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Teures Quartierskonzept für die Tonne?

Bad Oldesloe Teures Quartierskonzept für die Tonne?

Vogel-Baum-Siedlung sollte energetisch saniert werden – kaum Interesse von Anwohnern und Vermietern.

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„Die Vogel-Baum-Siedlung hatten wir ausgesucht, weil die Häuser hier so ineffizient sind“, sagt Wilfried Janson (Grüne).

Quelle: Fotos: Matzen, Privat/hfr, Archiv

Bad Oldesloe. Heftig kritisiert wurde jüngst das energetische Quartierskonzept für die Vogel- Baum-Siedlung in Bad Oldesloe. „150 000 Euro hat uns das gekostet. Aber weit sind wir damit nicht gekommen“, sagte Hans Jochim Stolten (CDU) kürzlich auf einer Stadtverordentenversammlung. Im März 2015 hatte die Stadt die Utec GmbH aus Bremen und deren Projektpartner Dau-Schmidt Tornow aus Kiel sowie die Architekten Meyer Steffens aus Lübeck mit der Erstellung des Quartierskonzeptes beauftragt. Ziel war es, eine Strategie zu einer einheitlichen Sanierung der Gebäude und Infrastruktur zu erstellen, die den Energieverbrauch und den CO2-Ausstoß deutlich senkt.

LN-Bild

Vogel-Baum-Siedlung sollte energetisch saniert werden – kaum Interesse von Anwohnern und Vermietern.

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Bad Oldesloe strebt bis zum Jahr 2020 eine Reduktion des CO2-Ausstoßes von über 40 Prozent gegenüber dem Basisjahr 1992 an.

Der Wärmebedarf der Gebäude soll bis 2020 um 20 Prozent gegenüber 1990 reduziert werden. Bis 2050 soll der Energiebedarf sogar um 80 Prozent reduziert werden.

„Alte Häuser kann man nicht einfach einwickeln. Da wurde wohl vergessen, dass die Menschen in den Häusern auch Luft zum Atmen brauchen“, so Stolten. „Das Vogel-Baum-Konzept war ein völliger Schlag ins Wasser. Einfach rausgeschmissenes Geld“, schlug Matthias Rohde (FBO) in dieselbe Kerbe. Wenn dort, wo mehr als 2000 Menschen wohnten, sich nur ein Handwerker an dem Sanierungskonzept beteilige, sei das Projekt wohl gescheitert. Schon der Rücklauf des Fragebogens sei eine Katastrophe gewesen, so Aygün Caglar (CDU). Alle Gebäudeeigentümer und gewerblichen Nutzer wurden zum Baujahr, dem energetischen Zustand ihrer Gebäude und den Verbräuchen befragt. „Von 1000 Fragebögen kamen nur sechs Rückmeldungen“, rechnete Caglar vor .

War das energetische Quartierskonzept nur eine hehre Idee? „Ich denke, wir haben einen guten Anfang gemacht, auch wenn es am Ende frustrierend war“, sagt Projektleiter Gerd Kopiske, Geschäftsführer der Utec GmbH in Bremen. Die Unterstützung in der Stadt habe gefehlt. „Es ist so, als wenn Sie einen Wagen anschieben, aber dann nicht weiterfahren können, weil sie keinen Sprit haben.“

Als Stadtplaner könne man nicht in Jahresfristen denken, gibt Rainer Steffens, Architekt und Stadtplaner aus Lübeck, zu bedenken. „Für ein energetisches Quartierskonzept braucht man einen weiten Blick.“ Man müsse den zeitlichen Horizont auf zehn Jahre setzen, um die Energieeinsparungen beurteilen zu können. In der Vogel-Baum-Siedlung seien die Vorausetzungen schwierig gewesen. „Dort gibt es viele Einfamilienhäuser. Wenn 70-Jährige diese bewohnen, bauen die ihr Haus nicht mehr um. Das passiert erst, wenn ein Generationenwechsel stattfindet und jemand neu einzieht.“ Zum anderen gebe es in der Vogel- Baum-Siedlung viele Mehrfamilienhäuser, die der Wohnstättengenossenschaft, der Neuen Lübecker und der Firma Ströh gehörten. „Für die nächsten Jahre waren von deren Seite keine Investitionen vorgesehen. Das war natürlich enttäuschend“, so Steffens.

Beim einzigen Gebäude der Stadt, dem Waldorfkindergarten, hätten Elternwünsche auch eine Rolle gespielt. Zudem sei die Immobilie „sehr zusammengebastelt“. „Einfach drauf los dämmen, das hätte keinen Sinn gemacht.“ Man hätte einen Gesamtumbau machen müssen, so der Lübecker Architekt.

„Normalerweise sucht man sich für energetische Projekte Gebiete aus, in dem man die großen Akteure mit im Boot hat. So hat man es auch in Lübeck-Moisling gemacht. Dann ziehen alle an einem Strang, Erfolge sind schnell messbar.“ Das Ganze sei ein höchst menschliches Thema, weniger ein technisches, so Kopiske. „Man braucht Multiplikatoren, Leute, die sich kümmern. Ohne Kümmerer passiert nichts.“

Dennoch sehen Kopiske und Steffens das Vogel-Baum-Konzept nicht als gescheitert an. „Das war nicht für die Tonne. Wir haben einen Bauteilkatalog für Sanierungsmaßnahmen erstellt, den kann man auf jedes andere Quartier übertragen“, ist Projektleiter Kopiske überzeugt. Steffens: „Ich glaube, dass es ein gutes Zukunftsprojekt ist. Peu à peu werden einzelne Baumaßnahmen und damit Energieeinsparungen umgesetzt.“

Allein durch den Umstieg auf LED-Straßenlaternen könne man 81 Prozent der Strommenge einsparen, so Kopiske. 250 000 Euro hatte die Stadt bereits dafür eingeplant. „Doch die Umstellung auf LED wurde abgelehnt, obwohl sie wirtschaftlich war“, ärgert sich Wilfried Janson (Grüne).

„Mobilität ist auch ein großes Thema. Die Menschen könnten aus der Vogel-Baum-Siedlung mit dem E-Fahrrad in die Stadt fahren – und die Pendler zum Bahnhof“, sagt Steffens. In Lübeck arbeiteten Wohngenossenschaften mit Carsharing-Firmen zusammen. „Das ist sensationell, wenn plötzlich alle Autos aus der Stadt verschwinden. StattAuto-Nutzer können in Lübeck auch verbilligt Bus fahren.“

Ein neues Konzept für ein weiteres Quartier anzulegen, hält Steffens für empfehlenswert. „Ich würde ein Quartier aussuchen, in dem man große Partner hat, die das Konzept innerhalb von zwei Jahren umsetzen.“

Auch Wilfried Janson von den Grünen würde eine Erweiterung des Projekts begrüßen. „Die Vogel-Baum-Siedlung hatten wir uns ausgesucht, weil die Verbräuche hier sehr hoch und die Häuser so ineffizient sind. Dass sich so wenige Bewohner für Energiesparmaßnahmen interessiert haben, hat sicherlich auch daran gelegen, dass die Öl- und Gaspreise im vergangenen so in den Keller gegangen sind. Die waren extrem niedrig – bis zu 50 Prozent günstiger als sonst.“

Britta Matzen

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