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Stormarn Stormarner setzt den „Tatort“ ins Bild
Lokales Stormarn Stormarner setzt den „Tatort“ ins Bild
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18:59 03.04.2016
Jeder kennt es, das Logo des beliebten Sonntagskrimis, hier mit Tatort-Regisseur Özgür Yildirim. Quelle: Matthias Bolliger, Hfr/montage: Rolf Maschlanka

Als Özgür Yildirim elf Jahre alt war, schrieb er zusammen mit seiner wenig älteren Cousine ein Drehbuch und erschien damit in Hamburg beim NDR. Die Leute beim Sender schickten ihn wieder weg, ohne zu ahnen, dass sie 20 Jahre später Yildirims ersten „Tatort“ mit Wotan Wilke Möhring als neuem Kommissar ausstrahlen würden. Jetzt war mit „Zorn Gottes“ bereits der zweite „Tatort“ des deutsch-türkischen Regisseurs zu sehen, der mit seiner Familie in Stormarn lebt. Dazu hat er drei Kinofilme gedreht und dafür mehrere Preise erhalten.

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Der deutsch- türkische Regisseur Özgür Yildirim hat drei Kinofilme und zwei Tatort-Folgen gedreht. Er lebt mit Familie in Stormarn.

„Ich habe Filme immer schon faszinierend gefunden“, erzählt Özgür Yildirim. „Als Kind habe ich mir heimlich Horrorfilme angesehen, am besten fand ich damals ,Tanz der Teufel‘“. Die Geschichte um fünf Jugendliche, die im Wald in einer einsamen Hütte mit dem Bösen ringen, war so angsteinflößend, dass seine Eltern ihm den Film wegnahmen. „Ich hatte auch Angst“, sagt Yildirim, „aber der Film hat mich geprägt, genau so wie das türkische Kino mit seinen großartigen Komödien und Action-Filmen.“ Seine Eindrücke verarbeitete der Junge mittels Stift und Papier, indem er malte, Filmplakate zeichnete und anfing, selber Geschichten zu schreiben.

Innerhalb von zwei Jahren füllte er 445 Seiten mit Kurzgeschichten, suchte sich aus den Gelben Seiten einen Verlag und fuhr mit seinen Eltern hin. Als er 14 war, erschien seine Horror-Kurzgeschichtensammlung „Graue Nächte“; von den Eltern mitfinanziert. Ihr Vertrauen in die Kreativität des Sohnes hat sich bestätigt. Yildirim studierte an der Hamburg Media School Regie, wurde schon für seine ersten Kurzfilme ausgezeichnet und bekam 2008 bei den Nordischen Filmtagen in Lübeck sowie bei der Berlinale den Drehbuchpreis für den Gangsterfilm „Chiko“, der im Hamburger Drogenmilieu spielt. „Horror, Krimi und Mystery sind mein Genre“, so der Regisseur, „das ist meine Leidenschaft. Es reizt mich, Menschen auf unterhaltsame Weise einen Schreck einzujagen, wenn es nicht echt ist.“ Bei „Zorn Gottes“ holte die Wirklichkeit ihn ein — zwei Monate, nachdem die Folge abgedreht war, gab es den Terroranschlag in Paris. „Wenn man mit politischen Themen arbeitet, trägt man eine andere Art der Verantwortung“, erklärt der Regisseur. „Solche Themen verlangen Authentizität.“ Gerade „Tatort“ habe eine feste Fangemeinde, die mit bestimmten Erwartungen an die Filme herangehe. „Schlechte Musik und schlechte Kameraführung verzeiht der Zuschauer noch, eine schlechte Geschichte oder schlechte Schauspieler nicht.“ Im Gegensatz zu den vorherigen Filmen hat Yildirim beim „Tatort“ das Drehbuch nicht selber geschrieben. Aber seine Handschrift ist trotzdem zu erkennen: „Autor, Regisseur und Produzent entwickeln den Stoff gemeinsam. Der Regisseur muss beim Lesen des Stoffs eine Vision haben, wie es werden soll. Mich leitet die Frage: Was soll der Film mit einem machen?“

Der Auftrag für den ersten „Tatort“ war nach dem zweiten Kinofilm des Regisseurs an ihn herangetragen worden. 2011 hatte er die Musikkomödie „Blutzbrüdaz“ mit den Rappern Sido und B-Tight in den Hauptrollen gedreht, die in den Top-Ten der Kinocharts landete. Vor einem Jahr kam „Boy7“ in die Kinos, in dem der Bargteheider David Kross einen Jungen spielt, der sein Gedächtnis verloren hat und seine Identität sucht. Allerdings hätten die Science-Fiction-Elemente im Film die Zuschauer gestört. „In Deutschland muss immer alles realistisch sein“, bedauert der Regisseur, „dabei zeigt das Kino in England oder Frankreich schon lange, dass es auch anders geht.“ Den Mut, Zuschauer-Erwartungen zu sprengen, hätten nur wenige.

Gegenwärtig arbeitet Yildirim an zwei neuen Filmen. „Die Idee für den einen Stoff entwickele ich schon seit vier Jahren“, erklärt er. „Ich bleibe dem Genre treu.“

Deutsch-türkisches Kino

Özgür Yildirim gehört neben Fatih Akin („Soul Kitchen“), Buket Alakus („Einmal Hans mit scharfer Sauce“) und vielen weiteren Kreativen zu den Kinomachern mit türkischen Wurzeln, die seit den 1990er Jahren anspruchsvolle Filme drehen. In diesem Rahmen entstand die Culture-Clash-Komödie, die es in Deutschland bisher nicht gab.

Mittlerweile gibt es immer mehr erfolgreiche Filmemacher türkischer Abstammung auf dem europäischen Markt, deren Filme gängige Themen abseits der Migrationsthematik behandeln.  

 Quelle: wikipedia

Von Bettina Albrod

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