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Stormarn Stormarns Ackerland wird immer teurer
Lokales Stormarn Stormarns Ackerland wird immer teurer
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20:22 09.09.2013
Getreideernte in Stormarn: Der Boden, auf dem dieser Mähdrescher unterwegs ist, wird immer kostspieliger. Starkes Interesse an Bauland lässt die Preise steigen. Quelle: Fotos: ja/archiv

Immer mehr landwirtschaftliche Flächen werden zu Bauland — das große Interesse von privaten Bauherren und Gewerbetreibenden hat einen Landhunger entfacht, der die Preise in Stormarn hat deutlich nach oben schnellen lassen. „Im Süden des Kreises werden mittlerweile bis zu 45 000 Euro für einen Hektar bezahlt“, sagte der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Hans-Jochim Wendt: „Der Run auf Land ist sehr groß.“

Vor allem im direkten Einzugsgebiet von Hamburg sei die Nachfrage erheblich gestiegen — viele Unternehmen suchten Flächen, um neue Betriebe zu errichten oder ihre Betriebsstätten zu erweitern. Dies sei auch der enormen Wirtschaftskraft der Region geschuldet, meinte Hans-Joachim Wendt. Außerdem wiesen Städte und Gemeinden zusätzliche Gebiete als Areale für eine Wohnbebauung aus. Der Hamburger Stadtrand erscheine nach wie vor besonders attraktiv — und sei für Mieter und private Bauherren immer noch günstiger als die Metropole selbst.

Preissteigerungen haben allerdings auch die anderen Teile Stormarn erreicht. Der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, der einen Betrieb in Grabau bewirtschaftet, wies auf einen aktuellen Verkaufsabschluss im Umland von Bad Oldesloe hin: Hier seien für einen Hektar Ackerland — also 10 000 Quadratmeter — bereits 40 000 Euro erzielt worden. Ingesamt 259 Hektar haben nach Angaben von Kreisverbands-Geschäftsführer Joachim Koll im vergangenen Jahr ihre Eigentümer gewechselt: „Das ist für einen kleinen Kreis wie Stormarn schon sehr viel.“ Angesichts dieser Nachfrage nehme die Region eine Spitzenstellung in Schleswig-Holstein ein.

Hans-Joachim Wendt sieht die Entwicklung mit einem lachenden und einem weinenden Auge: „Für den Kollegen, der jetzt Flächen zum Kauf anbietet, ist die wesentliche Teuerung natürlich seht gut.“ Für die Bauern komme es nicht in erster Linie darauf, einen finanziellen Schnitt zu machen. „Dafür hängt der Landwirt viel zu sehr an seiner eigenen Scholle, die in den meisten Fällen doch schon von Generationen bewirtschaftet wurde“, meinte der Verbandsvorsitzende. Gebe es jedoch keinen Nachfolge für den Hof oder müssten Erben ausbezahlt werden, dann locke der Verkauf von Äckern.

Negative Folgen hat der deutliche Preisauftrieb, wenn Landwirte ihre Betriebe durch Ankauf oder Pacht von Ackerflächen vergrößern wollen. Viele Höfe müssen zusätzliche Ländereien bewirtschaften, um konkurrenzfähig zu bleiben. Auch diese Landwirte, so Hans-Joachim Wendt, hätten jetzt erheblich mehr Geld zu investieren. Die Pacht schnelle in die Höhe, weil sie sich an den gestiegenen Bodenpreisen orientiere: „Und diese höhere Pacht muss erst mal erwirtschaftet werden.“

Überzogene Pachtforderungen können nach Ansicht von Geschäftsführer Koll die Wirtschaftlichkeit eines Betriebes gefährden: „Es kann immer dann kritisch werden, wenn verpachtetetes Land vom Eigentümer verkauft wird und der Pächter dann nicht mitbieten kann.“ Wachstum sei über einen Flächenkauf kaum noch zu finanzieren. Landwirte, so Peter Koll, die allerdings Ackerland als teures Bauland veräußerten, investierten teilweise diese Einnahmen, um an anderer Stelle Äcker zu erwerben: „So kann man die Existenz eines Hofes doch noch langfristig sichern.“

Mit Hilfe der Bauleitplanung können Kommunalpolitiker die Ausweisung von weiteren Gewerbegebieten und privatem Bauland selbst kontrollieren. „Niemand kann einer Gemeinde vorschreiben, dass sie landwirtschaftliche Flächen in Bauland umwandeln muss“, erläuterte Hans- Joachim Wendt, selbst ehrenamtlicher Bürgermeister in Grabau. So sei in dieser Gemeinde entschieden worden, weitere Häuser nur noch in den Lücken zu gestatten.

Mehr Ökologie gefordert
Auch Stormarns Bauern sehen sich vom kommenden Jahr an mit einer neuen Bestimmung der Europäischen Union (EU) konfrontiert: Fünf Prozent der landwirtschaftlichen Flächen müssten stillgelegt oder für mehr Ökologie zur Verfügung gestellt werden.

Auf diesen Flächen, so Kreisvorsitzender Hans-Joachim Wendt, könnten unter anderem Eiweißprodukte angebaut werden, Bohnen beispielsweise. Landwirte bevorzugten dagegen andere Agrarprodukte wie Raps, Weizen oder auch Zucker. „Auch wenn die Preise nachgelassen haben — für Getreide können immer noch bessere Einnahmen erzielt werden“, meinte Hans-Joachim Wendt. Die neue EU-Regelung greift mit Beginn der Aussaat im kommenden Jahr.

Michael Thormählen

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