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Stormarn So schnell schnappt die Schuldenfalle zu
Lokales Stormarn So schnell schnappt die Schuldenfalle zu
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21:38 15.04.2018
Der Weg zur Schuldenfreiheit führt häufig nur noch über externe Beratung wie die der Awo. Quelle: Foto: Fotolia
Bad Oldesloe

Damit sank die Zahl der Neuaufnahmen geringfügig zu den Vorjahren. 595 Betreuungsfälle aus den Vorjahren wurden zudem fortgeführt.

Ute Lehmann leitet die Beratungsstelle.

„Auf den ersten Blick könnte daraus geschlossen werden, dass aufgrund einer positiven Wirtschaftsentwicklung der Bedarf an qualifizierter Schuldner- und Insolvenzberatung im Kreis Stormarn sinkt“, sagt Ute Lehmann (55), Diplom-Sozialarbeiterin und Leiterin der Schuldnerberatung. Dies sei jedoch nicht der Fall. Seit mehreren Jahren zeichne sich eine Entwicklung ab, dass die rechtlichen Sachverhalte und persönlichen Probleme immer komplexer werden. „Der zeitliche Aufwand, die ratsuchenden Menschen gut vorbereitet und mit umfassenden Informationen zu versehen, wird immer größer“, erklärt Lehmann. „Ältere Klienten, deren Anzahl auch bei uns zunimmt, haben oft einen höheren Beratungsbedarf.“ Aber auch die Menschen, die über keine oder nicht ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache verfügen, bedürften einer Beratung, die mehr Raum einnimmt.

Die acht wichtigsten Zahlen:

458 Anfragen gab es 2017 an die Beratungsstelle, vor drei Jahren waren es zum Vergleich 486, im Jahr 2008 lag die Zahl schon mal über 600. Aus den 458 Anfragen resultierten 91 Betreuungen, vor drei Jahren waren es 123.

112 Anfragen kamen dabei aus Bad Oldesloe – der Spitzenwert. Dahinter folgte Ahrensburg mit 98 Anfragen, danach wiederum Bargteheide mit lediglich 26 und Reinfeld mit 23. 29 Anfragen gab es im Amt Nordstormarn, allein 15 davon kamen aus der Gemeinde Wesenberg.

157 Anfragen gingen über Medien bei der Beratungsstelle ein, vor allem das Internet. Das entspricht 34,3 Prozent. Dahinter folgen mit 24,9 Prozent Verwandte und Bekannte sowie mit Abstand (7,6 Prozent) anderen Klienten der Schuldnerberatung.

32 Prozent der Ratsuchenden waren mehr als 51 Jahre alt. Damit nimmt deren Anteil unvermindert immer weiter zu. Aber auch der Anteil der 31- bis 40-Jährigen steigt um sieben Prozentpunkte auf ebenfalls 32 Prozent. Insgesamt waren 51 Prozent Männer und 49 Prozent Frauen.

42,8 Prozent der Betreuungen entfielen auf Ledige, 25,2 Prozent auf Geschiedene und 19,8 Prozent auf verheiratete Personen. In 35,2 Prozent der Haushalte lebten Kinder, hiervon waren die Hälfte Haushalte von Alleinerziehenden.

1180 Gläubiger hat die Awo-Beratungsstelle in den 91 Fällen gezählt. Der größte Teil mit 16 Prozent davon sind öffentliche Gläubiger, also zum Beispiel Arbeitsagentur oder Jobcenter, die etwa Zahlungen zurückfordern. 14,5 der Gläubiger sind Telekommunikationsunternehmen. Dahinter folgen Versicherungen, Gewerbetreibende und Versandhäuser.

3 285 399 Euro beträgt die gesamte Verschuldungshöhe der 91 Schuldner. Das sind im Schnitt 36 103 Euro. Vier Schuldner waren mit mehr als 100 000 Euro Schulden, 15 hatten Verbindlichkeiten zwischen 50 000 und 100000 Euro.

30 Prozent der Ratsuchenden gaben als Ursache für ihre Verschuldung eine unwirtschaftliche Haushaltsführung an, gefolgt von Erkrankung oder Sucht (17 Prozent) und einer gescheiterten Selbstständigkeit.

Frau X. und die unbekannten Mietschulden

Ratsuchende: Frau X. suchte uns mit der Bitte um Hilfe auf. Zum Zeitpunkt der Beratungsaufnahme war sie 28 Jahre alt und lebte mit ihrem jetzigen Lebensgefährten und zwei kleinen Kindern in einem gemeinsamen Haushalt. Das dritte Kind wurde kurz darauf geboren.

Situation bei Beratungsaufnahme: Die junge Familie lebte hauptsächlich von der Berufsausbildungsbeihilfe des Lebensgefährten, Kindergeld, Unterhaltsvorschuss sowie ergänzend Arbeitslosengeld II. Die Überschuldung war unter anderem durch rechtliche Unkenntnis entstanden. Nach der Trennung von ihrem damaligen Partner hatte Frau X. mit ihren beiden Kindern die gemeinsame Wohnung verlassen. Der Partner blieb dort wohnen. Frau X. war seinerzeit in dem falschen Glauben, dass durch den Auszug das Mietverhältnis ihr gegenüber beendet sei. Es entstanden, verursacht durch den ehemaligen Partner, im Laufe der Zeit erhebliche Mietrückstände, welche der Vermieter nun ebenfalls bei Frau X. im Rahmen der gesamtschuldnerischen Haftung einforderte. Daneben gab es offene Forderungen bei weiteren sechs Gläubigern.

Schuldensituation bei Beratungsaufnahme: Drei öffentliche Gläubiger 2430 Euro, ehemaliger Vermieter 3800 Euro, ehemaliger Kindergarten 420 Euro, Rechtsanwaltskosten 600 Euro, zwei offene Rechnungen 100 Euro, insgesamt 7350 Euro.

Tätigkeit der Beratungsstelle: „Gemeinsam mit Frau X. kamen wir zu dem realistischen Ergebnis, Gelder bei der Stiftung ,Familie in Not‘ für die Schuldenregulierung zu beantragen“, berichtet Ute Lehmann, Leiterin der Schuldenberatung. Voraussetzung war, eine Gesamtregulierung mit allen Gläubigern zu erreichen und damit ein Insolvenzverfahren zu vermeiden. Ein Vergleichsangebot in Form einer Einmalzahlung wurde jedem Gläubiger unterbreitet.

Fünf von sieben Gläubigern stimmten dem Angebot zu. Ein weiterer Gläubiger signalisierte grundsätzliche Bereitschaft, wenn dadurch eine Schuldenregulierung insgesamt zustande kommen würde. Ein letzter Gläubiger lehnte das Angebot jedoch ohne Begründung ab.

Ergebnis der Verhandlungen: „Da eine außergerichtliche Einigung mit allen Gläubigern letztendlich nicht erreicht werden konnte, musste der Stiftungsantrag bedauerlicherweise zurückgezogen werden“, so Lehmann. Somit fielen die zugesagten Gelder weg. In letzter Konsequenz hätte ein Insolvenzantrag gestellt werden können. Dies wollte Frau X. jedoch weiterhin unbedingt vermeiden, weil sie immer noch Hoffnung hatte, eine andere Lösung zu finden. Es folgten Gespräche mit der Familie.

Diese konnte zumindest so viel Geld zur Verfügung stellen, dass die gesprächsbereiten Gläubiger die angebotenen Vergleichssummen erhielten. Mit dem grundsätzlich vergleichsbereiten Gläubiger wurde eine Ratenzahlung vereinbart. Der blockierende Gläubiger kann aufgrund fehlender Geldmittel auf lange Sicht nicht reguliert werden. Frau X. will dies nun nach Abschluss aller anderen Zahlungen angehen.

M. Carstens

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