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Sparkassen-Präsident fordert Ende der Niedrigzinspolitik

Ahrensburg Sparkassen-Präsident fordert Ende der Niedrigzinspolitik

Durch die aktuelle Finanzsituation seien Altersvorsorge und Stiftungsarbeit bedroht, so der Tenor einer Diskussion im Marstall.

Ahrensburg. Wer heute Geld auf der Bank hat, kann zusehen, wie es weniger wird. Auf der einen Seite gibt es niedrige Zinsen, auf der anderen Seite überholt die Inflationsrate die Vergütung — das Geld wird allmählich aufgefressen. Das wiederum treibt Sparer dazu, unverantwortlich hohe Risiken bei der Geldanlage einzugehen und ihre Altersversorgung zu gefährden. Deshalb fordert Georg Fahrenschon, Präsident des deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, ein Abrücken von der aktuellen Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Er war am Donnerstag Gast der Sparkasse Holstein im Ahrensburger Marstall.

„Heute Vermögensvernichtung durch niedrige Zinsen, morgen Vermögensvernichtung durch Inflation?“ lautete das Thema des Abends. Viele Besucher waren gekommen, um Vortrag und Diskussion mit Fahrenschon zu erleben. Er gehörte neben Stormarns Landrat Klaus Plöger, Ostholsteins Landrat Reinhard Sager und dem Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Holstein, Dr. Martin Lüdiger, zu den Rednern des Abends.

„Es besteht die Besorgnis einer doppelten Enteignung der Sparer“, malte Fahrenschon ein düsteres Bild der allgemeinen Finanzsituation. Wichtig seien in diesen Zeiten stabiles Geld, stabile Banken und stabile Regionen. „Das Geld ist stabil“, betonte der Fachmann, die aktuelle Situation in der Europäischen Währungsunion sei es aber nicht. „Niedrigzinsen subventionieren die Aufnahme neuer Schulden“, warnte Fahrenschon. „Dadurch wird der Reformdruck von den Krisenstaaten genommen.“ Gleichzeitig verliere der Sparer langsam sein Geld, was gravierende Lücken bei der Altersvorsorge bedeute. Deshalb treibe die aktuelle Situation Sparer dazu, hohe Risiken einzugehen. „Die EZB sollte in erster Linie der Stabilität unserer Währung verpflichtet sein“, verlangte Fahrenschon.

Stabile Banken gebe es nur zum Teil, fuhr Fahrenschon fort. Großbanken gingen hohe Risiken ein, um attraktive Renditen bieten zu können. Es sei aber ungerecht, dass alle Banken einzahlen sollten, um die Großbanken abzusichern. „Jede Bank muss selbst die Einlagen ihrer Kunden absichern.“ Hier könne die Sparkasse punkten, die regional tätig und nicht vom internationalen Finanzmarkt abhängig sei.

Sie nutze das Geld der Sparer, um damit Kredite der regionalen Wirtschaft zu finanzieren. „30 Prozent des deutschen Exports hängen an mittelständischen Unternehmen“, erklärte Fahrenschon. Deshalb sei die regionale Wirtschaft ein wichtiger Schlüssel für stabile Regionen. „Die EZB muss anfangen, die Zinswende einzuleiten.“

Landrat Sager wies darauf hin, dass durch die Niedrigzinsen auch das Förderengagement nachhaltig getroffen sei: „Es ist offen, ob die Förderung in gewohnter Weise aufrechterhalten werden kann.“ Denn Stiftungen arbeiten nicht mit dem Kapital, sondern ausschließlich mit den Zinserträgen. Kommunale Haushalte würden bei Kreditaufnahmen profitieren, sollten aber Sparen lernen. Hier konnte Stormarns Landrat Plöger auftrumpfen. „Wir haben zehn Millionen Euro eingespart und damit Kredite getilgt“, erklärte er. Bei den Sparern sehe er dasselbe Problem wie bei der geplanten Änderung des Finanzausgleichsgesetzes in Schleswig-Holstein. „Wer spart, wird bestraft“, so Plöger. Lüdiger wies darauf hin, dass es die Lebensversicherer auf Jahrzehnte schwer haben werden. „Derzeit gibt es das Signal, dass Sparen sich nicht lohnt“, warnte Fahrenschon.

Bettina Albrod

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