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Stormarn Travebrücken: Neubau und kompletter Abriss
Lokales Stormarn Travebrücken: Neubau und kompletter Abriss
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20:10 18.10.2017
Auch Bernd Werner hofft, dass Laubenpieper und Wanderer bald wieder von der Sehmsdorfer Straße zum Travewanderweg gelangen.
Bad Oldesloe

Diesem Moment blickt Bernd Werner hoffnungsvoll entgegen. Der Oldesloer hat im Kleingarten Heimattrost 1948 eine idyllische Parzelle und weiß, wie sehr gerade die älteren Laubenpieper unter der Sperrung der Travebrücke an der Sehmsdorfer Straße leiden. „Vom anderen Ufer kämen sie viel schneller aus der Innenstadt in ihren Garten. Jetzt müssen sie außen rum durch den Verkehr an der B 208 und dann noch in Richtung Meddewade abbiegen“, erzählt Werner. Genauso ergehe es Familien mit kleinen Kindern. Für sie sei der Umweg eine ähnlich große Belastung.

Es sind nur zwei kleine Holzbrücken. Doch in einer von Wasser umflossenen Stadt wie Bad Oldesloe spielen sie eine große Rolle. Das zurzeit gesperrte Bauwerk am Konrad-Adenauer- Ring wird komplett abgerissen, die gesperrt Brücke an der Sehmsdorfer Straße wird ersetzt.

„Wenn etwas passiert, können wir dafür haftbar gemacht werden.Klaus-Peter Scharnberg

Sachgebietsleiter

Keine Förderung

Um die Kosten für den Neubau zu drosseln, hatte die Stadt Bad Oldesloe zunächst versucht, Fördermittel für die Sanierung der Brücke am Travewanderweg zu bekommen. Nach Informationen von Bauamtsleiter Thilo Scheuber scheiterte dieser Versuch aber, so dass die Stadt den Neubau in Höhe von 300000 Euro nun selbst finanzieren muss.

Werner hat schon viele frustrierte Ausflügler beobachtet, die vor der abgeriegelten Brücke standen und umkehren mussten. Die Travequerung unweit der Kleingartenanlage ist in jedem Rad- und Wanderführer verzeichnet. Touristen verlassen sich auf die Angaben des Navigationsgeräts, von Kartenmaterial oder gängigen Internetplattformen wie Wikitravel oder Openstreetmap. So führt der Hanseatenweg von Hamburg bis Stettin an dieser Stelle über die Trave.

Der betrübliche Zustand soll jedoch nicht mehr lange andauern. Laut Klaus-Peter Scharnberg, Sachbereichsleiter Tiefbau bei der Oldesloer Stadtverwaltung, ist der Auftrag zum Abriss und Neubau der Travebrücke an der Sehmsdorfer Straße bereits in Auftrag gegeben. Das bestätigt auch der verantwortliche Bauleiter der Firma Schmeeß und Lühne. Das Unternehmen hat den Zuschlag für den Auftrag bekommen. „Wir sind gerade dabei, die Statik der neuen Brücke zu berechnen. Ende der Woche geht diese Planung zum Prüfer. Wenn sie freigegeben wird, kann mit dem Abriss begonnen werden“, sagt Norbert Hagen. Sein Team versuche, noch in diesem Jahr mit dem Aufbau der neuen Brücke fertig zu werden. Doch ob das klappt, hänge stark von den Witterungsverhältnissen ab.

Warum die Brücke mit den dicken Holzbohlen überhaupt erneuert werden muss, mag Laien allerdings nicht gleich einleuchten. Scharnberg zufolge sei dies auf den ersten Blick auch nicht so leicht erkennbar. Doch die Schäden, die die Standfestigkeit der Brücke gefährdeten, seien von Fachleuten nachgewiesen worden. Sämtliche Brücken in der Stadt würden in regelmäßigen Abständen kontrolliert: einmal im Jahr von Mitarbeitern der Verwaltung, jedes dritte Jahr von externen Sachverständigen. Dabei werde nach einer Checkliste vorgegangen und überprüft, wie stark das Eisen verrostet oder das Holz verrottet sei.

„Bei einer solchen Kontrolle war im vergangenen Jahr aufgefallen, dass die Holzpfähle der Brücke, die je nach Pegelstand mal im Wasser, mal frei liegen, schon sehr stark angegriffen waren“, erklärt Scharnberg. Dieser Wechsel zwischen nass und trocken führe dazu, dass auf Dauer Schäden entstehen. Bei ständig von Wasser umgebenem Holz sei dies nicht der Fall. Liege ein solches Gutachten vor, habe eine Verwaltung nicht die Wahl, abzuwägen, ob sie eine Brücke sperrt oder nicht. „Da war rasches Handeln geboten. Wenn etwas passiert, können wir dafür haftbar gemacht werden“, sagt Scharnberg.

Im April 2016 ließ er Absperrgitter an der Brücke Sehmsdorfer Straße anbringen. Nachdem Unbekannte sie mehrfach weggerissen hatten, um auf die andere Traveseite zu gelangen, wurden an beiden Seiten des Brückenaufgangs zusätzlich Holzbohlen entfernt.

Die Verzögerung, die bei vielen Unmut erzeugt habe, sei dadurch zu erklären, dass die Ausgaben für einen Brückenneubau erst einmal in den Haushalt eingestellt werden mussten. Dies sei im Laufe des Jahres 2016 auch erfolgt, so dass jetzt 300 000 Euro zur Verfügung stünden. Beim neuen Bauwerk handele es sich um eine Stahlkonstruktion, die Widerlager würden aus Beton gegossen. Da die Brücke auch punktuell sehr hohen Belastungen ausgesetzt sei, da auch ein Reitweg darüber führe, kämen für den Belag auch nur wieder ausreichend dicke Holzbohlen in Frage Ein Neubau der Travebrücke am Konrad-Adenauer-Ring hätte die Stadt 350 000 Euro gekostet. Da sie als entbehrlich eingestuft wurde, ist jetzt ein Abriss für 40000 Euro vorgesehen.

Dorothea von Dahlen

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