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Stormarn Steinburger bauen ihr eigenes Nahwärmenetz
Lokales Stormarn Steinburger bauen ihr eigenes Nahwärmenetz
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18:13 23.04.2016
Stephan Bern — mit Sohn Jarik — und Wolfgang Busche gehören zur Genossenschaft, die Wärme von der Biogasanlage in Mollhagen bezieht.

Die großen Kommunen haben Stadtwerke, die innovative Energieprojekte voranbringen können. Doch was machen die Dörfer? In dieser Beziehung tut sich einiges in Stormarn. In der Gemeinde Steinburg hat sich vor einem Jahr eine Bürgergenossenschaft gegründet, um ein eigenes Nahwärmenetz in den drei Ortsteilen aufzubauen.

Energielieferant ist in diesem Fall die Biogasanlage in der Gemeinde. Von dort sollen nicht nur die Einwohner am Standort in Mollhagen, sondern auch in den Ortsteilen Sprenge und Eichede von der Abwärme des Biokraftwerks profitieren. Über Leitungen wird das warme Wasser direkt in die Haushalte transportiert und abgekühlt wieder zur Anlage zurück.

94 Prozent der Wärme soll auf diese Weise zur Verfügung stehen. An ganz bitterkalten Tagen schaltet sich ein Gasbrenner ein. Zudem muss ein Pufferspeicher mit einem Fassungsvolumen von 50 000 Liter gebaut werden. Kosten: 1,85 Millionen Euro. Rentabel wird diese Investition durch eine staatliche Beihilfe. 60 Euro pro Meter Leitung werden gefördert, ebenso die Übergabestation.

„Das ist eine Investition in die Zukunft. In 20 Jahren amortisieren sich die Kosten, dann haben wir eine sehr günstige Heizquelle und bestimmen selbst über die Preise“, sagt Wolfgang Busche. Doch auch vor dieser Frist erweise sich der Nahwärmeanschluss als ökonomische Variante. Denn wer eine Gas- oder Ölheizung betreibe, müsse alle 15 Jahre eine neue Anlage kaufen. Das Leitungssystem aber halte aber 60 Jahre lang, also sparten die Haushalte schon in dieser Beziehung.

81 Mitglieder hat die Genossenschaft in Bürgerhand. Viele Familien sind laut Busche von der neuen Wärmeversorgung in Bürgerhand gleich überzeugt gewesen und beigetreten, einige sogar obschon sie sich erst kürzlich eine neue Heizung gekauft haben. Diese wollten sie nun veräußern und sich lieber ans Steinburger Netz anschließen lassen. 1500 Euro kosten die Genossenschaftsanteile. Sie bleiben im Eigentum des Erwerbers, bis dieser sein Haus verkauft oder vererbt. Einmalig fallen 2000 Euro für die Übergabestation an.

„Perspektivisch wollen wir auch Strom produzieren. Dann können wir Mitglieder Herrn Vattenfall und Frau Eon Tschüss sagen und die Preise selbst festlegen“, kündigt Busche an. Von Vorteil sei beim gesamten Konzept auch, dass das erwirtschaftete Geld in der Region bleiben und nicht irgendwohin abfließe.

Da die Bedingungen auch aufgrund des niedrigen Zinsniveaus recht günstig sind, wollen die Genossenschaftler recht bald mit der ersten Ausbaustufe in Mollhagen beginnen. Dabei nutzen sie noch einen Synergieeffekt: Mit den Leitungen verlegen sie zugleich eine Glasfaserleitung, die sie später an einen Provider vermieten wollen.

Von dvd

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