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Stormarn „Tiefstes Mitgefühl für das Opfer“
Lokales Stormarn „Tiefstes Mitgefühl für das Opfer“
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18:32 21.01.2016
Der Ort des schrecklichen Geschehens. Quelle: Fotos: Ln

Karin Hoffmann von den Oldesloer Grünen sagte den LN: „Wir haben davor gewarnt, dass es nicht damit getan ist, die Flüchtlinge mit Geld und einer Wohnung auszustatten. Sondern es ist wichtig, dass sie auch unsere Sitten und unsere Lebensweise kennenlernen. Dafür sollten Kurse eingerichtet werden.“ Studien hätten ergeben, dass durch Krieg oder eine gefährliche Flucht traumatisierte Menschen eher zu Gewalt neigen.

Bad Oldesloes Bürgerworthalter Rainer Fehrmann: „Diese Nachricht hat mich mehrfach erschüttert: Erstens, dass dieser Überfall überhaupt stattgefunden hat. Da gilt mein tiefstes Mitgefühl dem Opfer. Zweitens habe ich immer gehofft und geglaubt, dass Bad Oldesloe von solchen Ereignissen weit entfernt ist. Und drittens frage ich mich, ob der Täter — gerade mit diesem Hintergrund — sich nicht bewusst ist, was er über diese Schandtat hinaus all den anderen antut, die sich anständig benehmen und sich um eine ehrliche Integration bemühen. Mit solchen verbrecherischen Handlungen bietet er in erster Linie den Rechtsradikalen eine Grundlage für populistische und gewaltbelastete Aktionen.“

Marion Gurlit, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Bad Oldesloe: „Gut, dass die Polizei die Frau vor noch Schlimmerem bewahren konnte. Ich denke, dass jeder Versuch einer Vergewaltigung bestraft werden muss — egal, ob ein Flüchtling oder Einheimischer sie begangen hat. Der Straftäter muss rechtskräftig verurteilt und entsprechend auch ausgewiesen werden. Zur Zeit wird ja darüber diskutier, dass es zu einer Ausweisung kommen kann, wenn Flüchtlinge zu Straftätern werden. Aber es heißt ja jetzt nicht, dass jeder muslimische Flüchtling automatisch ein potenzieller Täter ist oder Frauen als Freiwild ansieht. Ich halte es für ganz wichtig, das Frauenbild und die Rechte der Frauen deutlich darzustellen. Unser Land, unsere Regeln — daran müssen sich die Leute halten.“

Diethelm Schark, Pastor der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde in Bad Oldesloe: „Es gibt gute und weniger gute Menschen. Es ist eine Straftat, und genauso muss sie auch geahndet werden. Allerdings sollte man nicht die Tat eines einzelnen auf eine bestimmte Volksgruppe oder Menschen übertragen. Nur weil einer das Recht bricht, sind nicht alle Eritreer Monster. Wenn ein blonder Brillenträger eine Straftat tut, sind nicht die anderen Brillenträger auch Täter. Im Moment dreht sich die Stimmung aus verschiedenen Gründen. Ich mache mir große Sorgen. Wir dürfen nicht eine bestimmte Menschengruppe anklagen und stigmatisieren.“

Der Reinfelder Albrecht Werner von den Reinfelder Bürgern für Menschen im Asyl: „So ein Fall ist besonders schädlich für alle diejenigen, die sich um Dankbarkeit bemühen. Ein Riesenschaden für die riesige Mehrzahl derer, die sich vernünftig verhalten. Wenn eine Frau Nein sagt, heißt das eben Nein. Das gilt allerdings für alle, nicht nur für Flüchtlinge.“

„Für so etwas kann es kein Pardon geben“, sagt Stormarns Landrat Klaus Plöger. Allerdings sei für ihn auch klar, dass die lange Zeit der Euphorie beim Willkommen der Flüchtlinge spätestens nach den Vorfällen zu Silvester in Köln oder Hamburg langsam kippe — in eine realistische Einschätzung der Gesamtsituation.

bma/ukk/kks

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