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Tränen bei Reinfelder Ferienpass-Aktion

Reinfeld Tränen bei Reinfelder Ferienpass-Aktion

Für die Meisten war es ein Rollenspiel um Flucht und Vertreibung. Aber für eine Mutter und Tochter aus Albanien war es bitterer Ernst.

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Zu wenige Betten, Passkontrollen, Behörden und eine völlig fremde Sprache: Im Rahmen der Ferienpass-Aktion tauschten Flüchtlinge und Einheimische die Rollen. Die Reinfelder Teilnehmer erlebten nach, was die Neuankömmlinge durchmachen.

Quelle: Fotos: Ukk (2)/hfr

Reinfeld. Die Anregung habe er vom Mecklenburger Flüchtlingsforum übernommen, sagt Flüchtlingsbetreuer Udo Reichle-Röber. Und jetzt hat er das Rollenspiel umgesetzt. In einer Ferienpass-Aktion hat er neun Reinfelder Kinder und zwei Erwachsene fühlen lassen, wie es ist, wenn man ohne Kenntnisse von Sprache und Kultur eines fremden Landes über die Grenze kommt, in ein Auffanglager mit zu wenigen Betten. Wie groß die Angst ist beim Umgang mit der Ausländerbehörde, wenn es um Abschiebung oder Bleiberecht geht.

LN-Bild

Für die Meisten war es ein Rollenspiel um Flucht und Vertreibung. Aber für eine Mutter und Tochter aus Albanien war es bitterer Ernst.

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Geholfen haben Menschen aus dem Iran, aus Afghanistan, Flüchtlinge aus verschiedenen Krisenherden. Sie spielten ihrerseits Grenzbeamte, Polizisten, Integrationshelfer. Eine Albanerin spielte als Heimleiterin mit, obwohl sie und ihre Kinder in diesen Tagen abgeschoben werden sollen.

„Vielleicht kann ihnen doch noch irgendwie geholfen werden“, hofft Rollenspiel-Teilnehmerin Sabine Braun-Speck, nachdem Diakonie und Rechtsanwalt vergeblich um den Verbleib der beiden gestritten hatten. Einen Aufschub hatten sie zwar erreicht. „Die Kinder durften wenigstens noch das Schuljahr beenden“, berichtet Diakonie-Mitarbeiter Reichle-Röber. Doch jetzt rechnet er täglich damit, dass die vaterlose Familie ihre Bleibe in Barnitz verlassen muss.

Die Reinfelder Marketing-Expertin und die beiden Albanerinnen waren ins Gespräch gekommen. „Adelina spricht wenig Deutsch“, sagt Sabine Braun-Speck. „Aber das, was sie mir sagte und von ihrer hübschen, intelligenten Tochter in sehr gutem Deutsch ergänzt wurde, ließ mir die Tränen kommen.“

Sie müssten das Land wieder verlassen. Schon bald, in den nächsten zwei Wochen. Als Grund für ihre Flucht habe die Albanerin gesagt: „Mein Mann wurde von einer verfeindeten Familie umgebracht. Er ist tot. Ich musste mit den Kindern aus unserem Dorf fliehen.“ Seit April vergangenen Jahres sind sie in Deutschland. Die kleinen Jungen sind in der Kita, die beiden etwas älteren Mädchen gehen zur Schule. Sie sollen Klassenbeste sein, weiß Udo Reichle-Röber später zu berichten.

„Ich will Adelina noch etwas fragen, sehe aber die Angst und die Qual in ihrem Gesicht – mir kommen die Tränen“, sagt Sabine Braun-Speck – und spürt die Angst der Frau, „vielleicht bald eines der Kinder zu verlieren“. Anstatt weiter mit der deutschen Sprache zu ringen, habe sie ein Schreiben an die Ausländerbehörde gezeigt. Darin beschreibt sie den Grund für ihre Flucht. In Albanien habe ihre Familie eine teilweise blutige Fehde gegen eine andere Familie geführt. Ein Mädchen aus der verfeindeten Familie habe Adelinas Mann umgebracht. Darauf sei sie mit ihren Kindern geflüchtet, weil sie Rache fürchtete.

Die Mörderin sei verurteilt worden und sitze im Gefängnis. Aber sie habe vier Brüder. Die wohnten noch immer in dem albanischen Dorf, aus dem die in Barnitz lebende Flüchtlingsfamilie stamme. Sie hätten das Haus von Adelina verwüstet und warteten nur auf den Zeitpunkt, um endlich Rache ausüben zu können.

„Das hat nichts mit einem Glaubenskrieg zu tun. Nichts mit Politik oder Religion“, sagt Sabine Braun-Speck. Das höre sich nach einer kriminellen Geschichte an, nach einer Vendetta, nach etwas ganz Persönlichem. Wie sollen die Frau und ihre Kinder noch ausweichen können, wenn sie abgeschoben würden?

Nach zehn Monaten dürften sie zwar ganz normal wieder einreisen. „Aber werden bis dahin alle Kinder überleben oder der Blutrache zum Opfer fallen?“

Diese ungewöhnliche Ferienpassaktion in der Alten Schule von Reinfeld endete zwei Stunden früher als geplant, weil weniger Leute daran teilnahmen als erwartet. Und im Unterschied zu anderen Programmtagen war niemandem zum Scherzen zumute.

Uwe Krog

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