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Syrer baut Flüchtlingen Brücken in die neue Heimat

Bad Oldesloe Syrer baut Flüchtlingen Brücken in die neue Heimat

„Ich liebe die deutsche Sprache und will meine Kenntnisse weiter verbessern“, betont Khaled Tabseh, der seit acht Monaten in Bad Oldesloe lebt.

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Auf der Suche nach einer passenden Immobilie: Klaled Tabseh (l.) und Gerd-Günter Finck vom Mehrgenerationenhaus Oase.

Quelle: Thormählen

Bad Oldesloe. „Ich liebe die deutsche Sprache und will meine Kenntnisse weiter verbessern“, betont Khaled Tabseh, der seit acht Monaten in Bad Oldesloe lebt. Der Flüchtling aus Syrien hat eine wichtige Aufgabe übernommen — er arbeitet als Sprach- und Kulturvermittler, um Menschen ohne Sprachkenntnisse beim Umgang mit Behörden zu unterstützen. Außerdem hat diese Tätigkeit für den 60-Jährigen einen weiteren Nebeneffekt: „Ich verdiene genug, um davon leben zu können und bin deshalb nicht auf Unterstützung angewiesen.“

„Die Verständigung bietet berufliche Möglichkeiten.“ Gerd-Günter Finck

Gerd-Günter Finck, der als ehrenamtlicher Berater im Mehrgenerationenhaus Oase arbeitet, hat die Chancen erkannt, die sich angesichts der großen Zahl von Flüchtlingen bietet: „Gerade die notwendige Verständigung bietet auch berufliche Möglichkeiten.“ Die Arbeitsagenturen sprechen teilweise von einer Jobmaschine — Dolmetscher, Sicherheitspersonal oder Mitarbeiter von Unternehmen, die Lebensmittel liefern, sind gefragt.

Khaled Tabseh hat den Weg des Sprachvermittlers gewählt. Die Voraussetzungen dafür sind etwas geringer als für die eines offiziell anerkannten Dolmetschers. Der Syrer, der ein Bleiberecht für die nächsten drei Jahre besitzt, hatte schon als junger Mann Berührung mit der deutschen Sprache. Er kam in den 70er und 80er Jahren häufig als technischer Offizier mit Handelsschiffen in deutsche Häfen.

Und von 1996 bis 1999 lebte Khaled Tabseh in Hamburg. „Ich habe mich auch danach noch viel mit der deutschen Sprache beschäftigt, als ich wieder in meiner Heimat war. Vor allem mit Hilfe von Fernsehprogrammen, die wir per Satellit empfangen konnten. Am liebsten habe ich ZDF und RTL gesehen“, erinnert sich der 60-Jährige.

Nach seiner Flucht aus dem vom Krieg heimgesuchten Syrien kamen ihm die Sprachkenntnisse wie ein Segen vor. Schon bei der Ankunft in Neumünster, der zentralen Aufnahmestelle des Landes, konnte Khaled Tabseh für Behörden und das Deutsche Rote Kreuz aktiv werden: „Ich habe gleich meine Hilfe angeboten.“ Er spricht und versteht natürlich die in seinem Heimatland gebräuchlichen Dialekte, dazu Hocharabisch sowie weitere Mundarten, die in Nordafrika vorkommen.

Drei Monate hat der Sprachvermittler für die Diakonie der Nordelbischen Kirche gearbeitet, er war dabei unter anderem in Reinfeld und in Lasbek vor Ort, um für Flüchtlinge zu übersetzen. „Dabei ist es meine Aufgabe, diese Aussagen exakt zu übersetzen. Eine Bewertung kann ich nicht vornehmen“, erläutert der 60-Jährige. Nicht immer gelingt es ihm jedoch, das Gesagte nach Feierabend schnell wieder zu vergessen: „In einem Fall hat eine Frau geschildert, wie sie mit ihrer Familie über das Mittelmeer flüchtete. Dabei fielen ihr Ehemann und zwei Kinder über Bord und ertranken. Die Frau mit zwei weiteren Kindern erreichte Europa — ich habe später bei mir zu Hause gesessen und konnte einfach nur noch weinen.“

Doch der Job hat für Khaled Tabseh auch viele schöne Momente: „Einem Arzt konnte ich bei der Behandlung einer hochschwangeren Frau helfen, die ihr erstes Kind erwartete. Der Arzt wollte schon einen Kaiserschnitt in einem Krankenhaus machen, doch dann ging alles doch noch gut bei der natürlichen Geburt.“ In einem anderen Fall sei ein Flüchtling mit „höllischen Schmerzen“ in eine Klinik gebracht worden: „Da konnte geklärt werden, dass der Mann Probleme wegen eines Nierensteins hatte. Ihm wurde geholfen.“

Teilweise wird aber auch der Kulturvermittler benötigt. So habe die Polizei schon um seinen Einsatz gebeten, um Streitigkeiten unter Flüchtlingen aufzuklären oder zu beenden. „Dabei hilft mir, dass ich schon älter bin und damit Autorität besitze.“ Er unternimmt auch den Versuch, seinen Landsleuten die Grundregeln der deutschen Gesellschaft zu erklären: „Es ist hier freier als an Syrien, aber man muss sich an die Gesetze halten.“

Khaled Tabseh will nicht in seine frühere Heimat zurückkehren. Seine älteste Tochter und sein Schwiegersohn sind bereits in Stormarn. Seine Ehefrau sowie zwei weitere Töchter, 16 und 28 Jahre alt, befinden sich in Beirut im Libanon. „Ich hoffe, dass sie nachkommen“, sagt der Familienvater. Mit den jüngsten Tochter kommuniziert er übers Internet — und das nur auf Deutsch: „Sprache ist wichtig für ein Leben in Deutschland, in diesem Land, das so viel für uns Flüchtlinge getan hat.“

„Ressourcen vergeudet“

Gerd-Günter Finck hat bei seiner Beratertätigkeit im Oldesloer Mehrgenerationenhaus viele Flüchtlingsschicksale kennengelernt. Arbeitslosigkeit, Minijobs oder Asylverfahren bestimmten das Leben der Betroffenen: „Mit einer erzwungenen Untätigkeit vergeudet man Ressourcen. Wir bräuchten mehr Sprach- und Kulturvermittler.“ Die Menschen würden diese Hilfe später wieder zurückgeben.

Auch Gerd-Günter Finck kennt Erfolgserlebnisse bei der Suche nach Wohnraum und dem Umgang mit Formularen: „Klaled Tabseh hat jetzt selbst eine neue Wohnung in Oldesloe gefunden.“

Von Michael Thormählen

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