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Stormarn Streng bewachter Gewalttäter
Lokales Stormarn Streng bewachter Gewalttäter
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20:16 24.02.2016
Nachdem der Stiefvater des mutmaßlichen Gewalttäters in der Stapelfelder Müllverbrennungsanlage nicht mehr über den 23-Jährigen sagen wollte, als dass „der Junge in die Psychiatrie“ müsse, hatte die Erste Große Strafkammer gestern einen damaligen Amtsrichter aus Rheine als Zeugen geladen. Ins provisorische Gerichtshaus an der Schwartauer Landstraße in Lübeck, weil das alte Landgericht umgebaut wird.

Aus dem

Gerichtssaal

Dem Zeugen war es gelungen, nach der Bluttat im Juni in der Verbrennungsanlage aus dem Stiefvater ein paar Beschreibungen über das Familienleben zu entlocken. Der Angeklagte, der als Leiharbeiter seinem Kollegen (59) eine Schlackegabel in den Kopf gerammt haben soll, war vor Jahren mit seiner Mutter, einem Bruder und seiner Schwester bei seinem heutigen Stiefvater im westfälischen Rheine untergekommen.

Doch die Söhne machten ihm das Leben zur Hölle. Gemeinsam mit seinem Bruder war der 23-Jährige mehrfach auf den, wie der Zeuge sagte, eher ruhigen Vertreter losgegangen. Einer griff den Stiefvater von vorn, der andere von hinten an. Einmal sei der Mann von ihnen derart zusammengeschlagen worden, dass er mit einem Kiefernbruch in eine Klinik eingeliefert worden sei. Ein anderes Mal habe er eine Platzwunde erlitten.

Es sei ein Steakmesser nach ihm geworfen worden, das zwar sein Ziel verfehlte, aber in der gegenüberliegenden Wohnungstür stecken blieb. Dann sei die Spardose des Stiefvaters verschwunden und einmal habe er ihn „beim Shitrauchen auf der Toilette“ erwischt. Da sei der Junge „hochgegangen wie ein HB-Männchen“. Ein Vergleich aus der Zigarettenwerbung der 60er und 70er Jahre. Ein Strichmännchen geht vor Wut in die Luft und beruhigt sich erst, als es zum Glimmstängel greift.

Selbst die eigene Mutter habe der Angeklagte nicht verschont, er habe sie übel beschimpft. Ein Punkt, an dem der in Fuß- und Handfesseln Fixierte etwas Unverständliches in den Gerichtssaal rief. Es schien ihm äußerst unbehaglich zu sein, dass solche Aussagen an die Öffentlichkeit drangen. Aufbrausend, unberechenbar schätzen ihn die Vollzugsbeamten ein. Sie ließen ihn keine Sekunde aus den Augen. Gegen Angriffe hielten sie Schutzbrillen parat.

Saal 155 im dritten Stock unter dem Schrägdach in der ehemaligen Kaserne war für diesen Prozess mit Bedacht gewählt worden. In der Enge dort sind Zuschauer und Prozessbeteiligte durch Sicherheitsglas getrennt. Und nach der Verhandlung war der automatische Eingang in das provisorische Gebäude versperrt, weil der Angeklagte auf dem Weg zurück in den Gefangenentransporter durch öffentliche Flure geführt werden musste.

Dreimal noch wird ein solcher Aufwand in diesem Verfahren betrieben werden müssen, das nächste Mal morgen. Dann kommt der psychiatrische Gutachter zu Wort. Das Urteil fällt am 14. März.   ukk

LN

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