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Stormarn Spiel der Emotionen faszinierte
Lokales Stormarn Spiel der Emotionen faszinierte
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20:37 18.04.2017

„Ich fand es grandios“, sagt Buchhändlerin Ilona Rehme, nachdem der nicht enden wollende Applaus schließlich doch verebbte. Da war Andreas Zimmermann immerhin schon dreimal nach vorne gekommen, um sich vor seinem Publikum zu verneigen, das sich ihm als Gegenspieler emotional nicht entziehen konnte.

Andreas Zimmermann als Lehrer Klamm im Rathaussaal. Seine Klasse hat ihm den Krieg erklärt. Nun trinkt er. Quelle: Foto: Susanna Fofana

Zweiter Termin

Wer das Stück verpasst hat, kann es am Freitag, 9. Juni, 20 Uhr, sehen. Dann zieht Andreas Zimmermann im Oldesloer Rathaussaal/KuB erneut als Lehrer Klamm in den Krieg.

Karten im Vorverkauf im KuB für 13,50 Euro, ermässigt 11,50 Euro.

Das Publikum nämlich wurde zur Klasse im Theaterstück „Klamms Krieg“. Netterweise wurde außer dem eigenen Kampf mit den Emotionen von den Zuschauern nichts abverlangt. Denn auch deren verbalen Part übernahm Zimmermann. Nicht nur, dass er Text auswendig gelernt hatte, mit dem er stolze 80 Minuten einen spannenden Monolog bot. In dem er redete, schimpfte, schmeichelte, jammerte, tobte oder lallend und ordinär den Betrunkenen mimte. Er schaffte es auch, das Publikum während der ganzen Spieldauer in seinen Bann zu ziehen.

Und falls nicht, hätte dies natürlich einen Eintrag in Lehrer Klamms schwarzes Notizbuch zur Folge gehabt. In dem Büchlein, in dem er auch festhält, wenn der Kollege mal wieder nach einer Freistunde gegen den Zaun pinkelt oder die Kollegin mit einem Zehntklässler schmust. Seine eigenen Emotionen hält Zimmermann im Spiel nicht zurück. Und so springt die ganze Palette der Gefühle das Publikum an.

Selbst, wenn man noch versucht, sich zumindest der Vorstellung zu entziehen, wie der im Bad gestürzte Lehrer genüsslich eine imaginäre Kakerlake zerkaut oder mit seinem eigenen Blut „Lehrer sind Mörder“ auf nicht existierende Kloschüsseln und Wände malt.

Ilona Rehme und andere sind natürlich auch deshalb in das Stück gegangen, weil sie schon vorher wussten, was Zimmermann kann. „Er hat es sehr intensiv gelebt“, umschreibt es Jörn Meyer aus Hamburg.

„Und zwar nachvollziehbar beide Perspektiven.“ Da ist zum einen der langjährige Lehrer, der zum Jo-Jo zwischen Hass, Selbstgerechtigkeit und Selbstzweifel wird, dessen System aus Abhängigkeiten, Macht, Zwang und Gewalt immer mehr aus den Fugen gerät. Und auf der anderen Seite die Schüler, die ihm den Krieg erklären und jegliche Mitarbeit verweigern, weil er den Abiturkandidaten Sascha durch eine schlechte Benotung in den Freitod trieb.

„Mich kriegen Sie nicht kaputt“, schreit Klamm seine Klasse und damit uns als Publikum an. Und man fühlt sich direkt schuldig, obwohl man doch gar nichts getan hat. Lehrer Zimmermann/Klamm droht, fleht, verspricht, will gar Schüler-Versteher sein – und ist zum Schluss doch selbst derjenige, der die Schule verlassen muss. Ob durch den eigenen Freitod mit der Pistole des Direktors bleibt offen.

Lehrer Klamm will der Klasse quasi als letzten Schritt noch die Endlichkeit beibringen. Und schlägt statt „Gretchens Stunde“, wie am Anfang des Ein-Personen-Stücks von Kai Hensel, nun zum Schluss als Lektüre „Prolog im Himmel“ und einen Neuanfang vor.

Im Gespräch betont Schauspieler Andreas Zimmermann, dass ihn „der unmittelbare Kontakt zu den Zuschauern pusht.“ Die Rolle sei für ihn reizvoll, da die verdichtete Handlung ihm „viele Facetten unterschiedlicher emotionaler Zustände abverlangt.“ Ihn fasziniert „das zeitlose Thema, das bei mir viele Erinnerungen an die eigene Schulzeit wachrief.“

Andreas Zimmermann (55) ist leidenschaftlicher Schauspieler. Der Verwaltungsbeamte des Kreises Stormarn spielte die Hauptrolle als „Der Salzgraf“ hoch zu Ross im Kurpark, lernte für seine nächste Rolle sogar das Fechten. Beim Kultstück „Kerle, Kerle“ der Oldesloer Bühne war er dabei. In diesem Jahr ist er wieder der Regisseur für das Herbststück „Acht Frauen“der Oldesloer Bühne im KuB.

Susanna Fofana

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