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Stolpersteine erinnern an Familie Rath

Ahrensburg Stolpersteine erinnern an Familie Rath

Der Ahrensburger Arzt Dr. Hugo Rath lebte mit seiner jüdischen Frau Veronika und den Kindern Dorle und Fritz Ulrich in der Waldstraße 8. Wie Millionen Juden wurde die Familie von den Nazis verfolgt. Seit Freitag erinnern vier Stolpersteine an das Schicksal der Familie Rath.

Till (v.l.), Kaan, Max und Janina verlasen die Geschichte der Denunziation.

Ahrensburg. In der Waldstraße hatte Rath seine Praxis und baute ab 1921 das erste Ambulatorium Schleswig-Holsteins auf. So nannte man die Kombination aus Arztpraxis und Behandlungsangeboten wie Massage und Krankengymnastik.

LN-Bild

Stormarnschüler wollen die Erinnerung an Nazi-Opfer bewahren.

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57 600 Stolpersteine

Der Künstler Gunter Demnig hatte 1992 die Idee zu den Stolpersteinen. Mittlerweile hat er in 20 europäischen Ländern 57 600 Steine verlegt. Damit will er den Opfern des Nationalsozialismus, die in den Konzentrationslagern auf Nummern reduziert wurden, wieder einen Namen und ihre Geschichte geben.

Als er 1935 einen Hausbesuch bei einem Richter machte, der überzeugter Nationalsozialist war, denunzierte der ihn wegen kritischer Äußerungen zur Judenpolitik Hitlers, obwohl Rath seit 15 Jahren sein Hausarzt war. Den Raths wurden die Pässe abgenommen und der Prozess gegen Dr. Rath in Altona eröffnet. 1938 beging Veronika Rath Selbstmord, um es ihrer Familie einfacher zu machen. Sohn Fritz wanderte nach Niederländisch-Indien aus, wo er sechseinhalb Jahre lang in ein Lager kam. Tochter Dorle blieb bei ihrem kranken Vater, der 1940 starb.

Seit Freitag erinnern vier Stolpersteine an das Schicksal der Familie Rath, die in direkter Nachbarschaft der Stormarn-Schule lebte. Die Klasse 9c des Gymnasiums hat die Patenschaft übernommen, Initiatoren waren außerdem der Runde Tisch, der Historische Arbeitskreis, der Seniorenbeirat und der Freundeskreis der Familie Rath. Der Künstler Gunter Demnig war aus Köln angereist, um die Stolpersteine zu verlegen, die sein künstlerisches Projekt sind: Sie sind das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Die Stormarnschüler haben eine Filmdokumentation des Projekts gemacht und werden die Erinnerung an Familie Rath weiter tragen. „Es ist Unrecht geschehen“, erklärte Schulleiterin Dr. Michaela Witte, „man muss darüber stolpern, um es sichtbar zu machen.“ Durch die vier Stolpersteine werde Familie Rath nachträglich wieder zusammen geführt.

Archivarin Elke Petter wusste von den Quellen im Ahrensburger Stadtarchiv und hatte die Projektidee an Lehrerin Karin Gerresheim heran getragen. „Für die Schüler war es interessant, mit Quellen aus der eigenen Stadt zu arbeiten, damit waren sie ganz nah dran“, so die Pädagogin. Die Schüler sprachen mit Zeitzeugen, die sich noch an die Kinder Rath erinnerten, und werteten die Quellen im Staatsarchiv Hamburg und im Ahrensburger Stadtarchiv aus. „Darin war sehr gut nachzuvollziehen, wer der Täter war“, erklärt Karin Gerresheim die Rolle des Denunzianten. Auch zu einem Enkel Dr. Raths hätten die Schüler Kontakt aufgenommen, der im Amerika als Künstler arbeite. Er bekommt eine CD mit der Dokumentation. „Das Projekt passt in den Lehrplan, in Klasse 9 behandeln wir den Nationalsozialismus.“

Das Haus der Familie Rath liege am Schulweg, so Schülersprecherin Aylin. „Wir wollen an das Schicksal der Familie erinnern. Zeitzeugen gibt es bald nicht mehr, darum muss man neue Formen des Erinnerns schaffen.“ Der elfte Jahrgang der Schule wolle künftig jedes Jahr in der sechsten Klasse eine Unterrichtsstunde zum Schicksal von Familie Rath abhalten. „So erreichen wir die Aufnahme der Opfer in das kollektive Gedächtnis.“ Zur Feier der Stolpersteinverlegung verlasen die Schüler die Lebensgeschichte der Raths und begleiteten die Feier mit Musik. Bürgermeister Michael Sarach kündigte an, dass es mit der Waldstraße 8 jetzt eine neue Station auf dem Gang des Erinnerns geben werde, der jeden 9. November in Ahrensburg angeboten wird. Die Waldstraße ist der dritte Standort mit Stolpersteinen in Ahrensburg.

Von Bettina Albrod

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