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Stormarn Strauchschnitt statt Streudienst
Lokales Stormarn Strauchschnitt statt Streudienst
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02:33 07.02.2016
Hartmut Lampe wartet auf seinen Einsatz. Er streut die Reinfelder Gehwege mit einem Rasenmähertrecker.

Bis zu zehn Grad Außentemperatur und ein immer noch gut gefülltes Salzlager: Reinfelds Bauhof-Chef Marian Stickel kann diesem Winter eigentlich nur gute Seiten abgewinnen. „Der spart einiges Geld, weil wir kein Salz nachkaufen müssen. Außerdem fallen weniger Überstunden für die Mitarbeiter an.“

Vielleicht fünfmal hätten sie erst gestreut, erinnert sich Mitarbeiter Hartmut Lampe. Er fährt dann immer den Rasenmäher-Trecker „Kioti“, ein kleines Gefährt mit hohen Heckrädern und einem Trichter hintendrauf, in den er das Sandsalz kippt. „Dieses Wetter sei zwar angenehmer fürs Arbeiten“, sagt Fahrer Lampe. Am frühen Aufstehen ändert es aber nichts. Und die Dauerbereitschaft für seine Hoch-Tiefbau-Kolonne sowie für die Gärtner im Bauhof bleibt noch bis Ende März erhalten. Im wöchentlichen Wechsel müssen beide Gruppen rund um die Uhr bereit sein.

Kolonnenführer Klaus Haska spricht von einer „entspannten Lage“. So können wir uns schneller um die Beete kümmern, wenn die Wachstumsperiode beginnt. Viele Landschaftsarbeiten gehen den Gärtnern jetzt schneller von der Hand. Jacqueline Mai griff in der vergangene Woche zur benzinmotorgetriebenen Heckenschere, um im ganzen Stadtgebiet das Brombeergestrüpp und den Holunder zu kürzen. Ihr Kollege Stefan Hasch verlud das Gestrüpp auf einen Anhänger. „Eigentlich ,machen wir das in jedem Winter so“, sagte sie. Wenn ihnen in anderen Jahren die Kälte zu schaffen machte, so ist es in diesem Jahr der böige Winde. „Der nervt“, sagte die Gärtnerin.

Unterm Strich sei es in diesem Jahr aber wettertechnisch angenehmer zu arbeiten, sagt Maik Swiatlak, seit vergangenem Montag der Interimschef auf dem Baubetriebshof von Bad Oldesloe. Sein Vorgänger Axel Ruster ist in den Ruhestand gegangen. Selbst die Männer aus der Werkstatt im Sandkamp wissen die milde Witterung zu schätzen. Die Einsatzwagen brauchen weniger Sprit, das Salz frisst weniger an den Maschinen, das Material wird geschont. Erst 50 Tonnen Salz seien bislang auf Oldesloer Straßen gestreut worden. Da gab es im Winter 2010/2011 ganz andere Sorgen.

Die zwölf Mitarbeiter in Reinfeld zum Beispiel hatten während ihrer kaum endenden Einsätze etwa 100 Tonnen Streusalz auf den Straßen verteilt. Rund um die Uhr mussten sie beim Winterdienst im Einsatz sein. Dreimal pro Tag. Kolonnenführer Haska sprach damals vom „Bauhof an der Belastungsgrenze“. Doch jener Winter war noch gar nichts gegen das legendäre Schneechaos 1978/1979. Von Norden kommend brach es am 29. Dezember zum ersten Mal aus, um sich wenig später, als ein Großteil der Schneemassen wieder verschwunden war, im Februar in ähnlicher Heftigkeit zu wiederholen.

‘79: Schnee bis an die Dachrinne

Wieder waren zweistöckige Häuser bis zur Dachrinne zugeweht. Am 14. Februar 1979 rief der Krisenstab der Stormarner Kreisverwaltung den Katastrophenalarm aus und verhängte ein Fahrverbot für ganz Stormarn. Erstmals in der Geschichte der LN erschienen an mehreren Tagen keine Lokalteile, sondern eine gemeinsame Ausgabe für alle Kreise. Am schlimmsten betroffen war Nordstormarn. Die gewaltigen Bergepanzer der Bundeswehr waren tagelang im Einsatz. Die Kreisstraße zwischen Zarpen und Rehhorst war von einer meterhohen Schneewehe versperrt. Die Straßen zu einer Schweinemästerei in Schlamersdorf und zu einem Legehennen-Betrieb mit 6000 Tieren in Heilshoop mussten vorrangig geräumt werden. Die Landwirte benötigten dringend Futternachschub. Die Autobahn-Raststätte Buddikate wurde zu einem internationalen Fernfahrer-Camp, denn das Fahrverbot galt auch für die Autobahn. Die Bauhöfe gaben alles.

Dennoch hagelte es derart heftige Kritik, dass der damalige Oldesloer Bürgermeister Gottfried Baethge die Mitarbeiter des städtischen Bauhofes in Schutz musste. Viele Oldesloer bemängelten die vermeintlich nicht ausreichenden Räumarbeiten. In der Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit, hielt Baethge dagegen, hätte das Team bemerkenswerten Einsatz gezeigt und 1200 Überstunden geleistet.

Schon wegen oftmals unberechtigter Kritik an den Schneeräumern mag der Reinfelder Bauhofsleiter Marian Stickel diesen Winter: „Ich bin froh über jeden Tag ohne Straßenglätte. Dann bleiben die Beschwerden aus.“

Uwe Krog

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