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Stormarn Stormarner fordern: Schluss mit den Plastiktüten
Lokales Stormarn Stormarner fordern: Schluss mit den Plastiktüten
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10:25 09.03.2016

Vögel und Fische verenden qualvoll — sie ersticken oder verhungern mit vollem Bauch.

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16,9 Millionen Plastiktüten verbrauchen die Stormarner pro Jahr. Nur wenige Tüten werden recycelt.

Noch nicht abschätzbar sind die Folgen von Mikroplastikteilchen, die durch Wind, Wasser und UV-Strahlung aus den größeren Plastikteilen entstehen. „Höchste Zeit, etwas zu ändern“, fordern Sigrun Stolle und Sabine Lemm von der Verbrauchergemeinschaft Kreis Stormarn. „Plastikvermeider“ heißt der Leinenbeutel, den die Verbrauchergemeinschaft Kreis Stormarn jetzt entworfen hat, um für umweltbewusstes Einkaufen zu werben. „Mir ist klar, dass es nur ein kleiner Beitrag ist im Vergleich zu den Unmengen Plastikmüll. Aber um das Bewusstsein des Verbrauchers zu schärfen, muss man klein anfangen“, so Stolle.

Das Thema Plastiktüten ist inzwischen auch bei Politikern angekommen. Die EU hat ihren Mitgliedstaaten durch eine Änderung der EU-Verpackungsrichtlinie vorgegeben, den Plastiktütenverbrauch bis Ende 2015 europaweit um 80 Prozent beziehungsweise 40 Tüten pro Kopf zu reduzieren. Ausgenommen sind sogenannte Hemdchenbeutel für Obst und Gemüse. Während andere Länder Zwangsmaßnahmen wie Bezahlpflicht oder Sonderabgaben einführen, setzt die Bundesregierung auf freiwillige Maßnahmen des Handels. So soll ab 1. April Schluss sein mit den kostenlosen Plastiktüten am Ladentisch. Die Einzelhändler sollen nach einem Vereinbarungsentwurf individuell „einen angemessenen Betrag“ für die Tüten festlegen, teilte der Deutsche Handelsverband (HDE) mit.

In Lehmann‘s Bioladen in der Hagenstraße in Bad Oldesloe gibt es zum Beispiel keine Plastiktüten mehr zu kaufen — nur Papiertüten für 20 Cent. Aber davon hätten sie schon lange keine mehr verkauft, so Chefin Myriam Klahn. „Seit zwei Jahren geben wir Leihtüten und -beutel aus, die wir von Kunden geschenkt bekommen. Denn Bio ist bei uns der Grundgedanke — das ist eine Lebenseinstellung, bei der es um Umwelt- und Naturschutz geht.“ Das komme gut an beim Verbraucher. „Wir versuchen auch, mit dem Kunden ins Gespräch zu kommen. Brauchen Sie wirklich eine Tüte?“, erzählt Mitarbeiterin Susanne Marck. Kundin Ursula Göbel braucht jedenfalls keine: „Ich finde es nicht gut, wenn überall Plastik herumschwirrt. Ich nehme immer einen Beutel mit zum Einkaufen.“

Auch in der Tchibo-Filiale in der Mühlenstraße wurde die kostenlose Einwegtragetasche bereits gestrichen. Kunden müssen jetzt 20 Cent bezahlen, wenn sie für ihre Einkäufe eine Plastiktüte brauchen. Außerdem will Tchibo eine faltbare Mehrwegtasche einführen. Zum 1. April schafft auch der dm-Drogeriemarkt die kostenlosen Plastiktüten ab. „Bereits im vergangenen Jahr haben wir testweise in einigen Märkten auf kostenlose Plastiktüten verzichtet und haben dafür überwiegend positive Rückmeldungen unserer Kunden erhalten“, teilt das Management des Unternehmens mit. Auch bei Rossmann wurden die kostenlosen Plastiktüten an der Kasse bereits vor zwei Monaten abgeschafft.

„Plastiktüten sind total uncool“, findet Justus Gerlach. Wenn es nach dem 20-jährigen Studenten ginge, sollte man Plastiktüten ganz abschaffen. „Jutebeutel tun‘s doch auch.“ Auch Kommilitonin Judith Barth ist seiner Meinung. „Plastik gehört nicht in die Natur. Darin verfangen sich die Tiere. Ich finde, Plastiktüten könnten nicht teuer genug sein“, so die 19-Jährige.

„Plastiktüten zu verteuern, ist nur ein Schritt. Der reicht aber nicht aus, da gerade die dünnen Plastiktüten, die häufig genug in der Landschaft rumfliegen, nicht davon betroffen sind“, sagt Sabine Reichle vom Naturschutzbund Reinfeld-Nordstormarn. Sie fände es wünschenswert, wenn der Handel sich noch stärker aktiv an der Verbraucheraufklärung beteiligen und flexiblere Angebote zum Transport der einzelnen gekauften Produkte machen würde. „Sie möchten Müll sparen? Bringen Sie für den Käse-Einkauf Ihre eigene Box mit“, lautet ein Vorschlag Reichles.

Zudem empfiehlt sie dem Handel, Druck auf die Produzenten auszuüben, um Plastikumverpackungen zum Beispiel von Obst und Gemüse zu reduzieren: „Warum muss jede Gurke nur einzeln eingepackt sein?

Insgesamt sollten wir alle Wege gehen, die die Produktion von überflüssigen Umverpackungen — ob Plastik oder Pappe — reduzieren“, wünscht sich die Nabu-Expertin.

Gefahren für Tiere

Etwa 71 Plastiktüten verbraucht jeder Deutsche im Schnitt jährlich — EU-weit liegt der Verbrauch bei 200 Tüten pro Kopf und Jahr. Plastik braucht bis zu 400 Jahre, bis es völlig zerfallen ist. Plastikabfälle sind im Meer, in Seen und Flüssen ein Riesenproblem. Herumschwimmende Plastiktüten, Pet-Flaschen oder Zahnbürsten werden mit Nahrung verwechselt. So haben Wissenschaftler den Mageninhalt von Eissturmvögeln untersucht.

93 Prozent der Tiere hatten laut WWF Plastikteile im Magen. Die Tiere ersticken, erleiden tödliche Verstopfungen oder verhungern mit vollem Bauch. Doch nicht nur Vögel sind betroffen, auch Fische und andere Meeresbewohner. Fische verwechseln winzige Plastikteilchen mit Plankton. Plastik kostet jedes Jahr Zehntausende Tiere das Leben. Und nicht zuletzt können Mikropartikel und Plastik-Giftstoffe auch über die Fische in die menschliche Nahrungskette gelangen.

Von Britta Matzen

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