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St.-Jürgen-Hospital droht die Pleite

Bad Oldesloe St.-Jürgen-Hospital droht die Pleite

Stiftungsvorstand hat der Stadt den Kauf des Grundstückes und der Gebäude in Bad Oldesloe angeboten. Weil Brandschutzauflagen nicht erfüllt wurden, kann das Alten- und Pflegeheim geschlossen werden.

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Das historische Gebäude am Oldesloer Kirchberg: Hier befindet sich die älteste soziale Einrichtung der Stadt.

Quelle: Fotos: Thormählen/matzen/archiv

Bad Oldesloe. Steht die Stiftung St.-Jürgen-Hospital, die das gleichnamige Alten- und Pflegeheim in Bad Oldesloe betreibt, vor dem Aus? „Die Insolvenz der Stiftung ist wohl kaum zu vermeiden. Höchstens durch den Kauf der Gebäude durch die Stadt“, erklärte Hans- Hermann Roden (SPD), stellvertretender Bürgerworthalter, während der jüngsten Sitzung der Stadtverordneten. Bürgermeister Tassilo von Bary (parteilos) hatte zu Beginn der Sitzung einen Dringlichkeitsantrag eingebracht:„Uns wurde kurzfristig ein Grundstück mit Gebäude angeboten.“

LN-Bild

Stiftungsvorstand hat der Stadt den Kauf des Grundstückes und der Gebäude in Bad Oldesloe angeboten – Weil Brandschutzauflagen nicht erfüllt wurden, kann das Alten- und Pflegeheim geschlossen werden.

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In einem vertraulichen Schreiben hatten der Vorstandvorsitzende der Stiftung, Bürgerworthalter Rainer Fehrmann und der stellvertretende Vorsitzende Horst Möller (beide CDU), den Bürgermeister über die Situation des Pflege- und Wohnheims informiert. Nach Abbruch der Verkaufsverhandlungen mit der Familie Riedel hätte der Vorstand alle Anstrengungen unternommen, um einen neuen Betreiber zu finden. Die Einrichtung sei bundesweit zum Verkauf angeboten worden. „Stand heute: Es gibt keinen Interessenten, der eine verbindliche Kaufzusage abgegeben hat“, so der Vorstand in dem Brief. Eine dramatische Entwicklung sei durch die in der vergangenen Woche vorgenommene Nachschau des Kreises zur Brandschau von 2011 entstanden. „Es ist zu erwarten, dass der Betrieb der Pflege- und Wohnheimeinrichtung nur noch ganz kurzfristig aufrecht erhalten werden kann.“

Letzte Hoffnung der Stiftung, um eine Insolvenz abzuwenden: dass die Stadt Interesse am Kauf der Immobilie hat, die in einem Exposé auf 2,8 Millionen Euro taxiert wurde. „Für die Zeit von der Schließungsbekanntgabe bis zur noch möglich erscheinenden ordentlichen Abwicklung“ benötige die Stiftung als Vorgriff auf den Verkaufserlös umgehend 400000 Euro – hauptsächlich für Personalkosten, die bis zu den Kündigungen weiterhin anfielen.

Dieser Brief wurde an alle Stadtverordneten verteilt. „Wollen wir den Weg gehen? Macht es Sinn, in Verkaufsverhandlungen zu treten? Es ist ein erheblicher Betrag, ein erheblicher Arbeitsaufwand – Ausgang ungewiss“, so von Bary. Denn selbst, wenn die Stadt kaufe, sei nicht sicher, ob man die Insolvenz damit abwenden könne.

Hendrik Holtz von den Linken plädierte dafür, diesen Weg einzuschlagen. „Es ist die attraktivste Lage der Stadt, grün, ruhig – mitten in der Innenstadt. Die Vorstellung, dass das Haus verfällt, wenn dort einer spekuliert, das würde der Bürger nicht verstehen.“ Björn Wahnfried (SPD) war sich sicher, dass das Ende von St. Jürgen nicht abwendbar sei. „Es gibt ja niemanden, der sagt, ich mach das mal. Für uns kann es nur noch um die Frage gehen: 2,8 Millionen Euro – ist es uns diesen Preis noch wert?“

Deutliche Kritik von Matthias Rohde: „Es ist ein trauriges Kapitel, die Stiftung nach 700 Jahren an der Wand zu sehen. Das tut wirklich weh. Der Vorstand der Stiftung trägt sicherlich die Hauptverantwortung. Da hätten seit fünf, sechs Jahren Profis ranmüssen“, so der FBO-Politiker. Jetzt müsse man hinnehmen, dass die Stiftung nicht mehr zu retten sei. Mit dem veranschlagten Preis für die Immobilie war Rohde nicht einverstanden. „Das ist kein realistischer Kaufpreis. Das ist schließlich ein Gewerbebetrieb und kein Einfamilienhaus.“ Deshalb gelte kein Sachwert, sondern ein Ertragswert. Rohde riet vom Kauf ab: „Die Verwaltung sollte auf unnötigen Arbeitsaufwand verzichten.“

Torsten Lohse (CDU) verteidigte den Stiftungsvorstand: „Ich finde es ausgesprochen bedauerlich, wie hier einzelne Leute an den Pranger gestellt werden. Wenn ich Verantwortung trage, nehme ich auch das Heft des Handelns in die Hand. Ich sage ganz ausdrücklich: Ich habe höchsten Respekt vor Personen, die es unter schwierigen Bedingungen angenommen haben, für St. Jürgen zu kämpfen.“

Die SPD brachte anschließend einen Antrag ein, „der nicht als Kaufantrag, sondern als Prüfangebot zu verstehen sein soll“, wie Annika-Katharina Dietel und Hajo Krage formulierten. Demnach soll die Verwaltung beauftragt werden, folgende Punkte zu prüfen: Wie können die Gebäude sinnvoll genutzt werden? Inwieweit können die Gebäude an Dritte vermietet werden? In welchem Zustand sind die Gebäude?

Welcher Kaufpreis wäre angemessen?

Der Antrag wurde mit 15 Ja-Stimmen, einer Gegenstimme und sechs Enthaltungen angenommen. „Bis wir das zusammen getragen haben, könnte die Stiftung insolvent sein“, meinte dazu Bürgermeister von Bary.

Wo früher die Armen gespeist wurden

Das St.-Jürgen-Hospital kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Wann genau die Stiftung gegründet wurde, ist nicht bekannt. Urkundlich erwähnt wurde sie 1289 in einem Lübecker Testament. Ländereien, deren Verpachtung die Finanzierung sichern sollte, wurden von Graf Adolf von Schauenburg gestiftet. Im Laufe der Zeit wurde der Landbesitz durch Kriege und unehrliche Stadtväter verringert. Doch noch heute fließen Gelder aus den Verpachtungen von Ländereien und Kleingärten in den Altenheimbetrieb.

Früher stand das kleine Haus am Oldesloer Kirchberg armen, kranken und alten Bürgern offen. Sie wurden dort verköstigt und erhielten jährlich einen grauen Rock und Schuhe. Auch Wanderer wurden dort mit einer Mahlzeit versorgt. Beim großen Stadtbrand 1798 fiel St. Jürgen den Flammen zum Opfer. 1800 wurde es an gleicher Stelle wieder aufgebaut. Zwölf Menschen wurden damals in St. Jürgen untergebracht. 1979 wurde die Nachbarvilla dazugekauft, 1989 eine Pflegeabteilung eingerichtet und 1994 ein Fahrstuhl eingebaut. 2004 kam der Neubau am Kirchberg 3 hinzu.

Heute verfügt die Einrichtung über 39 Pflege- und 15 Wohnheimplätze. 40 Mitarbeiter hat die Einrichtung. Es gibt eine eigene Küche, eine eigene Wäscherei und eine eigene Reinigung.

 Britta Matzen

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