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Stormarn St. Josef macht Jugendliche fit für den Alltag
Lokales Stormarn St. Josef macht Jugendliche fit für den Alltag
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21:17 28.12.2017
Dagmar Detloff-Scheff, die das Konzept „Lernwerkstatt" mitentwickelt hat, zeigt der jungen Mutter Michelle (18), wie man Weihnachtsdekoration herstellt.
Bad Oldesloe

„Doch es gibt nicht nur die materielle Armut, auch der Mangel an Förderung und Unterstützung ist gerade bei Kindern und Jugendlichen von großer Bedeutung“, betont Stefan Götting, der seit zwei Jahren dem Kinder- und Jugendhaus St. Josef in Bad Oldesloe als Pädagogischer Leiter vorsteht.

Wächst in unserem Land ein Kind in Armut auf, bleibt es meistens für längere Zeit arm. Rund 21 Prozent aller Kinder leben über mindestens fünf Jahre dauerhaft oder wiederkehrend in einer Armutslage. Eine kirchliche Institution bietet in Bad Oldesloe Hilfe an.

Dieses leistet genau in dieser Hinsicht Hilfe und unterstützt Familien im Bereich der Erziehung. Ganz besonders liegt dem Vater von sechs Kindern im Alter von vier bis 22 Jahren dabei die Unterstützung von Jugendlichen (14–17 Jahre) und jungen Erwachsenen (18–21 Jahre) am Herzen. „Natürlich ist unser oberstes Ziel bei Kindern, die im St. Josef wohnen, die Rückführung in die Familie.

Wenn die Kinder dann aber älter werden und dies definitiv nicht möglich ist, bieten wir ein Verselbständigungstraining an“, erklärt Götting. Hier lernen die jungen Menschen, ihren Alltag selbst zu organisieren, so zum Beispiel mit dem zur Verfügung stehenden Geld auszukommen, die Zukunft über Schule und Beruf zu planen und allgemein ihren Alltag zu strukturieren.

„Besonders wichtig ist auch, die Betroffenen in Krisen wie eine zerbrochene Beziehung oder eine abgebrochene Lehre aufzufangen“, betont Götting. Denn das soziale Netz „Familie“ haben Kinder, die in Heimerziehung aufwachsen, oft nicht. Während das Durchschnittsalter des Auszugs aus dem „Hotel Mama“ bei jungen Menschen heute bei 23 Jahren liegt, mussten die Bewohner/innen das Kinder- und Jugendhaus vor ein paar Jahren noch mit 18 Jahren verlassen.

Das ist inzwischen anders geworden. Durch drei externe Wohngruppen, diverse interne direkt im Haus St. Josef, einer Trainingswohngemeinschaft, sowie einigen Trainingswohnungen in Bad Oldesloe und Norderstedt wird es den Heranwachsenden ermöglicht, „betreut“ im Leben Fuß zu fassen.

„Regelmäßig finden Treffen zwischen uns und den jungen Leuten statt, dann wird gemeinsam erarbeitet, wo es Schwierigkeiten gibt und nach Lösungsmöglichkeiten gesucht“, beschreibt Götting die Arbeit des Jugendhauses. So soll das Bewusstsein gestärkt werden, dass jeder die Verantwortung für sein Leben selbst in der Hand hat. Götting freut sich immer besonders, wenn er einen seiner Schützlinge auf den rechten Weg gebracht hat, so einst einem jungen Mann, der mit seinem ersten Geld einen Karton seiner Lieblingsmarmelade gekauft hat, inzwischen aber sehr gut mit seinen gegebenen finanziellen Mitteln haushalten kann, und zuletzt einer jungen Mutter, der das Jugendhaus zu einer Wohnung verholfen hat. Michelle (18) hat dieses Ziel erst vor Augen.

Momentan nimmt die junge Mutter einer einjährigen Tochter noch an der Lernwerkstatt teil, hofft aber, im nächsten Jahr ihre berufsvorbereitenden Maßnahmen zur Hauswirtschafterin am Jugendaufbauwerk wieder aufnehmen zu können und anschließend eine Ausbildung in dieser Richtung zu absolvieren. Auch Nina (17), die in einer der Wohngruppen von St. Josef lebt, hat schon konkrete Pläne, möchte 2018 nach Kiel ziehen und ihre Schule dort beenden. Durch die Lernwerkstatt fühlt sie sich gut vorbereitet: „Vor allem habe ich gelernt, dass es immer wichtig ist, nachzufragen und sich nicht nur eine Meinung anzuhören“, erklärt sie.

Kinder- und Jugendhaus St. Josef

Das Kinder- und Jugendhaus St. Josef ist eine Einrichtung der stationären Jugendhilfe und leistet primär Hilfen im Sinne von Heimerziehung in der Haupteinrichtung am Wendum und den Außenstellen.

Darüber hinaus bietet es ambulante oder erweiterte Leistungen im Zusammenhang oder im Nachgang der stationären Hilfen.

Mit aktuell 180 Plätzen werden mehr als 200 Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und ihre Familien unterstützt. St. Josef ist damit größte Einrichtung dieser Art im Kreis Stormarn. Über 160 festangestellte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, darunter 125 Erzieherinnen und Erzieher, sorgen für das Wohl und die persönliche Entwicklung der Kinder und Jugendlichen. Die Gesamtleitung hat Birgit Brauer, der pädagogische Leiter ist Stefan Götting.

 Sandra Freundt

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