorgt zusätzlich für Strom, der im Klärwerk genutzt wird. Der Klärschlamm wird anschließend in Hamburg verbrannt. Das Abwasser wird durch ein Nachklärbecken in die Trave geleitet.

Welches sind die Herausforderungen für Klärwerke?

„Früher wurde der Klärschlamm als Dünger aufs Feld gebracht“, so Gerstmann. „Künftig soll er nicht mehr landwirtschaftlich genutzt werden.“ Grund sei, dass durch die Anti-Baby-Pille und andere Medikamente zu viele Rückstände im Abwasser seien, die sich nachteilig auf Fische auswirken. „Jetzt wird der Schlamm in Hamburg verbrannt, wo es die einzige Anlage in Norddeutschland dafür gibt. Es gibt Überlegungen, ob verschiedene Kommunen gemeinsam ein eigenes Verbrennungswerk bauen sollen.“

Was fällt alles so in die Toilette?

„In der Rechenanlage finden sich all die Dinge, die ins Klo fallen“, sagt Vokuhl. „Von Teppichresten über Gebisse, Portemonnaie und Eheringe ist alles dabei.“ Die Sachen werden auf der Deponie entsorgt. Auch nett: Auf dem Gelände dient ein altes Klärbecken heute als kleiner Goldfischteich mit Schilfrohr darin. Rund um das Klärwerk säen sich auch exotische Pflanzen aus, die aus den Ausscheidungen als Samen auf die Wiese wehen. Und: „Die Fachhochschule Lübeck hat auf dem Gelände eine Versuchsanlage für die Ausbildung von Studenten stehen“, ergänzt Gerstmann.

Havariebecken geplant

Die Stadtwerke Reinfeld sind mittlerweile 20 Jahre alt. Das Klärwerk gab es bereits in den 1960er Jahren. Weil ein Neubau des Verwaltungsgebäudes und des Sandfanges nötig waren, wurden 1,3 Millionen Euro investiert. Die Klärung der Abwässer lief parallel zu den Baumaßnahmen weiter.

Als nächste Baumaßnahme steht der Neubau eines Havariebeckens an. Das soll im Notfall sicherstellen, dass die Abwässer aufgefangen werden können und nicht in die Umwelt gelangen. Das bisher genutzte Havariebecken ist baufällig geworden. Die Planungen dafür sollen 2018 beginnen. Für die Zwischenlagerung des Klärschlamms, der jetzt noch unter freiem Himmel lagert, ehe er in Hamburg verbrannt wird, soll ein überdachter Platz geschaffen werden, damit der Schlamm, der zuvor mit einer Zentrifuge entwässert wird, nicht wieder nass wird.

Im Klärwerk befindet sich ein Labor, in dem täglich Wasserproben auf ihren Phosphorgehalt hin untersucht werden. Für die Einleitung des geklärten Abwassers in Gewässer gibt es Grenzwerte, die in Reinfeld weit unterschritten werden. Das Amt nimmt Stichproben.

 Bettina Albrod

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