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Sozialwohnungen: Ver.di erhöht den Druck

Bad Oldesloe Sozialwohnungen: Ver.di erhöht den Druck

Mit der symbolischen Sprengung eines Hauses machte die Gewerkschaft auf die Raumnot aufmerksam.

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Nachher: Das Haus ist gesprengt, Susanne Agne (v.l.), Carmen Sax, Anke Jürs und Kurt Reuter — übrigens kein Betroffener, sondern Hauseigentümer — befreien sich aus der viel zu engen Wohnung.

Quelle: Fotos: Carstens

Bad Oldesloe. Seit 29 Jahren wohnt Anke Jürs in Bad Oldesloe in der gleichen Wohnung, hat ihren Lebensmittelpunkt in der Kreisstadt. Auch nach der Scheidung blieb sie dort wohnen.

Jetzt bekam Jürs jedoch einen Bescheid vom Stormarner Jobcenter, für sich und ihren Sohn eine neue Bleibe zu suchen. Grund: Nach einer Sanierung inklusive Wärmedämmung stieg die Miete um 65 Euro und liegt nun jenseits der Grenze, die vom Kreis Stormarn für die sogenannten Kosten der Unterkunft bezahlt werden. „Hier in Bad Oldesloe gibt es einfach nichts“, sagt Anke Jürs. „Ich habe auch nach Wohnungen auf den Dörfern in der Umgebung geguckt, finde dort aber ebenfalls nichts.“

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Vorher: Vier Personen quetschen sich am Oldesloer Mühlenplatz in das kleine Häuschen aus Pappkartons.

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Wenn man dem Stormarner Erwerbslosenausschuss der Gewerkschaft Ver.di glauben darf, ist dieses Beispiel nur eines von vielen im gesamten Kreis. Es gebe zu wenige Wohnungen für arme Menschen in Stormarn, erklärte gestern Susanne Agne von Ver.di. Zudem fordert der Erwerbslosenausschuss den Kreis auf, die Obergrenze für die Kosten der Unterkunft anzuheben.

Um auf diese Problematiken aufmerksam zu machen und ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, unternahm die Gewerkschaft gestern Mittag um 12 Uhr eine symbolische Sprengung von Wohnraum. Fünf Personen quetschten sich dabei in ein kleines Haus aus Pappkartons und sprengten es dann, indem sie Wände und Dach zur Seite stießen.

„In unserem Kreis steht nicht genügend günstiger Wohnraum zur Verfügung“, sagte Ausschussmitglied Lothar Kulik in seiner „Sprengungsrede“ am Oldesloer Mühlenplatz. „Davon betroffen sind gerade die sozial Schwachen, besonders Sozialhilfe- und Hartz-IV- Empfänger, aber auch Rentner und Geringverdiener.“ Die Leistungen der Ämter für die Mieten seien schon lange nicht mehr auf dem neuesten Stand, weil es an Konzepten zur Erfassung der aktuellen Mietkosten fehle.

Vor der Aktion gestern hatte Ver.di in den vergangenen Wochen betroffene Personen zu deren Lage, zur Wohnungssituation und Zusammenarbeit mit den Jobcenter befragt. „Die Fraktionen im Kreistag haben zwar eine interfraktionelle Arbeitsgruppe zu diesem Thema gegründet, der Kreis nimmt das Problem jedoch nicht ernst“, behauptet Susanne Agne und verweist auch auf ein Urteil des Bundessozialgerichts.

Danach muss der Kreis Stormarn nun ein schlüssiges Konzept für die Mietrichtwerte erarbeiten. Als erster Schritt wird nun die Wohngeldtabelle plus ein Sicherheitszuschlag von zehn Prozent angewendet — wenn die Betroffenen einen entsprechenden Antrag beim Jobcenter stellen.

Der Erwerbslosenausschuss fordert zudem vom Kreis, Kommunen und Ämtern die Erhebung von aussagekräftigen Daten zum aktuellen Wohnungsmarkt und eine realitätsgerechte Anhebung der Mietobergrenze, eine Aussetzung der Umzugsforderungen und Übernahme der realen Mieten bis zur Erstellung eines Mietspiegels sowie die Schaffung von flächendeckenden Angeboten im sozialen Wohnungsmarkt und den sofortigen Wiedereinstieg in den sozialen Wohnungsbau. Diese Anliegen und ihre zusammengetragenen Daten wollen die Ausschussmitglieder auch dem Kreistag auf seiner nächsten Sitzung vortragen.

„Der soziale Wohnungsbau ist Sache der Gemeinden“, betont dagegen Margot Sinning, die Vorsitzende des Stormarner Sozialausschusses. Zudem hält sie die Initiative der Gewerkschaft für etwas übertrieben. Es sei in Stormarn sicher schwieriger als anderswo, aber wer richtig gucke, finde auch immer etwas.

Große Differenz
381 Euro: So hoch ist nach Ver.di-Angaben in Stormarn die durchschnittliche Leistung für Unterkunft, Betriebskosten und Heizung für einen Ein-Personen-Haushalt. Der tatsächliche Bedarf liege jedoch bei knapp 429 Euro. Mit einer Differenz von fast 48 Euro sei der Kreis damit landesweit zusammen mit Segeberg an der Spitze. „Der Kreis spart Kosten zu Lasten der Ärmsten“, sagt Susanne Agne.

Markus Carstens

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