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Stormarn Trave dreht bald wieder eine Schleife
Lokales Stormarn Trave dreht bald wieder eine Schleife
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22:34 26.05.2018
Rechts fließt die Trave ziemlich gerade in ihrem aktuellen Bett, links ist der fast wieder hergestellte Altarm zu erkennen. Noch gibt es eine Abgrenzung durch einen Erdwall.
Bad Oldesloe

Die Bauhandwerker des Lübecker Unternehmens Bergemann- Gräper sind in den vergangenen Wochen gut vorangekommen – auch wenn wegen der Feiertage die Arbeit zeitweise ruhte. „Vielleicht können wir schon bald die Verbindung zwischen Trave und Altarm herstellen“, sagt Vorarbeiter Frank Lottermoser. Denn der Fluss soll östlich von Bad Oldesloe auf knapp 200 Metern wieder in sein ursprüngliches Bett fließen. Der noch aktuelle Verlauf wurde in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts geschaffen, um die Trave in der Region an der Bundesstraße 75 in der Nähe des Ortsteils Sehmsdorf zu begradigen. Damit wurde auch die Fließgeschwindigkeit erhöht.

Nur ein kleiner Damm bildet noch das Hindernis für die Trave in Bad Oldesloe – sie wird vermutlich in drei Wochen wieder in einen Altarm fließen. Die Bauarbeiten am Kneeden kommen gut voran und können voraussichtlich im Juli abgeschlossen werden.

Für die zurzeit laufenden Renaturierungsarbeiten ist schweres Gerät im Einsatz – René Freese sitzt hoch oben auf einem großen Bagger. Dieser Einsatz ist unbedingt notwendig gewesen, denn bei der Wiederherstellung des Altarms ist deutlich mehr Schlamm angefallen, als zunächst erwartet worden war. „Das hat uns schon einige Probleme bereitet“, so Frank Lottermoser. Doch die Männer der Lübecker Firma sind auch damit fertig geworden – sie haben immerhin schon auf Baustellen mit vergleichbaren Projekten gearbeitet.

Auch Gustav Stoffers, Verbandsvorsteher des Gewässerunterhaltungsverbandes (GUV) Trave, hofft auf einen weiterhin reibungslosen Ablauf dank der Fluss-Profis: „Auch wenn es wieder zu viel Schlamm gab.

Immerhin ist die Trave schon vor zwei Jahren entschlammt worden.“ Der GUV ist für 44 Kilometer des Gewässers zwischen Bad Segeberg und Hamberge zuständig. Im Rahmen der Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union (EU) soll ein besserer ökologischer Zustand erreicht werden. Etwa 70 Meter fehlten bislang vom Altarm zur Trave. Der Verband hat das Projekt in Auftrag gegeben, es wird vom Land Schleswig-Holstein sowie mit Hilfe von Fördermitteln der EU finanziert. „Wir haben eine feste Zusage über 600000 Euro. Ich gehe davon aus, dass es günstiger wird“, betont Gustav Stoffers.

Zu sehen ist mittlerweile ein Flussbett, das den ursprünglichen Verlauf der Trave von vor rund 80 Jahren zeigt. Das Wasser werde später eine Höhe von mindestens fünf Meter haben, eventuell sogar noch etwas mehr, schätzt der Verbandsvorsteher. Zwischen beiden Ufern liegen rund 20 Meter. Vielleicht könne in drei Wochen der Erdwall,der bisher die Verbindung unterbricht, beseitigt werden.

Dann allerdings läuft der zweite Teil des Projektes am Kneeden an. Die Crew um Frank Lottermoser will im aktuellen Flussbett eine Spundwand setzen, damit die Trave bis zur Höhe ihres Mittelwassers nur in den wieder hergestellten Altarm fließt. „Erst bei Hochwasser kann die Trave die Spundwand überwinden und auch in ihr jetziges Flussbett strömen“, erläutert Gustav Stoffers den Zweck dieses künstlichen Hindernisses. Er geht davon aus, dass diese Arbeiten im Juli abgeschlossen werden.

Dank der Flussschleife ist eine kleine Insel entstanden. Die Fläche hat der Naturschutzbund (Nabu) Schleswig-Holstein von einem privaten Eigentümer erworben. Hier sollen sich Tiere und Pflanzen selbst überlassen bleiben. „Wir hoffen, dass sich die Natur wieder zu ihrem früheren Zustand entwickelt“, sagt Gustav Stoffers. Deshalb dürfe die künftige Insel auch nicht von Menschen betreten werden. „Auch wer mit einem Kanu oder mit einem Paddelboot auf der Trave unterwegs ist, sollte an der neuen Insel nicht anlegen“, erklärt der GUV-Vorsteher.

Zurzeit existiert noch eine Behelfsbrücke, damit die Bauhandwerker auch von der Inselseite den künftigen Flussverlauf erreichen können. Diese Brücke wird allerdings wieder verschwinden. Ebenfalls wieder zurückgebaut wird eine kleine Straße, die größeren Fahrzeugen von der B 75 aus die Zufahrt zum Baustellenbereich ermöglicht. Wieder hergerichtet wird der Wanderweg entlang des Gewässers.

„Wir wollen einen neuen Zaun aufstellen lassen, weil es in einigen Bereichen des Altarms eine steile Böschung gibt. Da soll niemand ins Wasser fallen“, blickt Gustav Stoffers voraus.

 Von Michael Thormählen

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