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Stormarn Tödlicher Unfall auf der B 404: Lkw-Fahrer bekommt Geldstrafe
Lokales Stormarn Tödlicher Unfall auf der B 404: Lkw-Fahrer bekommt Geldstrafe
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21:01 10.01.2019
17. Januar 2018: Die B 404 glich einem Trümmerfeld. Ein Sattelauflieger, der von einer Zugmaschine gerutscht war, lag auf der Straße. Daneben das Wrack eines SUV. Das Auto war in den Auflieger gekracht war. Zwei Menschen kamen im SUV ums Leben, zwei weitere wurden verletzt. Quelle: JEB/ARCHIV
Ahrensburg

Für Autofahrer war das Geschehen auf der Bundesstraße 404 ein Albtraum. Am 17. Januar vergangenen Jahres löste sich plötzlich der Auflieger eines Lkw von der Zugmaschine und rutschte bei Todendorf in den Gegenverkehr. Dabei hatten ein 35-jähriger Autofahrer und eine hinter ihm sitzende 39-Jährige keine Chance. Sie starben beim Aufprall des Aufliegers auf ihr Fahrzeug noch an der Unfallstelle.

Der 36-jährige Lkw-Fahrer aus dem Landkreis Bützow musste sich jetzt vor dem Schöffengericht Ahrensburg verantworten. Der Vorwurf lautete fahrlässige Tötung und gefährliche Körperverletzung. Er wurde zu einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je 35 Euro verurteilt. Der Brummifahrer soll die ordnungsgemäße Befestigung des Aufliegers nicht überprüft haben.

Löste eine Bodenwelle den Auflieger?

Er bekannte sich dazu, die Befestigung nur mit den Augen und nicht zusätzlich auch manuell überprüft zu haben. „Seine Brille war beschlagen“, sagte für ihn sein Anwalt aus. Am Tag des Unfalls war der Angeklagte mit einer Ladung aus Kiel nach Berlin gestartet. „Meine Standheizung war ausgefallen und wurde in Lübeck repariert“, sagte er. Dafür spannte er den Auflieger aus und koppelte ihn danach wieder an. Dann setzte er die Fahrt fort, bis zum Rastplatz Wolfsbrook an der Bundesstraße 404. Dort sicherte er die Spanngurte seiner Ladung und bog wieder auf die Bundesstraße ein. Bei diesem Manöver löste sich der Auflieger, vermutlich durch eine Bodenwelle. Er kippte auf die Gegenfahrbahn und prallte auf einen polnischen Subaru.

Klicken Sie hier, um mehr Eindrücke von dem tödlichen Unfall auf der B 404 im Januar 2018 zu sehen. 

„Ich guckte in den Rückspiegel und konnte den Auflieger nicht mehr sehen“, sagte der Angeklagte. Die Befestigung habe schlecht geschlossen, denn die verschmutzte Federmechanik sei schwergängig gewesen. Deshalb habe er ein halbes Jahr vorher eine Reinigung veranlasst. Eine Kontrollleuchte für eine stabile Verbindung gebe es nicht. Auch optisch die das bei diesem Typ Auflieger-Platte kaum zu erkennen.

Subaru-Fahrer hatte keine Chance zu reagieren

„Der Auflieger lag schräg und quer zur Gegenfahrbahn und war auf der linken Seite aufgerissen“, sagte ein Polizist aus. Der Fahrer des Subaru habe keine Möglichkeit zum Reagieren gehabt. Die beiden verletzten Insassen hätten keine Lebenszeichen mehr gehabt. Die beiden überlebenden Passagiere waren traumatisiert und kamen ins Krankenhaus, die Frau mit dem Rettungshubschrauber. Sie hatte Verletzungen an Armen und Beinen und einen Schlüsselbeinbruch erlitten. „Ich habe immer noch Angst, in ein Auto steigen“, sagte sie, eine Psychotherapie habe sie abgeschlossen.

„Der getötete Fahrer hatte zwei kleine Kinder, auch die verstorbene Frau hatte zwei Kinder“, sagte der überlebende Beifahrer aus. Das Geschehen habe sie völlig überrascht: „Wir fühlten uns zuvor sicher.“

Strafe kann in Raten gezahlt werden

Eine manuelle Kontrolle der Befestigung sei in der Betriebsanleitung vorgeschrieben, so der Vorsitzende Richter. Am Verschulden des Angeklagte bestehe kein Zweifel, sagte die Staatsanwältin. Allerdings sei das wahrscheinlich der Alltag für viele Lkw-Fahrer. Sie forderte eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je 35 Euro. Dem folgte das Gericht, die Strafe kann in Raten zu 150 Euro gezahlt werden. „Bei einer sorgfältigen Prüfung hätte er den Fehler bemerkt“, so der Richter. Das habe schwerwiegende Folgen gehabt. „Bei der Größe des Fahrzeugs besteht erhebliche Gefährdung, deshalb gilt hier eine besondere Sorgfaltspflicht“, sagte der Richter. Der Verstoß müsse deshalb mit einer spürbaren Geldstrafe sanktioniert werden.

mj

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