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Stormarn Tödlicher Irrtum: Vorfahrt genommen
Lokales Stormarn Tödlicher Irrtum: Vorfahrt genommen
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20:16 24.02.2016

Das Verfahren wegen fahrlässiger Tötung nach dem Unfalltod eines Motorradfahrers im Sommer 2015 in Bad Oldesloe ist vorläufig eingestellt worden. Der verantwortliche 21-Jährige aus Bad Oldesloe muss 1800 Euro an die Hinterbliebenen zahlen, damit ist der Prozess gestern vor dem Ahrensburger Amtsgericht ohne Verurteilung für den Angeklagten ausgegangen. Der sichtlich erschütterte Unfallfahrer hatte sein Verschulden sofort eingeräumt und brach während des Prozesses immer wieder in Tränen aus.

Er war im Sommer mit seinem Wagen zusammen mit seiner Freundin in Bad Oldesloe unterwegs und wollte nach links abbiegen. Dafür hielt er kurz an, so die Anklageschrift, setzte den Abbiegevorgang dann aber fort. Dabei übersah er einen vorfahrtberechtigten Motorradfahrer, der beim Ausweichmanöver stürzte und gegen den Wagen prallte. Drei Tage später war der Mann an seinen schweren Kopfverletzungen gestorben. „Ich habe das Motorrad nicht gesehen“, sagte der Angeklagte aus, „erst als meine Freundin aufschrie, habe ich es bemerkt.“ Er sei sofort ausgestiegen, um zu sehen, ob der Mann noch atmete.

„Er war nicht ansprechbar“, so der Unfallfahrer. Da sei ihm klar geworden, was er verschuldet habe.

In der Folgezeit habe er immer wieder an Selbstmord gedacht, sei in neurologischer und psychiatrischer Behandlung gewesen und bekomme Medikamente, um das Geschehen vergessen zu können. Bis heute könne er nicht unbefangen an der Unfallstelle vorbei fahren. Auch hat der Angeklagte aufgrund des Gerichtsverfahrens einen Ausbildungsplatz nicht bekommen, um den er sich beworben hatte. Allerdings habe er sich in dem dreiviertel Jahr nicht einmal bei der Familie des Verstorbenen gemeldet, monierte der Anwalt der Nebenkläger. Eine Freundin der Familie beschwerte sich, dass es weiterhin unbefangene Facebook-Postings gegeben hätte. „Mein Mandant konnte sich nicht melden“, wehrte der Verteidiger die Vorwürfe ab. „Er hat es nicht geschafft.“

Über den Umgang miteinander wollte Richter Paul Holtkamp nicht entscheiden. „Eine fahrlässige Tötung liegt vor“, so Holtkamp, „eine Strafe soll die Einwirkung auf den Täter bewirken.“ In diesem Fall erscheine der Verantwortliche beeindruckt, auch stehe eine Verurteilung seiner Zukunft im Wege. Er bezeichnete den Unfall als tragisch: Der Angeklagte sei nicht zu schnell gefahren und habe noch angehalten. „Das Verfahren kann das Geschehene nicht ungeschehen machen. Ihnen ist sicher klar, dass Sie einen Fehler im Straßenverkehr mit schlimmsten Folgen gemacht haben“, wandte der Richter sich an den Angeklagten. Er habe den Eindruck, dass er selbstkritisch mit seiner Verfehlung umgehe.

Bettina Albrod

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