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Lokales Stormarn Stormarner untersuchen das Walsterben
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20:23 15.01.2016
„Die Tiere waren schon einige Zeit tot. Sie gasen relativ schnell auf, schon innerhalb weniger Tage besteht Explosionsgefahr.“ Rebecca Störmer

Rebecca Störmer leitet für den Verein Jordsand mit Sitz in Ahrensburg die Schutzgebietstation auf Helgoland. Sie war dabei, als vor der Nordseeinsel zwei tote Pottwale angetrieben wurden. „Morgens kam über die Whatsapp von Ornithologen die Meldung, sie sähen zwei Walkadaver vor Helgoland treiben“, erzählt die Meeresbiologin am Rande eines Vortrags im Haus der Natur in Wulfsdorf. „Der eine trieb vor der Insel, der andere zwischen Düne und Insel hindurch.“

Hier habe die Gefahr bestanden, dass der tote Wal an den Strand geschwemmt würde. „Das ist eine Masse Tier für nur 0,7 Quadratkilometer Insel“, so Rebecca Störmer. Denn bei toten Walen sei die Explosionsgefahr hoch. „Die Tiere waren schon einige Zeit tot“, erklärt die Biologin. „Sie gasen relativ schnell auf, schon innerhalb weniger Tage besteht Explosionsgefahr. Der eine Kadaver war bereits aufgeplatzt.“

Bei den Tieren handelte es sich um zwei etwa zehn Meter lange Jungbullen. Die Biologen informierten die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung und den Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN.SH), die die Tiere bargen und mit einem Schlepper nach Nordstrand brachten. „Dort werden sie von Veterinären der Tierärztlichen Hochschule Hannover untersucht“, sagt Rebecca Störmer. „So ein Geschehen ist selten, zuletzt hat es das in den 80er-Jahren gegeben.“ Einerseits sei es faszinierend, die großen Tiere zu sehen, andererseits blute einem Naturfreund das Herz. „Meine Aufgabe war es, den Prozess für die Öffentlichkeitsarbeit zu dokumentieren. Das Interesse ist groß.“

Die Ursachen des Walsterbens sind noch nicht bekannt, dazu gibt es verschiedene Theorien. Eckart Schrey, Biologe und Vorsitzender des Vereins Jordsand, glaubt an einen Navigationsfehler — die Tiere hätten sich verschwommen. „Eigentlich führt die Route der Bullen westlich von Irland entlang zu den Azoren. Dort warten die Weibchen“, erklärt er. „Wenn die Tiere falsch abbiegen, gelangen sie in die Nordsee, die für sie ein zu flaches und kleines Gebiet ist.“ Wale würden sich mittels Sonar orientieren und bis zu 3000 Meter tief schwimmen. „In der Nordsee bekommen sie zu viel Echo und finden sich nicht mehr zurecht.“

Tierökologe Micha Dudek, der für die Bundesforschungsanstalt für Fischerei in der Antarktis Wale katalogisiert hat, hat eine andere Erklärung. „Eigentlich führt ein uralter Walweg durch die Nordsee“, erklärt er. „Vor ein paar hundert Jahren gab es hier Wale und Haie, das beweisen Knochenfunde am Meeresboden.“ Noch um 1800 hätten die Hamburger in der Elbmündung Wale gejagt und mit deren Tran die Straßenlaternen befeuert. Deshalb sei ein Wal in der Nordsee kein Irrgast, sondern auf seiner ursprünglichen Route unterwegs. „Die Tiere sterben an der Umwelt“, ist der Biologe überzeugt. „Alte Wanderwege sind durch den Menschen gefährlich geworden.“

Der Motorenlärm der Schiffe schädige das empfindliche Gehör der Tiere, dazu kämen Plastik im Meer und abgefischte Gewässer, so dass die Tiere nicht mehr ausreichend Nahrung finden könnten. Auch Parasiten seien denkbar, die die Gehörgänge schädigen. „Möglicherweise wurden sie auch durch veränderte magnetische Feldlinien fehlgeleitet, die durch starke Eruptionen der Sonne vor einigen Wochen auftraten“, heißt es in einer Mitteilung des LKN.SH.

Aktiv im Tierschutz

1907 als Verein zur Begründung von Vogelfreistätten an deutschen Küsten in Hamburg gegründet, engagiert sich der Verein Jordsand mit Sitz in Ahrensburg inzwischen seit über 100 Jahren für den See- und Küstenvogelschutz sowie für den Naturschutz an der Nord- und Ostseeküste und im Großraum Hamburg. 1909 kaufte der Verein die Hallig Norderoog, die damit die erste und bislang einzige deutsche Hallig ist, die einem Vogelschutzverein gehört.


• www.jordsand.de

Bettina Albrod

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