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Stormarns Imker bangen um ihre Bienen

Zarpen Stormarns Imker bangen um ihre Bienen

Die Sommerhonig-Ernte fällt mager aus. „Es ist zu kalt und zu nass. Die Bienen finden nicht genug Nahrung“, sagt Rainer Götze aus Vinzier, der 25 Völker hat. Der Imker entnimmt etwa drei Kilo pro Volk. „Das ist sehr wenig. In optimalen Jahren sind es 15 Kilo“, sagt er.

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Einflugschneise: Rainer Götzes fleißige Bienen bringen Nahrung zum Stock. Der nasse Sommer zwingt den Imker zum Zufüttern.

Quelle: Fotos: Verena Bosslet

Vinzier/Zarpen. Der Baum mit den holunderähnlichen Blüten duftet betörend. Je näher Rainer Götze dem Japanischen Bienenbaum kommt, desto lauter wird das Gesumme. „Ein tolles Geräusch“, sagt der Hobby-Imker zufrieden. „Da ist ordentlich was los.“

LN-Bild

Sommerhonig-Ernte fällt mager aus – Rainer Götze aus Vinzier hat 25 Völker.

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Die Zarpener Imker treffen sich jeden dritten Donnerstag im Monat um 19.30 Uhr im Eckkrug in Zarpen. Gäste sind willkommen. Internet: www.imkerverein-reinfeld-zarpen.de

17 Bienenvölker beherbergt der 72-Jährige in seinem Garten in Vinzier in der Gemeinde Travenbrück, acht weitere in Bad Oldesloe. Und die Carnica-Bienen schwärmen nur zu gerne aus, um sich unter anderem an dem nektarreichen Nahrungsspender vor ihrer Haustür die „Höschen“ an den Hinterbeinen zu füllen. Zwar sind die Tiere äußerst emsig. Dennoch: „Ich muss zufüttern“, berichtet der Vorsitzende des Reinfelder und Zarpener Imkervereins. „Sonst würden nicht alle Völker überleben.“ Der Grund: „Es ist zu kalt und zu nass. Die Bienen finden nicht genug Nahrung“, sagt Götze. Jetzt ist Sommerhonig-Zeit und der Imker entnimmt etwa drei Kilo pro Volk. „Das ist sehr wenig. In optimalen Jahren sind es 15 Kilo“, sagt er.

Eine Art Sirup aus Wasser und reichlich Zucker stellt Rainer Götze seinen Tieren als Futterersatz zur Verfügung. „Wenn wir Imker nicht höllisch aufpassen, würden unsere Tiere verhungern.“ Nicht ohne Grund schaut er seit Mai einmal pro Woche in die sogenannten Segeberger Beuten, die grünen Behausungen seiner Tiere, außer die Temperatur sinkt unter 15 Grad. „Das tut den Tieren dann nicht gut.“ Häufig hat er Sorgenfalten auf der Stirn. Auch im Winter hat er seine Völker fest im Blick. „Der vergangene Winter war viel zu warm. Die Tiere kamen nicht richtig zur Ruhe. Ich habe selbst zehn Prozent meines Bestandes verloren“, sagt der Mann, der zudem seit 60 Jahren Geflügel züchtet.

Gefahren für die Bienen lauern überall. Wenn das Trachtloch nach der Rapsblüte nicht nur von der Lindenblüte, sondern auch vom gelbblühenden Jakobs-Kreuzkraut (JKK) abgelöst wird, halten die Imker besondere Ängste aus. Sie fürchten um den sorgenfreien Genuss ihres schmackhaften Sommerhonigs. Vor zwei Jahren wurden erstmals erhöhte Werte der im JKK enthaltenen Giftstoffe im Honig nachgewiesen.

Rainer Götze lässt seinen Ernte zwar nicht analysieren. „Aber ein Nachbarimker hat seinen im vergangenen Jahr prüfen lassen. Da war nichts drin. Unser Honig lässt sich noch bedenkenlos genießen“, betont er. „Unser zweiter Vorsitzender Günter Grandt ist 92 Jahre alt. Der isst wie alle Imker nichts anderes als Sommerhonig. Der kann so schlecht also nicht sein.“

Dennoch fordert der Vinzierer im Namen aller 52 Hobbyimker, die sich im Zarpener Verein um das Wohl der Bienen bemühen, eine Melde- sowie eine Vernichtungspflicht für das Jakobs-Kreuzkraut. „Kommt es nicht zur Vernichtung vor der Blüte, wird es sich so stark vermehren, dass viele Imker aufhören, ihren Sommerhonig zu vermarkten“, befürchtet Götze. „Das wäre sehr traurig.“ 3000 Imker gibt es in Schleswig-Holstein, sieben Völker haben sie im Schnitt.

Beim jüngsten Hoffest in Wulmenau, auf dem sich die Zarpener Imker präsentiert haben, konnte Rainer Götze immerhin „auf dem kurzen Dienstweg“ erreichen, dass eine Schonung vor seiner Haustür vom Jakobs-Kreuzkraut befreit wurde. „Der neue Landrat Görtz hat uns dort besucht. Mit ihm habe ich über das Problem gesprochen. Es hat nicht lange gedauert und die Fläche, die einer Stiftung gehört, war gemäht.“

Rainer Götzes Garten ist ein Paradies für Bienen, die Bepflanzung insektenfreundlich. Vom Frühjahr bis in den Spätsommer hinein blüht irgendwo etwas und dient seinen Bienen als Nahrungsquelle. „Bei mir wird kein Gift gespritzt“, sagt der Naturfreund. Er appelliert an Stormarner Hobby- und Kleingärtner, es ihm gleich zu tun. „Unkraut zwischen den Gehwegplatten bekommt man auch mit Essig weg“, sagt er. „Wir Imker brauchen einen vernünftigen Umgang mit Spritzmitteln, vor allem in der Landwirtschaft.“ Sein Wunsch: Bauern sollten ihre Pflanzenschutzmittel abends ausbringen – damit seine Bienen auch weiterhin die Chance haben, sich an dem köstlichen Nektar der Japanischen Bienenbaum-Blüten zu laben.

Mehr als nur Honigbiene

Der Begriff Biene reduziert sich meist auf die Westliche Honigbiene. Dabei handelt es sich bei den Tieren um eine große Gruppe unterschiedlicher Arten. Viele davon werden unter dem Begriff Wildbienen zusammengefasst. Bienen ernähren sich rein vegetarisch. Ihre wichtigste Nahrungsquelle sind süße Pflanzensäfte – insbesondere Nektar. Für die Eiweißversorgung ihrer Brut sind sie auf Pollen angewiesen. Zu Spitzenzeiten leben bis zu 80 000 Tiere im Stock. Die Sommerbiene lebt 41 Tage. Sie arbeitet sich im wahrsten Sinne tot. Die Winterbiene lebt bis zum Frühling. Drohnen, männliche Bienen, sind nur zum Begatten der Königin da.

• Informationen im Internet: www.imkerschule-sh.de oder

www.bienenreich-sh.de

 Verena Bosslet

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