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Stormarn Tiwi Islands – Eine andere Welt
Lokales Stormarn Tiwi Islands – Eine andere Welt
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20:32 02.08.2016
Nach zweieinhalbstündiger Fahrt taucht die Inselgruppe am Horizont auf. Die Inseln sind nur in Begleitung zugänglich. Quelle: Fotos: Gabriele Leichsenring

Die Rede wird sein über einen Besuch von Kontinentalaustraliens nördlichster Inselgruppe, den Tiwi Islands. Sie sind nicht frei zugänglich. Als Tour mit einheimischem Aboriginal Fremdenführer wird es allerdings gestattet.

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Die Leichsenrings aus Bad Oldesloe besuchten die nördlichste Inselgruppe Australiens.

Leichsenrings

60 Meilen legt ein kleiner Katamaran in zweieinhalb Stunden zurück. Dann taucht die Inselgruppe am Horizont auf. Versteckt im Buschwald werden einzelne Hausdächer sichtbar, mehr aber auch nicht. Die Suche nach einem Anlegesteg erübrigt sich. Es gibt keinen. Also strandet der Katamaran elegant an der Küste.

Wer auf die Tiwi-Inseln fährt, tut das nicht wegen großer Naturerlebnisse. Die werden nämlich nicht geboten. Die Inseln bleiben flach, fast ausschließlich von Buschwald und Gestrüpp bewachsen. Nichts weiter Auffälliges. Das Ziel dieser Tour liegt denn auch auf einem anderen Akzent, der Begegnung mit einer fast unbeeinflussten Aboriginal Kultur. Als erste Besichtigungsstation schließt uns Jari das Tiwi-Inselmuseum auf. Deutlich positiv wird in ihm die Missionsgeschichte aus dem 19. und 20. Jahrhundert herausgestellt. Eine große Ausstellung ist den Tiwi-Totempfählen gewidmet. Und dritter Themenschwerpunkt: Von den Ereignissen des Zweiten Weltkrieges sind auch diese abgelegenen Inseln nicht verschont geblieben.

Die Totempfähle haben nicht nur musealen Charakter. Sie finden praktische Anwendung auf dem kommunalen Friedhof. So schmücken teilweise christliche Grabsteine, umgeben von Tiwi kulturellen Totempfählen die Gräber. Jari, unser einheimischer Fremdenführer erläutert die vorgeschriebenen Trauerzeremonien, die bis zu zwei Jahre dauern können. Bemerkenswert finden wir, dass der Name des oder der Verstorbenen während der gesamten Trauerphase nicht verwendet werden darf. Es geht sogar so weit, dass Namensvetter in dieser Zeit ihren Namen ändern müssen, um die Erinnerung an den Verstorbenen nicht zu schmälern.

Weiter geht es der Besichtigung eines Tiwi-Künstlerateliers. Es besteht aus einem scheunenähnlichen Gebäude, in dem sich jeder Künstler seine Ecke eingerichtet hat, egal ob Holzschnitzerei, Ölmalerei, Aquarellkunst oder Linoleumschnitt. Das Deckengewölbe ist verziert mit typischen Tiwi-Mustern. Vor dem Gebäude sitzt eine Künstlerin beim Anfertigen eines Bildes.

In unmittelbarer Nachbarschaft beobachten wir eine Tiwi-Frau beim Schnitzen eines Totempfahls. Ebenfalls auf dem Boden hockend, hebt sie mit kleinen Stemmeisen Figurenteile aus einem Baum. Rund 30 Stunden benötigt sie für die Roharbeiten, berichtet sie. Anschließend werden die typischen Tiwi-Muster aufgemalt. Der zwei Meter lange und relativ dünne Totempfahl soll das Grab ihrer kürzlich verstorbenen Tante zieren, fügt sie hinzu. Bei größeren Pfählen werden diese oftmals direkt am Grab hergestellt, sozusagen als Teil der Trauerzeremonie.

Schließlich begeben wir uns noch in die Dorfmitte zur Rauchzeremonie. Grünes Blattwerk wird unter heftiger Rauchbildung verschwelt, um böse Geister und Gedanken zu vertreiben. Gleichzeitig zeigt diese Zeremonie an, dass der Fremde willkommen ist in der Gemeinschaft. Zum Abschluss pilgern wir zur alten Missionskapelle. Über 100 Jahre diente sie als Kirche. Im Altarraum prangt nicht ein überdimensionales christliches Kreuz. Stattdessen hält auf einem Gemälde ein Aborigine das Aboriginal Jesuskind in die Höhe. Eine 85-jährige katholische Nonne lebt noch in der Kommune. Nach 60 Jahren dort verbrachter Lebens- und Arbeitszeit möchte sie die Inseln nicht mehr verlassen.

Der Nachmittag ist bereits gut fortgeschritten, als wir den Katamaran wieder so erklettern wie verlassen, nämlich über den Bugsteg. Noch ganz unter dem Eindruck des Gesehenen und Erlebten schaukeln wir bei auch nicht unbedingt ruhiger See zurück nach Darwin. Pünktlich zum malerischen Sonnenuntergang stehen wir wieder an Australiens Festlandküste.

Zwei Hauptinseln

Die Tiwi-Inseln bestehen aus zwei Hauptinseln, Bathurst und Melville. Um sie herum liegen noch weitere neun kleine Inselchen, unbekannt und unbewohnt. Dicht bewohnt sind die Hauptinseln ebenfalls nicht. Melville, Australiens zweitgrößtes Eiland nach Tasmanien, zählt lediglich 800 Einwohner, der Nachbar Bathurst rund 2500 in der Gemeinde Nguiu. Melville darf von Touristen nicht betreten werden, Bathurst mit Einschränkungen schon. Denn diese Inselgruppe gehört ausschließlich den Tiwi. Die Tiwi-Kunst konnten die Leichsenrings in einer excellenten Gemäldeausstellung in der Stadt Mackay (Ostküste bei Townsville) bewundern.

Geführte Ganztagestouren ab Darwin (Hauptstadt vom Northern Territory) buchbar über www.adventurefree.com.au oder www.outbackfree.com.au Preis pro Person inkl. Fährüberfahrt 240AUD (ca. 160 Euro).

Wolf Leichsenring

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