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Stormarn Solaris – neue Trauben aus Stormarn
Lokales Stormarn Solaris – neue Trauben aus Stormarn
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10:25 02.09.2016
Sven Dohrendorf möchte zusammen mit seinen Mitstreitern 2020 die ersten Trauben ernten. Quelle: B. Albrod
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Ahrensburg

Sven Dohrendorf hat „Solaris 1“, „Solaris 2“ und „Solaris 3“ an verschiedenen Orten verteilt. „Das klingt wie Raumschiffnamen“, sagt der Ahrensburger, tatsächlich aber handelt es sich um eine Rebe für Weißwein, deren Wachstumsbedingungen er beobachten will. Ein bisschen utopisch klingt auch das gemeinsam Vorhaben von Dohrendorf, Jörn Andresen und Leon Zijlstra: „Wir haben vom Bundesamt für Ernährung und Landwirtschaft die Genehmigung bekommen, auf gut drei Hektar Fläche in Bargteheide und Delingsdorf Wein anzubauen.“

Gegen Frost gewappnet

Solaris ist eine 1975 neu gezüchtete pilzwiderstandsfähige Weißweinsorte. Der Name „Solaris“ leitet sich von der Sonne ab, die der Sorte aufgrund ihrer Kraft zu einer frühen Reife und zu einer hohen Zuckerleistung verhilft. Die Traube darf als Qualitätswein auf den Markt gebracht werden. Die Frostfestigkeit gilt als sehr gut. Quelle: wikipedia

Im Frühjahr soll der Startschuss für das erste Weingut im Kreis fallen. Dafür haben der Weinhändler Dohrendorf, der Diplom-Ingenieur und Gartenbauer Andresen und Leon Zijlstra, der internationalen Weinbau studiert und seine Bachelorarbeit über Weinanbau in Stormarn geschrieben hat, ihr Fachwissen zusammen getan.

„Eigentlich wollten wir einen Hektar haben“, sagt Dohrendorf. „Weil unter 28 Bewerbern aber nur fünf Hektar verteilt wurden, haben wir 7,5 Hektar beantragt.“ Als sie per Brief erfuhren, dass sie 1,67 Hektar bekommen, war die Freude groß. „Dann kam noch ein Brief für weitere 1,5 Hektar.“ Offenbar, so Dohrendorf, habe ihre Bewerbung überzeugt. Trotzdem wollen sie erst einmal mit einem Hektar anfangen. „Zunächst haben wir weitere Bodenproben entnommen, um zu analysieren, welche Rebsorte sich damit verträgt.“

In der Rebenschule werden passende Reben gekauft, die pilzwiderstandsfähig sein müssen. Sie werden auf Wurzeln gepfropft und sollen dann unter Stormarns Sonne gedeihen. „Zwei Weißweinsorten werden dabei sein“, erklärt Dohrendorf, „5000 Reben pro Hektar Land.“ Die beiden weiteren Flächen sollen gleichzeitig für den biologischen Weinanbau vorbereitet werden, der bestimmte Bedingungen verlangt.

Auch der erste Hektar soll schon möglichst schonend behandelt werden. „Damit wären wir das erste Bioweingut in Schleswig-Holstein“, sagt Dohrendorf.

Rund 30000 Euro müssen pro Hektar investiert werden, Erträge gibt es frühestens nach drei Jahren, 2020 könnte also der erste Stormarner Wein geerntet werden. Ein Weingut im Rheingau übernimmt die Verarbeitung und füllt die Flaschen ab. Einen Namen hat der Wein bislang noch nicht. „Der wird sich ergeben“, ist Dohrendorf sich sicher. Er freut sich über viel Zuspruch von allen Seiten: „Viele Kunden haben spontan angeboten, sich zu beteiligen“, sagt er. Dabei geht es nicht nur darum, Löcher für 5000 Reben zu buddeln. „Möglich wäre auch eine finanzielle Beteiligung mit Dividende in Form von Wein, ähnlich wie bei den Bieraktien in Grönwohld.“

Er sieht viele Möglichkeiten der Vermarktung. „Man kann einen Lehrpfad anlegen, Weinproben machen, Hochzeiten oder Seminare anbieten.“ Für den Tourismus in Stormarn sei ein Weingut eine interessante Bereicherung. „Wir wollen ein regionales Aushängeschild schaffen.“ Die drei Weinbauern wünschen sich darüber hinaus, mit anderen Winzern in Schleswig-Holstein ins Gespräch zu kommen. „Solaris soll die Traube für Schleswig-Holstein werden. Es gibt insgesamt sechs Weingüter.“ Sobald die Reben wachsen, müssen noch ein paar Probleme gelöst werden. Wie hält man das Wild fern? Was tun gegen Vogelfraß?

Derweil reift draußen der Wein – oder auch nicht. „Diese Rebe hat Hagel abbekommen, das hat die Trauben zerschlagen“, zeigt Dohrendorf auf ein paar Mickertrauben. Andere Reben haben gar nicht erst Trauben entwickelt, oder aber sie hängen als Rosine am Zweig. „Ich mache Fotos und dokumentiere die Entwicklung an den einzelnen Standorten“, erklärt Dohrendorf. Danach wissen die Männer, wie sie die Reben anbauen müssen. Denn das Stormarner Weingut könnte eine ganz große Sache werden: „Im Januar werden vom Bundesamt weitere Flächen verteilt, man hat uns gesagt, dass wir uns wieder bewerben sollen.“

 Bettina Albrod

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