Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 0 ° Regenschauer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Tod in Rümpel: Verfahren eingestellt

Ruempel Tod in Rümpel: Verfahren eingestellt

Prozess vor dem Amtsgericht: Neben dem Bahnmitarbeiter trug auch das Unfallopfer eine Mitschuld.

Voriger Artikel
Unfall am Bahnübergang: Prozess gegen Schrankenwärter eingestellt
Nächster Artikel
US-Band breitet in ihrem Konzert die Macht der Gedichte aus

Ein Holzkreuz am Straßenrand erinnert jetzt an das Unfallopfer. Die 56-jährige Frau war noch in dem Autowrack verstorben.

Quelle: Fotos: Krog/albrod

Ahrensburg . Das Verfahren gegen den Bahnwärter, der nach einem Zugunglück mit einem Todesopfer im November 2014 am Bahnübergang Rümpel wegen fahrlässiger Tötung angeklagt ist, wird gegen eine Auflage von 1800 Euro Geldstrafe vorläufig eingestellt.

„Eine Mitverantwortung liegt beim Angeklagten vor.“

Richter Paul Holtkamp

Damit endete der Prozess gestern vor dem Ahrensburger Amtsgericht nach nur einem Verhandlungstag. Menschliches Versagen auf beiden Seiten hatte nach Erkenntnis des Gerichts zu der Tragödie geführt, der Richter sah ein fahrlässiges Fehlverhalten auf Seiten des Angeklagten aber als Hauptschuld an.

Am Abend des Unglücks, so die Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft, war der Angeklagte als Bahnübergangsposten am Übergang Rümpel für das Öffnen und Schließen der Schranken zuständig, da die automatische Anlage nach einem Blitzeinschlag nicht mehr funktionierte. Um 18.24 Uhr bekam er die Mitteilung aus Bad Oldesloe, dass der Zug in Richtung Hamburg um 18.26 Uhr fahren würde. Da der Angeklagte aber laut Dokumentation 18.29 Uhr verstanden hatte, machte er die Schranken nach Durchfahrt des Zuges aus Bargteheide regelwidrig kurz hoch. Daraufhin fuhr das spätere Opfer los, im selben Moment erkannte der Angeklagte aber, dass ein Zug kam, und versuchte, die Fahrerin zu warnen. Der Zug prallte gegen den Wagen, die 56-jährige Fahrerin wurde bei dem Unfall getötet. Es handelte sich um die Hausdame von Altkanzler Helmut Schmidt.

Rümpel

„Ich habe vor der Schranke gehalten und den Motor abgestellt“, sagte eine Augenzeugin aus. „Auf der gegenüberliegenden Seite stand der Wagen der Unfallfahrerin.“ Aus Erfahrung habe sie gewusst, dass die Schranken lange unten bleiben, weil nach dem Zug aus Bargteheide bald der aus Bad Oldesloe folgte, danach meist noch ein Güterzug. „Deshalb habe ich mich gefreut, als schon nach dem ersten Zug die Schranken hoch gingen.“ Früher sei sie da immer schon losgefahren, ihr Mann habe sie aber deshalb gewarnt. Deshalb habe sie gewartet, weil das Signal noch Rot zeigte. „Aus den Augenwinkeln habe ich gesehen, dass der Wagen auf der Gegenseite schon losfuhr. Dann rannte der Bahnwärter mit den Armen fuchtelnd los und rief: ,Was habe ich getan, was habe ich getan.‘“ Im selben Moment sei es zu dem Aufprall gekommen, während der Angeklagte zurück zum Bedienpult gelaufen sei, um die Schranken wieder zu schließen. „Überall flogen Glassplitter.“

Der Angeklagte selber äußerte sich nicht vor Gericht, ließ aber durch seinen Verteidiger eine Erklärung verlesen. „Mein Mandant war durch das Geschehen schwer geschockt“, so der Anwalt. Der Angeklagte habe nach dem Unfall fünf Monate in psychologischer Behandlung verbracht und leide unter einer posttraumatischen Belastungsstörung. Bis heute träume er von dem Moment, wo er versucht habe, die Fahrerin aufzuhalten. Dienst an der Strecke übe er nicht mehr aus. An den genauen Hergang könne sich der Angeklagte nicht erinnern, die Frau sei aber losgefahren, als noch Rot war.

Auch eine Schwester und ein Bruder des Opfers ließen durch ihren Anwalt eine Erklärung verlesen, in der sie eine Mitschuld bei der Deutschen Bahn sehen. Der Übergang sei bereits seit eineinhalb Jahren kaputt gewesen, es habe anfangs nur eine Sicherung mit Flatterband gegeben. Doch Richter Paul Holtkamp sah kein Verschulden der Bahn. „Die Staatsanwaltschaft hat das bei ihren Ermittlungen untersucht“, erklärte er. „Die Regelung für die Sicherung von Bahnübergängen sieht verschiedene Methoden vor, diese hier gilt vom Gesetzgeber her als ausreichendes Standardverfahren.“

Dagegen habe der Angeklagte eindeutig gegen die Regeln verstoßen: Vorschrift sei es, nach der telefonischen Meldung zur Abfahrt des Zuges die Schranke gar nicht mehr zu öffnen. Obwohl Zeugen und ein technisches Gutachten bestätigten, dass die Unfallfahrerin bei Rot losgefahren ist, als die Schranken noch nicht ganz oben waren, liege die Hauptschuld damit bei dem Angeklagten. „Ohne die geöffneten Schranken wäre die Frau nicht losgefahren.“

Bettina Albrod

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Reporter vor Ort

In einer fortlaufenden Galerie zeigen wir Ihnen jeden Tag die wichtigsten Bilder aus Lübeck und den umliegenden Kreisen. An dieser Stelle finden Sie die Galerie für den April 2017.

  • Reisetipps
    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber.

    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber. mehr

  • Hochzeitszauber
    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informationen und kompetente Ansprechpartner in und um Lübeck für Ihre Traumhochzeit.

    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informat... mehr

  • Events & Veranstaltungen
    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe.

    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe. mehr

  • Essen und Trinken
    Hier erfahren Sie alles rund um die Themen Essen und Trinken. Neue Rezepte und Tipps, worauf muss ich bei den Lebensmitteln achten, wo finde ich ausgefallene Restaurants und welcher Wein passt wozu.

    Hier erfahren Sie alles rund um die Themen Essen und Trinken. Neue Rezepte und Tipps, worauf muss ich bei den Lebensmitteln achten, wo finde ich au... mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Termine

Ausstellungen, Theater, Konzerte und mehr in Lübeck und Umgebung.

TSV Trittau

Alles zu den Badminton-Stars beim TSV Trittau.

Zweiter Weltkrieg

Dieses Dossier beschäftigt sich mit der Situation in Stormarn während des Zweiten Weltkriegs.