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Stormarn Tageseltern wollen Geld vom Kreis
Lokales Stormarn Tageseltern wollen Geld vom Kreis
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22:35 02.11.2013
Fordert neue Regelung: Vereinsvorsitzende Petra Niquet. Quelle: kks
Bad Oldesloe

Die Diskussion um die Senkung der Kreisumlage ist jetzt in vollem Gang, da kommt auch vom Verein Tagesmütter und -väter der Wunsch nach Unterstützung. Der Verein hofft auf einen Kreiszuschuss, der die Eltern, die ihr Kind von einer Tagesmutter oder einem Tagesvater betreuen lassen, gleichstellt mit Eltern, die ihr Kind in die Kindertagesstätte geben. Und damit auch die Existenz der Tagespflegepersonen sichert. Einen entsprechenden Antrag stellten sie jetzt im jüngsten Jugendhilfeausschuss.

„Wir erwarten eine Regelung auf freiwilliger Basis, um die Kosten in Krippen, Kindergärten, Hort und in selbständiger Kindertagespflege für Eltern gleich zu gestalten in der Form, dass der Kreis die Differenzkosten von etwa zwei Euro pro Betreuungsstunde pro Kind übernimmt“, erklärt die Vorsitzende des Vereins der Tagesmütter und -väter, Petra Niquet. Eltern, so Niquet, die ihre Kinder in einer Krippe oder Kindertagesbetreuung haben, müssten etwa 40 Prozent der Betreuungskosten aus ihrem eigenen Geldbeutel bezahlen. Den Rest der Kosten bezuschussten die Kommunen, der Kreis und das Land.

Eltern aber, die ihr Kind bei einer selbstständig tätigen Tagespflegeperson betreuen lassen, zahlten 100 Prozent der Betreuungskosten selbst. „Die wenigsten kommen in den Genuss von Unterstützung nach Paragraph 23 durch den Kreis, da ihr Einkommen über der Bemessungsgrenze liegt.“

Niquet vermisst die Gerechtigkeit und gibt zwei Beispiele zum Vergleich: So zahlt ein Ehepaar, mit einem Kind in der Krippe 400 Euro pro Monat (Kostenbeteiligung der Eltern liegen bei 40 Prozent der tatsächlichen Kosten) während Eltern, die ihr Kind in der Tagespflege untergebracht haben 100 Prozent der tatsächlichen Kosten, in diesem Fall 770 Euro, zahlen. „Das ist ein Preisunterschied zum Nachteil der Eltern in Höhe von 370 Euro. Wer fängt den auf?“, fragt die Vorsitzende. „Wir decken einen hohen Prozentsatz der Kinderbetreuung von Kindern unter drei Jahren ab“, aber Kindertagespflege werde in Zukunft nicht mehr konkurrenzfähig gegenüber Krippen und Kindergärten sein, wenn die Eltern nicht finanziell gleichgestellt würden.

„Der Bund und das Land haben nicht darüber nachgedacht, Kindertagespflege und Kitas finanziell gleich zu stellen“, bemängelt Niquet. Gleichzeitig bestätigt sie, dass bereits einige Kommunen freiwillig für einen finanziellen Ausgleich sorgen wie Ahrensburg, Reinfeld, Großhansdorf oder Oststeinbek. „2009 haben wir damals die Anträge bei allen Kommunen zum ersten Mal gestellt. Aber die wenigsten haben sich bewegt.“ 2010 ist der Verein das erste Mal an den Kreis herangetreten. Seitdem stellt der Verein jedes Mal zu den Haushaltsberatungen den Antrag. Bisher hat der Kreis jedes Mal den Antrag abgelehnt.

Dabei geht es mittlerweile für einige Tagespflegepersonen um die Existenz. Denn, so Niquet, durch den massiven, subventionierten Bau von neuen Kindergärten mit überwiegend Krippenplätzen wären ihre Arbeitsplätze gefährdet. „Kinder kommen in die Kindertagespflege und gewöhnen sich ein. Wird dann ein Krippenplatz frei und die Eltern wechseln von heute auf morgen, dann bleibt die Kindertagespflegeperson mit einem leeren Platz und weiteren laufenden Kosten zurück.“ Die Eltern würden ja nicht wechseln, weil sie mit dem Betreuungsangebot unzufrieden seien, sondern weil sie im Kindergarten 300 Euro an Betreuungskosten sparen würden.

Noch gibt es zum Antrag des Vereins keine Entscheidung, wie die Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses, Ulrike Stentzler (CDU), erklärte. Sie glaubt, dass der Kreis die Differenz nicht zahlen wird.

Kosten in Höhe von 1,2 Millionen Euro, so Stentzler, kämen auf ihn zu, wenn Differenzbeträge allein an die registrierten Tagespflegepersonen gezahlt würden. „Es müsste dann ja auch eine fortlaufende Finanzierung sein, das kann man ja nicht nur für ein Jahr machen.“ Die Ausschussvorsitzende verweist aber auch darauf, dass viele Kommunen selbst eine Lösung gefunden hätten. Wie auch Lütjensee, in dem Stentzler Bürgermeisterin ist. „Wir zahlen den Eltern 1,49 Euro an Zuschüssen pro Stunde.“ Stentzler setzt auf Kommunikation. Und möchte das Thema gerne mit den Kommunen diskutieren, die Tagespflegeperson noch nicht unterstützen.

Der Antrag des Vereins wird morgen, 4. November, noch einmal im Jugendhilfeausschuss im Raum D 132 an der Bad Oldesloer Mommsenstraße behandelt. Beginn ist um 19 Uhr.

Flexible Betreuung für Jungen und Mädchen
Im Verein der Tagesmütter und -väter Stormarn sind 150 Personen aktiv. 145 Frauen und fünf Männer stehen den Eltern und ihren Kindern als Tagespflegepersonen zur Verfügung.


Die Tagespflegepersonen bieten, so die Vorsitzende Petra Niquet, eine individuelle, flexible und zuverlässige Betreuung der Jungen und Mädchen. Bildung, Förderung, Erziehung und Betreuung gibt es in kleinen Gruppen von bis zu fünf Kindern. Dabei werden auch ungewöhnliche Betreuungszeiten berücksichtigt.

Der Verein sorgt auch für die Ausbildung der Kindertagespflegepersonen. Ein erster Schritt ist die Qualifizierung zur Kindertagespflegeperson in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Ahrensburg. Fortbildungen und Zusatzqualifikationen laufen über den Verein. Kontakt: 041 02/8 24 98 11 oder info@tagesmuetter-stormarn.de, www.tagesmuetter-stormarn.de.

Kerstin Kuhlmann-Schultz

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