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Stormarn Stapelfelder Ideenschmiede: In der Höhle eines Löwen
Lokales Stormarn Stapelfelder Ideenschmiede: In der Höhle eines Löwen
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14:24 30.10.2016
Der 49 Jahre alte Ralf Dümmel im Showroom vor der Wand mit den beliebtesten Produkten der Firma. 4000 Ideen wurden bislang in Stapelfeld umgesetzt. Quelle: Markus Carstens
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Stapelfeld

Der Scuddy steht natürlich genauso wie der E-Ball schon in den Firmenräumen von DS Produkte am Stormarnring in Stapelfeld. Beides sind Produkte, die ihre Erfinder in der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“ vorgestellt haben und die Unternehmenschef Ralf Dümmel derart begeisterten, dass er in sie investiert und sie mit seinen Möglichkeiten und dem Firmen-Know-how weiterentwickelt.

„Der Scuddy war mit 4500 Euro für den Massenmarkt schon sehr teuer“, sagt Joakim Trumpler, Abteilungsleiter der Produktentwicklung, und zeigt den faltbaren Elektroroller, den zwei Kieler Studenten entwickelt haben. „Wir haben dann eine Light-Version gebaut, die für 999 Euro zu haben ist“, so Trumpler weiter, dessen Büro vollgestellt ist mit Neuentwicklungen, die demnächst auf den Markt kommen.

Darunter ist zum Beispiel auch der Cleanmaxx Wischmopp, ein Reinigungsgerät nach dem Prinzip eines Brummkreisels. Trumpler: „Eine Lösung, die es so bislang noch nicht gibt.“

Das Besondere an dem E-Ball wiederum – quasi eine Weiterentwicklung des Segways – war übrigens, dass erstmals alle fünf Vox-Löwen in die Erfindung investierten. Jeder gab 100000 Euro und hält jetzt zehn Prozent der Firmenanteile.

Wer nun durch die Räume von DS Produkte geleitet wird, könnte auf die Idee kommen, dass die Fernsehsendung eigens für das Stapelfelder Unternehmen gemacht wurde. „Genau das habe ich auch gedacht“, erklärt im LN-Gespräch Ralf Dümmel, Gesellschafter und einer von drei Geschäftsführern. Denn Produktentwicklung und -management sind exakt das Geschäftsmodell des Unternehmens. Rund 4000 Produkte zum Beispiel aus den Bereichen Haushalt, Kleinelektro, Beauty oder Fitness, die über große Handelsketten in Europa vertrieben werden, gehören mittlerweile zum Portfolio – und sind im eigenen Showroom zu bewundern.

Trotzdem sagte der 49-Jährige nicht sofort zu, als die Anfrage von Vox kam, als Juror in der Sendung mitzuwirken. „Wir haben das im Team diskutiert, so wie wir es hier immer machen“, sagt Dümmel.

Auch die eigenen Erfindungen gingen nicht „auf einen einzelnen Daniel Düsentrieb“ zurück, sondern würden in größeren Brainstorming-Runden entwickelt. Letztlich war die Begeisterung in der Firma groß

und Dümmel sagte zu.

Bereut hat er keines seiner Investments im Rahmen der TV-Sendung; allerdings gibt Dümmel zu, die Medienanfragen und auch den Rummel um seine Person unterschätzt zu haben. Mittlerweile gilt der charismatische Unternehmer als der heimliche Star der Serie, und das nicht nur wegen seiner modischen Anzüge mit bunten Einstecktüchern und ebenso farbenfrohen Socken.

„Wir in Stapelfeld kennen ihn aber auch nur so“, sagt Unternehmensreferentin Doris Wippermann. Dümmel hat sich also kein neues Image fürs Fernsehen zugelegt. Im Gegenteil: Er habe auch kein Coaching gemacht, sondern wollte authentisch bleiben. „Ist doch viel zu anstrengend, eine Rolle zu spielen“, sagt Dümmel, der mit Abstand die meisten Investments tätigte.

Bei den Entscheidungen hat er meist auf sein Bauchgefühl gehört. „Ich gucke zuerst auf den Menschen und seine Leidenschaft für sein Produkt, dann merkt man schnell, ob man mit ihm auf einer Wellenlänge ist“, erklärt Dümmel. „Und wenn dann noch das Produkt gut ist, greife ich zu.“ Das zu beurteilen, fällt ihm nicht so schwer, denn „das mache ich ja ohnehin jeden Tag“.

Dass Ralf Dümmel für neue Entwicklungen und Erfindungen ein Gespür hat, zeigt bei DS Produkte am deutlichsten der Showroom, der – zusammen mit einem Film- und Fotostudio für eigene Werbeaufnahmen – in einem weiteren Gebäude auf der anderen Straßenseite untergebracht ist. Fast 40 verschiedene Produkte sind dort auch mit einem goldenen Anstrich versehen. Das heißt, diese wurden mehr als eine Million Mal verkauft. Darunter sind zum Beispiel ein Trinkwassersprudler, der übrigens von den Klitschkos beworben wurde, ein Spiralschneider oder eine besondere Keramikpfanne. „Es dürfte kaum

einen Haushalt in Deutschland ohne ein DS-Produkt geben“, sagt Dümmel. „Und wenn ich im Supermarkt jemanden sehe, der eines unserer Produkte in den Einkaufswagen legt, freut mich das wie am ersten Tag.“

Waren es früher hauptsächlich sogenannte Non-Food-Produkte, die die Stapelfelder beworben und vertrieben haben, kommen jetzt mehr und mehr Lebensmittel hinzu, zum Beispiel Nahrungsergänzungsmittel.

Und DS Produkte ist auch für das Comeback des Kult-Sirups Tritop verantwortlich. „Wir haben Patente, Gebrauchs- und Geschmacksmuster für fast 800 Produkte“, erklärt Ralf Dümmel beim Gang durch den 400 Quadratmeter großen Showroom.

Seit nunmehr 28 Jahren ist der gebürtige Bad Segeberger bei DS Produkte beschäftigt, fing 1988 als Verkaufsassistent an und arbeitete sich dann kontinuierlich an die Spitze. Der Firmengründer Dieter Schwarz hatte ihn damals von Möbel Kraft nach Stapelfeld gelotst. Ein Glücksfall – für ihn und das Unternehmen.

 Markus Carstens

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