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Stormarn Tragödie auf dem Campingplatz
Lokales Stormarn Tragödie auf dem Campingplatz
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20:16 11.02.2016

Drei Fahrräder lehnen am aufgebockten, grün-weißen Wohnwagen. Vor dem blau-weiß-gestreiften Vorzelt, das fein säuberlich mit Kies umrandet ist, sind Blumentöpfe umgekippt. Im Vorgarten neben dem kleinen Geräteschuppen stehen zwei Gasflaschen. Womöglich wurde giftiges Kohlenmonoxid aus solchen Behältern dem Ehepaar auf dem Campingplatz in Ivendorf zum Verhängnis: Nachbarn entdeckten den 66-jährigen Mann und seine 71-jährige Frau aus Lübeck am Mittwochabend tot in ihrem Wohnwagen. Sie hatten die Dauercamper laut Polizei zwei Tage lang nicht gesehen und sich Sorgen gemacht. Als die Nachbarn dem Paar eine Nachricht überbringen wollten, fanden sie die Leichen. Später stellten Rettungskräfte fest, dass der Tod Stunden zuvor eingetreten war.

Die Ermittler fanden bisher keine Hinweise auf ein Verbrechen oder einen Suizid. Deshalb müsse von einem Unfall ausgegangen werden. Sie schließen einen Defekt der Gasheizung als Todesursache nicht aus. Möglicherweise seien die beiden infolgedessen an einer Rauchgasvergiftung gestorben. Ein Gutachter soll die Anlage nun prüfen. Die Leichen sollten noch gestern auf Anordnung der Staatsanwaltschaft in der Rechtsmedizin untersucht werden.

Etwa gegen 20 Uhr wurde Campingplatz-Betreiber Jan Beythien- Peters alarmiert. „Ein trauriger Unfall“, sagt er. Seit 1989 betreibt die Familie das Areal mit knapp 250 Plätzen. 100 Dauercamper leben auf dem Gelände. Auch das tote Ehepaar hatte sich im Frühjahr 2015 hier dauerhaft niedergelassen. „Sie sind vom Campingplatz auf dem Priwall zu mir gezogen“, erzählt Beythien-Peters. Näher kannte er das Paar aber nicht. „Guten Tag“ und „guten Weg“ hätte man sich gewünscht. „Mehr nicht“, so der Chef.

Auch Urlauber Rene Jäggi hält nur mit wenigen Nachbarn Kontakt. „Ein paar einzelne kennt man. Aber eigentlich ist jede Straße für sich“, erklärt der 60-Jährige. Bis auf den Rentner aus der Schweiz und Dauercamper Martin Schneider, die sich draußen im Regen über den Vorfall unterhalten, scheint der Campingplatz wie leergefegt. Schneider kann es immer noch nicht fassen, dass nur wenige Meter von seiner Parzelle die Nachbarn wohl an einer Rauchgasvergiftung gestorben sind. „Ich bin geschockt und total traurig“, sagt der 42-Jährige, der in einem Wohnmobil wohnt. Er weiß um die Gefahren, wenn man eine Gasflasche nicht ordnungsgemäß anschließt. „Ein Defekt kann leider immer mal vorkommen“, sagt er. Rene Jäggi nimmt immer einen Schraubenschlüssel zur Hilfe, damit alles fest sitzt. „Die Anschlüsse sollten verboten werden“, meint der Schweizer.

Die Gasanlage-Prüfung zur zweijährlichen Hauptuntersuchung bei zugelassenen Wohnwagen ist für die Besitzer freiwillig. Oft kontrollieren die Campingplatz-Betreiber, ob eine Bescheinigung vorliegt. Bei Wohnmobilen ist die Prüfung der Gasanlage Pflicht. Zudem werden die Gasflaschen alle zehn Jahre direkt vom Hersteller kontrolliert. Das gasförmige Kohlenstoffmonoxid ist geruchslos und unsichtbar. Die Atemwege werden also nicht gereizt, deshalb wird das Gas auch als „silent killer“ bezeichnet.

Wie das Ehepaar aus Lübeck umgekommen ist, wird nun ermittelt. Mit einem Ergebnis wird in den nächsten Tagen gerechnet.

Beke Zill

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