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Lokales Stormarn Stormarn sucht Wege aus dem Verkehrschaos
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20:21 01.11.2013
„Unsere Ware muss natürlich pünktlich beim Kunden sein.“ Jörg Ullrich, Logistik-Unternehmer aus Lübeck
Bargteheide

Wenn sich die Wirtschaft in der Metropolregion Hamburg etwas wünschen dürfte, wäre es der Weiterbau der A 21 nach Süden. Denn jetzt schon gehören Staus zum Alltag, und in Zukunft wird die Belastung noch zunehmen. „Die Metropolregion Hamburg steuert auf einen Verkehrsinfarkt zu“, erklärte Friederike Kühn, Präses der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Lübeck, jetzt in Bargteheide. Hier war die die Informationsreihe „Infra Struktur“ der Kammern Lübeck und Hamburg zu Gast, um über Verkehrsprojekte zu informieren.

„Es kommt nichts Neues, und die Projekte aus den 70er Jahren sind sanierungsbedürftig“, so Kühn weiter. Das sei umso bedenklicher, als die Verkehre zunähmen: „Der Außenhandel steigt, neue Gewerbebetriebe siedeln sich an, Reisebereitschaft und Tagestourismus nehmen zu, und 2020 soll die Fehmarn-Belt-Querung kommen. Das führt zu hohem Anpassungsdruck.“ Denn der „Flaschenhals Hamburg“

bedeute Staus und damit Zeitverlust und mehr Kohlendioxid-Ausstoß. „Es herrscht Unverständnis in der Wirtschaft, dass die A 21 nicht weiter gebaut wird, das wäre ein Bypass für Hamburg.“

Von fünf Millionen Einwohnern in der Metropolregion sei die Hälfte erwerbstätig, führte Dr. Dirck Süß von der Initiative pro Metropolregion Hamburg aus. 37 000 Pendler kämen aus Stormarn und begegneten 16 261 nach Stormarn. „Stormarn ist der Kreis mit den meisten Pendlern.“ Süß sieht ein Problem darin, dass bei der Verkehrsplanung mit Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern vier Länder mitreden. „Hier ist Gemeinsamkeit nötig“, betonte Süß.

Dass die schon da ist, zeigte Martin Huber von der Hamburger Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation. „Wachstum und Fortschritt prägen die Region“, erklärte er. „Das führt zu Problemen, die andere Regionen sich wünschen würden. Es passiert viel zum Thema Verkehr.“ Priorität sei, die Erreichbarkeit der Welthandelsstadt Hamburg zu sichern. „Die Seeverkehrsprognose sagt bis 2030 eine Verdoppelung der Tonnage im Hafen voraus. Die Tonnen müssen auch wieder weg.“ Dafür müssten Schienennetz und Straßen aufgerüstet werden. „Da werden gewaltige Zuwächse zu verkraften sein.“

Insbesondere der Schienenverkehr werde mit Blick auf Fehmarn-Belt-Querung und den wachsenden Güterverkehr vorrangig behandelt. Aber auch der Ausbau der A 7, A 20, A 21 und A 26 müsse stattfinden.

„Für den Schiffsverkehr brauchen wir den Ausbau des Nord-Ostsee-Kanals, des Elbe-Seiten-Kanals und eine Anpassung der Fahrrinnen.“ Das alles komme zu dem bereits bestehenden Erhaltungsbedarf dazu.

„Die Straßen werden stärker verschlissen, weil der Verkehr zunimmt und Schwertransporte für beispielsweise Windkraftanlagen die Straßen über Gebühr beanspruchen.“

Da wird die S 4 eine Verbesserung. „Wichtig ist die Trennung von Regional- und Güter- und Fernverkehr“, betonte Michael Hüttel von der S-Bahn Hamburg GmbH. Denn durch die S 4 würden Bahnsteige für andere Züge im Hauptbahnhof frei. „In Bargteheide wird ein Einfädelungsgleis in die Fernstrecke gebaut, für das die jetzige Parkfläche gebraucht wird.“ Bei den Kosten von 630 Millionen Euro zeichne sich eine Beteiligung der EU an den Planungskosten ab. Möglicherweise könnten sich Bund und Länder die Kosten im Verhältnis 60 zu 40 Prozent teilen.

Ein Problem bleibt laut Ingenieur Dr. Rolf Hüttmann die A 21. „Der südliche Ausbau ist noch nicht einmal im Bedarfsplan des Bundes.“ Dabei könne sie als östliche Elbquerung eine Ausweichstrecke zur A 7 bieten und sechs Autobahnen im Norden vernetzen. Jörg Ullrich, Logistik-Unternehmer aus Lübeck, bestätigt: „Wenn die Ware nicht pünktlich am Ziel ist, verlieren wir Kunden und damit Arbeitsplätze. Die Fehmarn-Belt-Querung und der Weiterbau der A 21 sollten als ein Projekt geplant werden, um eine Zuverlässigkeit der Lieferkette zu haben.“

Bewusstsein schaffen
„Infrastruktur — Wege für Morgen“ lautet das Jahresthema 2013 der Deutschen Industrie- und Handelskammer. In über 80 IHKs werden zahlreiche regionale wie überregionale Veranstaltungen unter dem Stichwort „Infra Struktur“ angeboten. Mit den landesweiten Infoveranstaltungen sollen ein Bewusstsein für notwendige Investitionen geschaffen und Maßnahmen in Wirtschaft und Politik strukturiert vorangetrieben werden.

Bettina Albrod

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