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Stormarn „Surfende“ unternimmt eine Landpartie
Lokales Stormarn „Surfende“ unternimmt eine Landpartie
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20:43 18.10.2016
Das Museum in Schwaan zeigt zahlreiche Arbeiten. Infos gibt es unter Telefon 03844/891792 oder www.kunstmuseum-schwaan.de.
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Barnitz

Sie ist endlich angekommen, ohne allerdings auch nur einen Tropfen Meerwasser auf ihrer bronzenen Haut gespürt zu haben: Die „Surfende“ war einst als Kulturprojekt für ein Vorhaben in Flensburg geplant, gestern machte sich die von dem Barnitzer Bildhauer Thomas Helbing geschaffene Skulptur auf den Weg nach Schwaan in Mecklenburg-Vorpommern. Da soll sie ein Teil des neuen Skulpturenparks im städtischen Museum werden.

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Barnitzer Bildhauer Thomas Helbing stellt seine Skulptur einem Museum in Mecklenburg zur Verfügung.

Der 58-Jährige Künstler hatte ungefähr ein halbes Jahr an seinem Werk gearbeitet – 2008 war das bereits: „Das Alter sagt aber nichts über die Qualität aus.“ Die „Surfende“ sollte der weibliche Part eines größeren Projektes sein, das als „Kunst am Bau“ für ein Ärztehaus in Flensburg geplant war. Außerdem, so die damaligen Vorstellungen, sollte der Barnitzer Bildhauer eine Skulptur mit dem Namen „Drei Mann in einem Boot“ erschaffen. „Doch daraus wurde nichts. Den Grund habe ich leider nie erfahren“, erinnert sich Thomas Helbing. Von den „Drei Mann in einem Boot“ ist bis heute nur ein kleines Modell geblieben. „Aber die ,Surfende’ wollte ich unbedingt realisieren“, so der Künstler, der allerdings noch nie auf einem Surfbrett gestanden hat: „Meine Tochter macht das. Sie hat aber nicht als Vorbild gedient.“

Eigentlich sollte die „Surfende“ bis zu drei Metern groß werden. Entstanden ist ein Werk von rund 1,20 Metern Höhe, das eine weibliche Figur zeigt – kopfüber und mit zahlreichen Armen ausgestattet. Dieses Werk war bereits auf Ausstellungen zu sehen. Auf mehreren Ebenen wird die Figur von stark strukturierten Elementen umspült, die vom Betrachter als Wellen interpretiert werden können.

Dazu werden jetzt die Besucher des Museums in Schwaan – der Ort liegt rund 20 Kilometer südlich von Rostock – Gelegenheit haben. In Barnitz wurde die „Surfende“ gestern ganz vorsichtig auf einem Kleintransporter verladen. „Wir sind sehr froh darüber, dass diese Arbeit ein Teil unseres Skulpturenparks werden kann“, betonte Museums-Projektmanagerin Carolin Kampehl. Während einer Ausstellung habe sich der Kontakt zu Thomas Helbing ergeben: „Wir wollen bei uns regionale und später auch nationale und internationale Künstler mit ihren Arbeiten präsentieren.“ Der Skulpturenpark könnte später außerdem als „Forum für mögliche Symposien“ dienen.

Über Landstraßen und Autobahnen auf einer Strecke von rund 130 Kilometern ist die „Surfende“ jetzt gefahren worden. Und Thomas Helbing ist davon überzeugt, dass sein Werk den Transport wohlbehalten überstanden hat. Er hat die Figur aus einem Material gefertigt, das in der Branche als Kaltbronze bezeichnet wird: „Und die braucht ewig, bis sie kaputt geht.“ Eine spätere Restaurierung sei deshalb nicht notwendig.

Der 58-Jährige hatte die Figur zunächst in Gips gegossen, bevor er die eigentliche Skulptur erschaffen konnte. Kaltbronze kann von Künstlern selbst hergestellt werden als ein Gemisch aus Bronzepulver und Epoxidharz, das als besonders hart gilt. Die zunächst flüssigen Komponenten werden anschließend durch Glasfasern verstärkt, um dem Material eine höhere Dichte zu verleihen.

Mit auf den Weg nach Mecklenburg-Vorpommern hat sich auch ein schweres Stahlgestell gemacht, auf das in dem Schwaaner Skulpturenpark die „Surfende“ montiert werden kann. „Das wird uns die Suche nach dem besten Standort erleichtern“, erläuterte Carolin Kampehl. Der Bau eines besonderen Fundamentes sei deshalb nicht notwendig: „Dazu gab es schon einige Diskussionen bei uns.“ Dank des Gestells kann die Figur von allen Seiten betrachtet werden. Sie wird zunächst als Leihgabe für ein Jahr zu sehen sein, so die Vereinbarung zwischen Künstler und Kunsthaus. „Danach müssen wir weitersehen“, sagte die Projektmanagerin.

Thomas Helbing hat sich nach der Verladeaktion wieder seinem aktuellen Projekt zugewandt. Er arbeitet zurzeit an einem Quellstein, der ab November zu sehen sein wird. Kunstliebhaber aus Stormarn werden allerdings nicht ganz so weit fahren müssen, um diese Arbeit zu betrachten: Der Quellstein wird in Barnitz für die Stadt Bad Oldesloe geschaffen.

Große Kunst als Bindeglied zwischen zwei kleinen Orten

Die Stadt Schwaan im Landkreis Rostock hat nur rund 5000 Einwohner, dennoch finanziert sie ein eigenes Kunstmuseum. Mit Gründung der europäischen Künstlerkolonien sollte sich auch in Mecklenburg vor 130 Jahren eine durchaus vergleichbare Gemeinschaft von Malern zusammenfinden. Die kleine Ackerbürgerstadt Schwaan bot für das Zeichnen und Malen von der Natur zahlreiche Motive. Mit dem gebürtigen Schwaaner Franz Bunke entwickelte sich die Kleinstadt zu einem Künstlerort. 1902 siedelte sich der Hamburger Alfred Heinsohn in Schwaan an. Er hatte seine Ausbildung in Weimar erhalten. Die dortigen modernen Lehrmethoden mit Hinwendung zur Primamalerei begründeten die Ausbildung individueller Künstlerpersönlichkeiten. Vor rund 80 Jahren löste sich allerdings diese kleine Künstlerkolonie wieder auf.

Barnitz hat sich seit einigen Jahren zu einem Künstlerdorf von regionaler Bedeutung entwickelt. Seit 2004 öffnen die in dem Dorf ansässigen Künstler ihre Ateliers und laden stets zu Pfingsten zu einem viertägigen Kunsthandfest ein. Es stößt auf eine große Resonanz in der Region.

Michael Thormählen

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