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Stormarn Sonnengruß im Wüstensand
Lokales Stormarn Sonnengruß im Wüstensand
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20:18 25.01.2016

Von der Wüste hat Kerstin Hilgers schon als Kind geschwärmt. Einmal wie Daktari mit dem Defender durch unendliche Weiten steuern. Viele Jahre mussten vergehen, bis ihr lang gehegter Wunsch in Erfüllung ging. Vor sechs Jahren erkundete sie erstmals Tunesien. Seitdem zieht es die in Neverstaven ansässige Yogalehrerin immer wieder in die karge Landschaft. Erst kürzlich begleitete sie eine Reisegruppe durch die marokkanische Sahara.

„Mich fasziniert die ohrenbetäubende Stille. Nicht mal Vögel oder wehende Grashalme erzeugen Geräusche. Auf einmal hört man den eigenen Herzschlag, spürt, wie das Blut in den Adern rauscht“, beschreibt Kerstin Hilgers, was sie an der einsamen Landschaft so reizvoll findet. Die unglaubliche Weite, die klaren Farben und der nächtliche Sternenhimmel, der sich wie eine Decke ausbreite — all das lasse die Wüste zu einem unvergesslichen Erlebnis werden. Und was für die Yogalehrerin besonders wichtig ist: nichts lenkt ab oder zerstreut die Gedanken — beste Voraussetzungen also, um in Ruhe zu meditieren und sich innerlich zu sammeln.

Auf ihrer elftägigen Tour, die in der Oasenstadt M‘Hamid, dem Tor zur Sahara, begann, bot sie den Reisenden allmorgendlich eine Yogastunde an. Das Zeltlager wie ein schützender Halbkreis im Rücken, die noch bläulich schimmernden Sandberge vor Augen vollführte die Gruppe unter ihrer Anleitung den Sonnengruß, eine Kombination von Haltungen, die beleben, den noch müden Körper mit frischer Energie aufladen. Die angenehme Wirkung sprach sich herum. „Von Tag zu Tag haben mehr Leute mitgemacht“, erzählt Kerstin Hilgers. Wer mochte, konnte sich auch den Meditationsübungen anschließen — oben auf der Sanddüne, inmitten der absoluten Stille.

„Wissenschaftliche Studien haben ja inzwischen belegt, dass Meditation ein gutes Mittel gegen Stress ist und unser Gehirn positiv stimuliert“, sagt die Yogatrainerin, die sich eingehend mit den therapeutischen Wirkungen befasst hat. Auch die im Yoga praktizierten Haltungen (asanas) und Atemtechniken (prana) seien letztlich geeignet, Menschen mit Einschränkungen zu helfen. Als Beispiel nennt sie Patienten mit Parkinson, einer Erkrankung, bei der nach und nach immer mehr Nervenzellen absterben. Mithilfe von speziell für sie entwickelten Yogaübungen, die das Gleichgewicht schulen, erhielten sie wieder mehr Kontrolle über ihren Körper. „Im Gehirn entstehen dabei neue neuronale Verbindungen“, erklärt Kerstin Hilgers das Phänomen.

Gute Erfahrungen hat sie auch bei Menschen mit Herzproblemen gemacht, die sie in Hamburg betreute. „Geeignet sind Atemtechniken, die den Körper in leichte Vibrationen versetzen. Das bringt die Herzkranzgefäße in Schwingung und beugt Ablagerungen vor“, sagt Hilgers. Koronare Erkrankungen, weiß sie, haben auch viel mit dem Seelenleben einer Person zu tun. Stress und Kummer, die kein Ventil finden, äußern sich als Belastung, als Druckgefühl im Herzen. Ähnliche Symptome zeigten auch Menschen mit Depressionen und Trauernde. Letztere etwa kapselten sich ab, um nicht an dem traumatischen Erlebnis zu zerbrechen. „Ihnen helfen sanfte Übungen zur Öffnung des Herzraums. Mit der Zeit öffnen sie sich auch wieder gegenüber dem Leben“, sagt die Yogatherapeutin, die bereits spezielle Kurse für Trauernde gestaltet hat.

Im Herbst zieht es Kerstin Hilgers übrigens wieder in die Wüste. Dieses Mal ist die Reisegruppe wie eine Karawane mit Kamelen und Dromedaren unterwegs.

Dorothea von Dahlen

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