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Stormarn Symbol gegen feste Beltquerung: Blaues Kreuz auch in Oldesloe
Lokales Stormarn Symbol gegen feste Beltquerung: Blaues Kreuz auch in Oldesloe
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21:43 23.05.2016
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Bad Oldesloe

„Kreuz-Dame“,entfuhr es dem Oldesloer Grünenchef Dr. Hartmut Jokisch amüsiert, als sich die Referentin des jüngsten Polit-Frühstücks im Oldesloer Bürgerhaus zum Foto aufstellte. Schließlich posierte die Grünen-Bundestagsabgeordnete Dr. Valerie Wilms mit dem Protestsymbol, das alle erbitterten Gegner einer festen Fehmarn-Beltquerung vereint: einem hochkant stehenden Kreuz, das – wäre es rotweiß statt blau gestrichen – mit einem Andreaskreuz an beschrankten Bahnübergängen verwechselt werden könnte.

„Ich glaube, das Projekt steht und fällt mit der Kostenfrage.“„Valerie Wilms, Bundestagsabgeordnete

Die blaue Farbe signalisiert also schon: Nach Auffassung der Grünen nähme das Ökosystem an der Küste und die Meeresbiologie im Bereich der Baustelle Schaden, wenn das ehrgeizige Verkehrsprojekt realisiert würde. Doch nicht nur das. Wilms führte eine ganze Reihe von Argumenten an, weshalb von der Beltquerung unbedingt Abstand zu nehmen sei. „Es ist schon irrwitzig“, sagte sie. „Auf der einen Seite bauen die Dänen Grenzzäune auf, andererseits wollen sie eine Verbindung ans Festland herstellen.“ Dabei bringe dieser Verkehrsweg im Verhältnis zur Fähre allenfalls eine halbe Stunde Zeitgewinn. Die mit 6000 bis 8000 Fahrzeugen bemessene Frequenz der Querung stehe in keinem Verhältnis zu den Kosten, die das Projekt verschlingen werde. Als ein vergleichbares Negativbeispiel zog Wilms den Lübecker Herrentunnel heran, der nicht so intensiv genutzt werde wie zuvor gedacht.

Eine lebhafte Debatte entspann sich bezüglich der Auswirkungen, die eine Beltquerung für das Hinterland haben würde. Wilms vertrat die Ansicht, der zusätzliche Güterverkehr, der vorwiegend nachts durch Stormarn rattere, bringe die größten Probleme mit sich. Schließlich müsse man sich darüber im Klaren sein, dass an den Bahnstrecken auf deutscher Seite ja keine wesentlichen Veränderungen vorgenommen würden und somit Maßnahmen zur Minderung des Lärms nicht automatisch zwingend seien. „Ein Bürgerwiderstand könnte natürlich etwas bewirken. Druck erhöht die Durchlässigkeit der Gehirnzellen“, sagte Wilms.

Andere Frühstücksgäste wiesen auf die Möglichkeiten hin, dass auch Waggons technisch so ertüchtigt werden könnten, dass kaum noch Lärm zu hören sei. Dem hielt die Grünen-Politikerin entgegen, dass die Waggons europaweit austauschbar seien. Betreiber mit modernisierten Wagen würden diese nur im internen Bereich nutzen. „Sonst bekommen sie sie erst nach acht Jahren zurück und dürfen sie wieder fit machen“, sagte sie.

„Ich verstehe aber nicht, warum die Grünen gegen die Beltquerung sind. So könnte doch mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene umgelenkt werden. Durch den Lkw- Verkehr auf den Straßen entstehen doch so viele Kollateralschäden. Ganze Familien werden ausgelöscht“, sagte Michael Klahn, der für die FPD als wählbarer Bürger im Verkehrsausschuss des Kreises sitzt. Dem hielt Wilms entgegen, dass die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben müsse. Nach ihren Informationen hätten die für die Beltquerung geschätzten Kosten anfangs bei 5,5 Milliarden Euro gelegen. „Doch das ist ein politischer Preis“, räumte die Bundestagsabgeordnete ein. Inzwischen müssten die Kosten bei sieben Milliarden Euro liegen, vorausgesetzt, 2019 könne mit dem Bau begonnen werden. „Aber wir kennen das ja schon von anderen Projekten wie der Elbphilharmonie und dem Berliner Flughafen“, sagte Wilms. Sie wolle den Lkw-Verkehr auch nicht verteufeln. Im Nahbereich sei er unschlagbar. Vielmehr müsse an einem gerechten Transportpreissystem gearbeitet werden, bei dem die Berechnungsgrundlage für Schiene oder Straße angepasst sei.

Ihrzufolge liegt noch keine Baugenehmigung vor. Die Planer seien offenbar nicht mit den Gepflogenheiten der Planfeststellung in Deutschland vertraut. Landes-Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) habe zwar verkündet, dass das Verfahren 2017 abgeschlossen werden könnte. Doch es sei schon sicher, dass dies nicht ohne Klagen gehe. Bei einer gerichtlichen Prüfung zöge sich das Ganze noch mindestens drei weitere Jahre hin. Es gebe auch Unstimmigkeiten beim Bieterverfahren. Zwei deutsche Firmen seien von der Ausschreibung ausgeschlossen worden. Auch da gebe es rechtliche Konsequenzen.

„Ich glaube, das Projekt steht und fällt mit der Kostenfrage. Ich könnte schon fast die Hand ins Feuer legen, dass die Beltquerung nicht kommt“, sagte Wilms.

Dorothea von Dahlen

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