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Stormarn Streit um Wohnungsneubau
Lokales Stormarn Streit um Wohnungsneubau
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14:59 15.04.2019
Ernst Burmeister wehrt sich gegen die massive Bebauung des Nachbargrundstücks. Quelle: Bettina Albrod
Trittau

Ernst Burmeister aus Trittau wehrt sich gegen die Bebauung seines Nachbargrundstücks, wo ein Wohnblock mit acht Wohnungen entstehen soll. Er kritisiert den Eingriff in die Natur, die unzumutbare Nähe der künftigen Stellplätze zu seiner Terrasse, die zu massive Bebauung und sieht eine Verletzung des Bebauungsplans. Deshalb hat er Widerspruch gegen das Bauvorhaben eingelegt und sich an die Kommunalaufsicht gewendet. Die Gemeinde Trittau hat vor zwei Jahren den neuen Bebauungsplan beschlossen, der eine Verdichtung der Wohnbebauung in dem Gebiet möglich macht. Ein Eilantrag auf Baustopp beim Oberverwaltungsgericht in Schleswig und ein Normenkontrollverfahren sind noch nicht entschieden.

Alte Villa wurde abgerissen

Seit 42 Jahren leben Burmeisters auf einem Grundstück in der Bahnhofstraße, das an das Naturschutzgebiet Mühlbachtal grenzt. Auf dem Nachbargrundstück stand eine alte Villa, die verkauft und abgerissen wurde. „Dann begannen die Bauarbeiten“, erklärt Burmeister. „Niemand hat uns vorher darüber informiert.“ Als der Trittauer erfuhr, dass direkt angrenzend ein Gebäude mit elf Wohneinheiten und Tiefgarage entstehen soll, legte er 2017 Widerspruch gegen das Bauvorhaben ein und wandte sich an die Kommunalaufsicht.

Ernst Burmeister kritisiert, dass der Neubau auch seine Terrasse beeinträchtigt. Quelle: Bettina Albrod

„Hier stehen überall Einzelhäuser“, so Burmeister, „ich dachte, dass hier nur ein ebenerdiger Bau hinkommt.“ Stattdessen sei das gesamte Grün auf dem Grundstück entfernt und ein Bau von 46 Metern Länge begonnen worden, der zwölf Meter hoch werden solle. Davor entstehen Stellflächen, die direkt am Burmeisters Terrasse grenzen. „Geplant sind zwei Etagen mit Laubengängen, von denen aus die Leute auf unsere Terrasse gucken können, wir haben die Abgase der Stellplätze an der Terrasse, den Lärm und den Betrieb“, kritisiert Burmeister. Zudem berühre der Neubau zwei verschiedene Baupläne, obwohl nur nach einem gebaut werden dürfe.

Alter Baum in Gefahr

„Überall hier ist die Bebaubarkeit der Grundstücke auf 0,2 bis 0,35 begrenzt worden“, erklärt Burmeister weiter. Jetzt würden nebenan 1000 Quadratmeter Wohnfläche gebaut, die 95 Prozent der Fläche einnähmen. Zu groß, zu hoch, unerlaubt und auf Kosten des Naturschutzes, so der Trittauer, der seinen Garten insektenfreundlich angelegt hat und stolz ist auf alten Baumbestand, Ringelnattern und Kröten, die dort leben. „Für die Bauarbeiten haben sie meinen alten Baum an der Grundstücksgrenze in der Krone gekappt“, ärgert sich Burmeister, außerdem sei das Wurzelwerk des Baums und der alten Linden an der Straße durch den Aushub beschädigt worden. „Durch den Bau ist zudem eine Grünbrücke zum Naturschutzgebiet gefährdet.“

Bebauungsplan wurde geändert

Ernst Burmeister: "Für die Bauarbeiten wurde die Krone meines Baumes gestutzt." Quelle: ba

Zwar seien die ursprünglichen Planungen mittlerweile auf acht Wohneinheiten reduziert worden, auch auf die Tiefgarage wurde verzichtet, doch das reicht dem Trittauer nicht. Dem Neubau, so Burmeister, liege ein Plan im falschen Maßstab zugrunde, statt 46 Meter Länge dürfte das Haus eigentlich nur 30 Meter Länge haben. „Trotzdem bauen sie dort einfach weiter.“

„Eine Klage hat keine aufschiebende Wirkung“, erklärt Jens Hoffmann, stellvertretender Bürgermeister von Trittau, dazu. Da der Bebauungs-Plan im Januar 2017 so geändert und beschlossen worden sei, dass grundsätzlich eine Nachverdichtung in dem Gebiet möglich sei, handele es sich um einen rechtsgültigen B-Plan, bei dem keine Infos an die Bürger durch die Gemeinde nötig seien. Der B-Plan gelte für insgesamt 16 Parzellen in dem Gebiet. Er sieht vor, dass künftig auf den Grundstücken auch eine größere Wohnbebauung möglich ist. „Der Kreis hat die Baugenehmigung für den Neubau geprüft und erteilt.“ Der B-Plan habe Rechtskraft und werde derzeit mit einer Normenkontrollklage beklagt. Da es sich um ein laufendes Verfahren handele, könnten keine weiteren Angaben dazu gemacht werden.

Verdichtung

Der Begriff Nachverdichtung bezeichnet im Städtebau das Nutzen freier Flächen im Bereich bereits bestehender Bebauung. Sie erfolgt beispielsweise durch Hinterlandbebauung, Aufstockungen oder das Andocken von Flächen. Damit soll der wachsende Bedarf an Wohnungen in den Gemeinden bedient werden.

In erster Instanz unterlegen

Auch bei der Bauaufsicht des Kreises kann wegen des laufenden Verfahrens nicht viel gesagt werden. „Es gibt ein Normenkontrollverfahren gegen die Gemeinde und einen Eilantrag beim Gericht, dass der Bauherr noch nicht anfangen soll“, heißt es dort. In erster Instanz sei der Kläger unterlegen, in zweiter Instanz sei noch nicht entschieden. Zu einem Baum, der gefährdet ist, gebe es ein Gutachten, das kein Problem in der Baumaßnahme sieht und nach dem im Falle einer Schädigung fünf neue Bäume als Ersatzpflanzung geleistet werden müssten. Derzeit seien die Anwälte mit dem Fall befasst.

Bettina Albrod

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