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Stormarn Studien stützen Sielmanns Thesen
Lokales Stormarn Studien stützen Sielmanns Thesen
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18:31 26.12.2017
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Bad Oldesloe

„Wir haben es endlich schwarz auf weiß. Die medikamentenfreie Schmerztherapie Medi-Taping ist von zwei Universitäten in seiner Wirksamkeit bewiesen worden. In der Nachhaltigkeit sind wir besser als Krankengymnastik“, freut sich Sielmann. Allerdings hat er nicht mit der Trägheit der Krankenkassen gerechnet, die bislang eher zurückhaltend reagieren, was eine Kostenübernahme angeht. Bislang müssen Patienten bei Sielmann selbst für die Therapie bezahlen; es sei denn, sie sind privat versichert.

Dr. Dieter Sielmann erklärt am Skelett seinen Ansatz. Er beurteilt Patienten nach der Statik. Die in seinen Augen „schiefen“ Personen macht er mit osteopathischen Handgriffen wieder „gerade“, die bunten Tapes helfen gegen den Muskelschmerz. Quelle: Foto: Mc

Gegen Schmerzen

Fast 1500 Patienten betreut Dr. Dieter Sielmann pro Quartal in seiner Praxis in der Kurparkallee in Bad Oldesloe. An 200 bis 300 davon verdiene er aufgrund der Budgetierung nichts. „Ich mache rund 40 Patienten täglich schmerzfrei“, sagt der 69-Jährige

In einer sogenannten randomisiert kontrollierten Studie wurden zum einen chronische Rückenschmerzen und zum anderen Schulterleiden behandelt und ausgewertet. Einmal übernahm die Universität Witten-Herdecke die Federführung, einmal das Uniklinikum Freiburg, zu dem der Oldesloer Arzt schon seit vielen Jahren Kontakte hat.

Bei den Rückenpatienten zeigte die Taping-Gruppe gegenüber der Kontrollgruppe – sie erhielt Krankengymnastik – zwei Monate nach Behandlungsende signifikant bessere Werte für Schmerz, Funktionseinschränkung und gesundheitsbezogene Lebensqualität. Direkt nach Behandlungsende waren beide Gruppen auf einem ähnlichen Level.

Ähnliches bekam Dr. Dieter Sielmann schriftlich von der Universität Freiburg. Sie schreibt: „Die Ergebnisse unserer Studie offenbaren, dass beide Therapieverfahren wirkungsvoll bei der Behandlung von Schulterbeschwerden eingesetzt werden können. Jedoch besteht bezüglich der Effektivität ein deutlicher Unterschied zwischen Medi-Taping-Therapie und Physiotherapie, wobei die Medi-Taping-Methode einen positiveren Effekt bei den Schulterschmerzpatienten hervorbrachte. Damit wurde die Hypothese ,Die Medi-Taping-Therapie hat eine positivere therapeutische Wirksamkeit auf Schulterschmerzen als Physiotherapie’ bestätigt.“

Für Dr. Dieter Sielmann, der nach eigenen Angaben selbst etwa 50000 Euro in Forschung und Wissenschaft gesteckt hat, sind beide Studien der Durchbruch für seinen jahrelangen Kampf. Seiner Meinung nach seinen keine Operationen und auch keine teuren Untersuchungen wie MRT oder CT nötig. „Wir haben jetzt bewiesen, dass 99 Prozent aller Rücken- und Schulterschmerzen muskulär zu erklären sind.“

Der Jubel des Oldesloer Mediziners verstummte jedoch jäh, als er die ersten Antworten von den Krankenkassen bekam. Trotz prominenter Unterstützung durch den ehemaligen Kieler Gesundheitsminister und langjährigen SPD-Landesvorsitzenden Günther Jansen sowie der bevorstehenden Veröffentlichung der Studien in medizinischen Fachorganen bleiben die meisten Kassen und auch andere Protagonisten aus dem Gesundheitswesen zunächst skeptisch.

Die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein etwa speiste Sielmann mit einem Fünfzeiler ab. Sie erkenne keine Leistungspflicht der gesetzlichen Kassen. Auch anderen Kassen sehen zum derzeitigen Zeitpunkt keinen „evidenzbasierten Handlungsbedarf“. Der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten, Krankenkassen und Krankenhäusern, der über die Leistungen für gesetzlich Krankenversicherte entscheidet, erklärte sich für nicht zuständig bzw. verwies auf Formalien, die eingehalten werden müssten bei so einem Antrag. Die Krankenkassen wiederum seien nicht zuständig für die Anerkennung, hieß es vom Verband der Ersatzkassen. Er verwies wieder auf den Gemeinsamen Bundesausschuss.

Positives Feedback gab es indes von der Ärztekammer Schleswig-Holstein. In einem Schreiben, in dem Sielmann bestärkt wird für seine Methode, fordert die Kammer des Oldesloer Mediziner jedoch dazu auf, zunächst auf wissenschaftliche Publikationen zu setzen. Noch erfolgversprechender ist dagegen das Statement der AOK West, die Dr. Dieter Sielmann dabei helfen möchte, „die Behandlungsmethode weiter nach vorne zu bringen“.

Markus Carstens

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