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Stormarn Täter-Opfer-Ausgleich nach Prügelei
Lokales Stormarn Täter-Opfer-Ausgleich nach Prügelei
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21:14 23.10.2013
Bargteheide

Bei einer Rangelei am frühen Neujahrsmorgen ist an der Bargteheider Bahnhofsstraße ein heute 17-Jähriger derart verletzt worden, dass seine Freunde den Krankenwagen und die Polizei riefen. Gestern saß der Täter (26) als Angeklagter im Ahrensburger Amtsgericht.

Zwar räumte er ein, hinter seinem Opfer hergelaufen zu sein und, als der 17-Jährige auf einer Wiese gestürzt war, auf ihm gesessen zu haben. Aber geschlagen und getreten habe er ihn gewiss nicht.

Daran erinnere er sich ganz genau. Anders das Opfer: „Erst kam eine Flasche geflogen. Und als wir die fragten, was das soll, ging der auf uns los“, berichtete der Schüler. Er sei nach seinem Sturz beim Weglaufen sehr wohl getreten und mindestens zweimal auf den Rücken geschlagen worden. Gut eine Woche habe er danach Schmerzen gehabt.

Vor dem Gerichtssaal zeigte unterdessen ein Vater sein Unverständnis, „dass für eine solche Lappalie so viele Zeugen geladen werden“. Drei, vier Jugendliche aus der Gruppe des Opfers in jener Nacht sollten noch aussagen. Aber so weit kam es dann doch nicht, weil das Gericht im Einvernehmen mit der Staatsanwaltschaft das Verfahren vorläufig einstellte, wenn der Täter den Schaden wieder gutmachen würde.

Und es sieht so aus, als sollte das klappen. Jedenfalls zeigte sich der damals ziemlich angetrunkene Schläger bereit dazu. Nach eigenen Angaben hatte er etwa zehn Flaschen Bier und sechs Gläser Wodka-Energy getrunken. Und auch das Opfer, das unter dem Einfluss von „zwei Sixern Mix-Bier“ stand, fand den Vorschlag des Richters annehmbar. Täter-Opfer-Ausgleich heißt ein solches Vorgehen in der Juristensprache, bei dem es um das ernsthafte Bemühen des Angeklagten zur Verständigung geht. Jetzt werden beide innerhalb der nächsten vier Monate von der Gerichtshilfe der Staatsanwaltschaft zu einem Termin gebeten.

Allerdings machte der Richter bereits klar, dass dabei nicht zwangsläufig ein Schmerzensgeld herauskommt. „Will ich auch gar nicht haben“, sagte der 17-Jährige. Aber eine Entschuldigung oder ein entsprechender Brief wäre schon angebracht. „Vielleicht reicht ja ein Händedruck“, sagte der Richter. Wenn es allerdings nicht dazu kommen sollte, werde das Verfahren wieder aufgenommen.

Immerhin, entschuldigt hat sich der Angeklagte schon mal. Allerdings mit Einschränkung: „Es tut mir leid, wenn ich das wirklich getan haben sollte.“

„Wir waren alle betrunken, aber ich wusste durchaus noch, was passierte. Ich habe ihn nicht geschlagen.“
Der Angeklagte

Uwe Krog

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