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Stormarn Künstler-Demo gegen Trittauer Waffenfirma
Lokales Stormarn Künstler-Demo gegen Trittauer Waffenfirma
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17:09 08.04.2019
Wollen ein Zeichen setzen gegen die zunehmende Aufrüstung in Europa: (v.l.) Axel Richter, Detlef Mielke, Ilse Magdalene Siebel, Friderike Bielfeld, Eva Maria Siebert, Denise Heinemeier, Holger Möller und Christoph Störmer beim Pressetermin in Bad Oldesloe. Quelle: mc
Bad Oldesloe/Trittau

„Es soll ein Geburtstagsständchen für Rheinmetall werden“, sagt Axel Richter mit einem Augenzwinkern. Der Künstler vom Haus am Schüberg in Ammersbek ist eines von bislang sieben Mitgliedern der neu gegründeten „Gruppe 9. November“. Der Tag ist bekanntlich der Schicksalstag der Deutschen, nicht zuletzt durch den Mauerfall 1989.

Demo vors Firmengelände

Diese Gruppe mit Künstlern aus dem ganzen Kreis Stormarn hat nun gemeinsam die Idee entwickelt, mit einem Aktionstag gegen die europaweite Entwicklung hin zu mehr Aufrüstung zu demonstrieren. Als Ort wurde Trittau gewählt. „Denn viele wissen gar nicht, dass es in Stormarn eine Waffenfirma gibt“, sagt dazu Eva Maria Siebert aus Bad Oldesloe. Sie wird am Sonnabend mit einer Klangperformance auf dem Europlatz in Trittau am Start sein.

Diese ist jedoch nur eine von mehreren Aktionen zwischen 10.30 und 14 Uhr. Beginn soll um 11 Uhr mit einem „musikalischen Umzug“ sein von der Poststraße (Treffpunkt Bushaltestelle Vorburg) zur Firma Rheinmetall. Vor dem Werkstor gibt es dann das Ständchen.

25 Personen hat Axel Richter beim Kreis Stormarn für die kleine Demonstration angemeldet, „es dürfen aber gerne mehr werden“. Die Künstlergruppe hofft auf eine breite Unterstützung durch die Bevölkerung. „Das Unternehmen hat bereits mitgeteilt, eine Bannmeile einzurichten“, erzählt Richter. „Also werden wir wohl nicht ganz an das Firmengelände herankommen.“

55 Grenzsteine in 55 Tagen bearbeitet

Weiter geht es von 12 bis 13 Uhr aus dem Europaplatz vor dem Trittauer Rathaus. „Ein großer Dank geht an die Gemeinde, die das genehmigt hat“, so Richter, der selbst 55 Grenzsteine mit stilisiertem Schwan – dem Kreiswappen – dort aufstellen wird. Diese hat der Ammersbeker Künstler in 55 Tagen geschaffen. Sie sollen für die 55 Kommunen im Kreis stehen und nach der Aktion eben dort ihren Platz finden. Das ist zumindest der Plan der Gruppe, die Briefe an alle 55 Bürgermeister formuliert hat. Selbstverständlich dürften diese auch am Sonnabend vor Ort dabei sein.

55 dieser Grenzsteine hat Künstler Axel Richter aus Ammersbek geschaffen. Quelle: Richter/hfr

Der Titel des Projekts lautet „Ausgegrenzt“, soll laut Richter aber Städte und Gemeinden in Stormarn vernetzen. Daneben wird es die Klangperformance von Eva Maria Siebert geben sowie das Projekt „Unser täglich Brot“ von Denise Heinemeier, in dem es um einen gedeckten Tisch mit Brotlaiben geht.

Andacht auf dem Europaplatz

Anschließend um 13 Uhr gibt es eine Friedensandacht ebenfalls auf dem Europaplatz. Mit dabei ist auch Christoph Störmer, ehemaliger Hauptpastor der Hauptkirche St. Petri in Harburg. Dazu wird gesungen, unter anderem mit dem Vocalis-Chor Bargteheide.

41 Standorte in Deutschland

Gegründet wurde das Düsseldorfer Unternehmen Rheinmetall am 13. April 1889 als „Rheinische Metallwaaren- und Maschinenfabrik Actiengesellschaft“. Bereits ein knappes Jahr später zählt das junge Unternehmen 1400 Mitarbeiter und liefert pro Tag 800.000 Geschosse. Bis Ende 1891 werden es insgesamt 120 Millionen sein. Nach eigener Beschreibung ist Rheinmetall ein Technologiekonzern für Sicherheit und Mobilität. Heißt übersetzt, dass die Firma nationale und internationale Streitkräfte mit Waffen Munition und Fahrzeugen beliefert.

In Deutschland gibt es 41 Standorte, in Europa (ohne Deutschland) weitere 40, insgesamt ist Rheinmetall weltweit etwa 120-mal vertreten. Mit fast 25.000 Mitarbeitern erwirtschaftete der Konzern in 2018 einen Jahresumsatz von 6,15 Milliarden Euro.

In Trittau ist die Rheinmetall AG seit 2002, nachdem es die Pyrotechnik-Firma Nico übernahm. 200 Mitarbeiter sind dort beschäftigt, in erster Linie werden Munition für Ausbildung und Training für Bundeswehr oder auch Bundespolizei hergestellt.

„Wir wollten die Andacht eigentlich in der Kirche abhalten, aber das wollte die Trittauer Kirchengemeinde nicht aus Rücksicht auf Rheinmetall“, berichtet Axel Richter. Schließlich ist die Firma mit rund 200 Arbeitsplätzen der größte Arbeitgeber in Trittau.

Recht auf freie Meinungsäußerung

Das Unternehmen selbst reagiert mit Verständnis und setzt auf einen fairen Umgang. „Wir respektieren das Recht zur freien Meinungsäußerung und lassen auch kritische Positionen Andersdenkender gelten“, sagt Rheinmetall-Pressesprecher Oliver Hoffmann. „Mit unseren Produkten für die polizeilichen Kräfte und für die Bundeswehr schützen wir diejenigen, die sich in Deutschland und in gefährlichen Regionen der Welt für Frieden und Sicherheit engagieren. Es ist unsere gemeinsame Verpflichtung, Polizisten sowie Soldaten die bestmögliche Ausrüstung mit auf den Weg zu geben, damit sie wohlbehalten wieder aus dem Einsatz zurückkehren können.“ Hoffmann weiter: „In diesem Sinne geben Rheinmetall-Mitarbeiter täglich ihr Bestes – auch und ganz besonders in Trittau.“

Markus Carstens

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