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Tierforscher: Der Wolf ist ein Kulturgut

Wulfsdorf Tierforscher: Der Wolf ist ein Kulturgut

Experte Micha Dudek hielt einen Vortrag in Ahrensburg und warnt vor Panikmache: „Der tut nichts“.

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Micha Dudek ist Tierökologe und Experte für Wölfe.

Wulfsdorf. Micha Dudek hat noch alle Finger, obwohl er für Forschungszwecke lange mit Wölfen zusammen gelebt hat. „Der Wolf ist für den Menschen ungefährlich“, erklärte der Tierökologe, der jetzt auf Einladung des Vereins Jordsand im „Haus der Natur“ in Wulfsdorf zu Gast war. Das Thema sprach viele Leute an. Rund 80 Besucher waren gekommen, die der Veranstaltungssaal kaum fassen konnte. Anhand von Fotos und Zeichnungen nahm Dudek die Zuhörer mit auf eine Entwicklungsgeschichte des Wolfs, dessen Rückkehr nicht allen gefällt.

In Wulfsdorf saßen vor allem Wolfsfreunde, die im Zuzug der Tiere wie Dudek eine Bereicherung sehen. In den 80er-Jahren hat Micha Dudek Wölfe aufgezogen und ihre Lebensweise erforscht, als das Thema Wolf noch gar kein Thema war. Seit 20 Jahren sind sie wieder da. „Der Wolf ist freiwillig zurück gekommen“, betont Dudek, „andere Länder beneiden uns darum.“

36 Familienrudel, sieben Paare und eine Reihe von Einzelgängern wurden im Dezember gezählt. Truppenübungsplätze, die Lüneburger Heide, Sand- und Graslandschaften sind ihre bevorzugten Reviere. „Aber es gibt sie auch an der Elbe und rund um Hamburg.“ Dort lassen sie Biologen jubeln, Schafzüchter stöhnen und Menschen verunsichert zurück. Kein russischer Film ohne Wolfsgeheul, dazu die Geschichten von Rotkäppchen und Werwölfen — Assoziationen, die laut Micha Dudek unbegründet sind. „Wölfe sind Wildhunde, keine Großkatzen“, erklärt er. „Waldspielplätze bleiben völlig ungefährlich.“

„Was ist, wenn Wölfe ihre Scheu verlieren?“, wollte ein Zuhörer wissen und erfuhr, dass Wölfe gar keine Scheu kennen. „Wölfe meiden den Menschen nicht, denn sie sind neugierig. Sie werden Kontakte suchen und in den Vorstädten auftauchen“, prophezeite der Experte. Ein Schaf im Wolfspelz? „Für Haustiere besteht sicher Gefahr“, räumt Dudek ein, „aber man sollte entspannt mit den Tieren umgehen.

Wölfe kommen bis zu zwei Meter an den Menschen heran, aber näher nicht. Sie springen auch nicht an einem hoch und schnüffeln.“

Also Meerschweinchen wegräumen, Hunde anleinen und ruhig bleiben, falls man dem Tier begegnet, was in Stormarn gut möglich ist, denn hier entlang führt die Wildroute nach Dänemark. „Der tut nichts“, ist die Botschaft. Vielmehr ist es der Wolf, der durch den Menschen bedroht ist. „Wir neigen dazu, aus wilden Tier gleich ein Problemtier zu machen“, kritisiert Dudek. Der Experte beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit Wölfen. Als Junge schrieb er an Bernhard Grzimek und Konrad Lorenz, und die Tierforscher schrieben zurück. „Die Briefe habe ich alle aufgehoben“, so Dudek, der jüngst auch mit Tierforscher Horst Stern in Kontakt kam. „Sie haben meine Fragen Ernst genommen.“

Nach dem Studium der Tierökologie arbeitete Dudek für den Verhaltensforscher Eberhard Trumler, der mit Wölfen experimentierte. „Wo ich rumlaufe, sind Wölfe“, sagt Dudek, „kaum war ich an der Elbe, sind sie auch dort aufgetaucht.“ Er möchte gerne ein Forschungsinstitut gründen: „Der Wolf ist ein Kulturgut.“

Den Wolf, so der Experte, gebe es erst seit 700 000 Jahren auf der Erde. Auch seine Verwandten Goldschakal und Marderhund seien in Deutschland wieder im Kommen. Im Gefolge haben sie den Großen Schillerfalter, der selten geworden ist, sowie den Kolkraben, der in enger Symbiose mit dem Wolf lebt. „Kolkraben sind die Satelliten der Wölfe“, erläutert Dudek. „Sie steigen auf und halten nach Beute Ausschau. Dann sprechen sie buchstäblich mit den Wölfen, die die Beute mit den Kolkraben teilen.“ Ökologisch hätten die Wölfe eine große Bedeutung, weil sie die Landschaft durch ihre Lebensweise verändern und so Arten zurückholen würden, die ebenso selten geworden sind wie der Wolf. „Ich fürchte, dass Wölfe nicht mehr lange geduldet werden“, so Dudeks Bilanz. Der Mensch ist den Wölfen ein Wolf.

In der Kulturgeschichte hat der Wolf keinen guten Ruf
Der Wolf hat in der Kulturgeschichte einen schlechten Ruf. Im Märchen „Rotkäppchen“ der Gebrüder Grimm (Foto) taucht er als böser Verführer auf, der das Mädchen am Ende verschlingt. Die sieben Geißlein will er fressen, und auch als Isegrim in den Fabeln denkt der Wolf nur an seinen Magen.



Noch größer wird der Imageschaden durch die Mythen vom Werwolf: Männer, die einen Pakt mit dem Teufel eingehen und bei Vollmond ihre Gestalt ändern können — in die des bösen Wolfs.



Auf der anderen Seite gibt es den Wolf auch als Ernährer wie in der Sage von Romulus und Remus. Die beiden gelten als Gründer des alten Roms und sollen von einer Wölfin ernährt worden sein.

Bettina Albrod

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