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Lokales Stormarn Stormarn wird zur Seenlandschaft
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22:43 05.01.2018
Riesige Wasserflächen so weit das Auge reicht: Wiesen und Felder an der Bundesstraße 75 zwischen Reinfeld und Benstaben.
Bad Oldesloe/Reinfeld

„Die Koppeln stehen voller Wasser, und aus den Gräben fließt nichts mehr ab“, stellt Lennart Butz, stellvertretender Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Stormarn, fest. Eine Ursache für diese missliche Lage könne sein, dass viele Abläufe in der Vergangenheit nicht ausreichend geräumt worden seien: „Da ist man wohl nicht hinterher gekommen.“

Gräben, die kaum noch Wasser aufnehmen, und Felder, die nicht mehr befahren werden können: Der Dauerregen bereitet den Landwirten erhebliche Sorgen. Noch keine Probleme wegen der hohen Wasserstände gibt es dagegen in Bad Oldesloe und Reinfeld.

Wie auch immer – die Landwirte im Norden des Kreises könnten zurzeit selbst mit schwerem Fahrzeugen ihre Felder nicht mehr befahren, so Lennart Butz. Dabei hatten einige von ihnen bereits während der Ernte im vergangenen Jahr schon ganz ungewöhnliches Gerät einsetzen müssen. Wegen der andauernden Regenfälle musste teilweise sogar Raupenfahrzeuge auf den Äckern unterwegs sein.

In diesen Tagen, so der stellvertretende Geschäftsführer weiter, könnten die Bauern immerhin noch auf eine Wetteränderung hoffen: „Wir müssen eigentlich erst Ende Januar wieder auf die Felder.“ Bis dahin allerdings dürfe nicht mehr viel Feuchtigkeit dazukommen, und die Gräben müssten endlich wieder ihre eigentliche Funktion übernehmen. Wegen des enorm hohen Wasserstandes der Trave könnten mit Hilfe der Zuläufe die landwirtschaftlich genutzten Flächen nicht weiter entwässert werden. „Da tut sich zurzeit leider nichts“, betont Lennart Butz.

Vor allem Bauern, die darauf angewiesen sind, Gülle aus ihren Ställen auf die Felder zu bringen, stehen nach Angaben des Verbandes unter einem erheblichen Druck, der ständig größer werde. Spätestens im Februar müsse die Gülle wieder auf den Äckern ausgebracht werden. Angesichts dieser Notsituation hat das schleswig-holsteinische Landwirtschaftsministerium einer Ausnahmeregelung zugestimmt: Bei überbordenden Güllebehältern auf den Höfen dürfe die Masse auch in provisorischen Lagern deponiert werden – und dies für einen Zeitraum von maximal sechs Monaten.

„In Stormarn hat aber noch kein Landwirt von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht“, sagt Lennart Butz. Die Kollegen könnten sich untereinander mit freien Kapazitäten in den Behältern aushelfen: „Denn für ein provisorisches Lager entstehen weitere Kosten.“

Kein Regen mehr und dafür starker Frost – das kann nach den Worten von Lennart Butz die Rettung aus der Notlage sein: „Der Boden auf den Feldern würde dann aufbrechen und könnte das Wasser endlich aufnehmen.“

An frostige Temperaturen denkt auch Reinfelds Bürgermeister Heiko Gerstmann – allerdings auch aus anderen Gründen, nachdem sich die Wiesen an der Bundesstraße 75 zwischen Reinfeld und Benstaben in eine große Seenlandschaft verwandelt haben: „Das wäre ein Paradies für Schlittschuhläufer.“

Für die Karpfenstadt seien die hohen Wasserstände noch nicht bedrohlich, betont der Verwaltungschef: „Bei weitem noch nicht.“ Dies treffe auch auf die Region am Kalkgraben zu – früher ein durchaus neuralgischer Punkt: „Aber auch da haben wir noch keine Probleme.“ Heiko Gerstmann erinnert an die Situation im Jahr 2010, als in der Stadt die zahlreichen Teiche das Wasser nicht mehr aufnehmen konnten und über die Ufer traten: „Wir haben ein fähiges Ablaufsystem geschaffen.“ Etwas höher sei zurzeit der Wasserstand im Herrenteich. Deshalb musste der untere Bereich der Seepromenade für Passanten gesperrt werden.

„Regenfälle bereiten uns keine Probleme – Starkregen dagegen schon eher, wenn es zu einem Stau in den Rohren kommt“, erläutert Günther Pauli, Bereichsleiter für das Kanalnetz der Stadtwerke Bad Oldesloe. Innerhalb des Stadtgebietes gebe es mehrere Regenrückhaltebecken, in denen das Niederschlagswasser gesammelt und anschließend in die Flüsse geleitet werde. Diese Becken, so Günter Pauli, hätten noch freie Kapazitäten. Auch die aktuell höheren Wasserstände in der Trave und der Beste seien für Bad Oldesloe kaum Besorgnis erregend.

 Von Michael Thormählen

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