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Stormarn Tschüs Bad Oldesloe — Hallo Reinfeld
Lokales Stormarn Tschüs Bad Oldesloe — Hallo Reinfeld
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20:23 01.08.2015
Karina und Bernd Hauschild bauen den neuen, großzügigen Firmensitz in Reinfeld. Geholfen habe der frühere Bürgermeister Gerhard Horn „in einer Art, wie ich es von Bad Oldesloe nicht kannte“, lobt der Unternehmer das Bemühen. Quelle: Fotos: Uwe Krog/hfr

Für 2,8 Millionen Euro entsteht im Reinfelder Gewerbegebiet an der Autobahn der neue Firmensitz der alteingesessenen Oldesloer Firma Hauschild. 1946 hatte Erich Hauschild die Elektrofirma aufgebaut. Der war in den schweren Anfangsjahren manchmal bis nach Hamburg mit dem Fahrrad gefahren, um Ersatzteile für seine Kunden zu besorgen. Heute, 69 Jahre später, verlegt sein Sohn Bernd den Firmensitz nach Reinfeld.

Auf einem 6500 Quadratmeter großen Grundstück entstehen Lager, Werkstatt und Büros gleich neben der Minimax-Dependance an der Autobahn. Viel Platz für den Kälte-, Klima und Elektrotechnik-Spezialisten. „Aber ich baue für die Zukunft“, sagt der Chef. In einigen Jahren, wenn die beiden Söhne ihr Studium beendet haben, sollen sie in die Firma einsteigen.

Und Norbert Leinius von der Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft frohlockt: „Das Reinfelder Gewerbegebiet entwickelt sich rasant.“ Für Hauschilds noch freies Nachbargrundstück zeige bereits ein Reitsport-Zubehörhandel großes Interesse. Eine Reservierung für das Gelände daneben liege ebenso vor. Die Grundstücke unmittelbar an der Autobahn sind damit so gut wie vergeben. Nur Teile der von einer Rundstraße umgebenen Insel in der Mitte des Gewerbegebietes sind noch grün. „Wir sollten“, blickt Leinius voraus, „gemeinsam mit Reinfeld über eine Erweiterung nachdenken.“

Zunehmend drängen Firmen aus Ballungsgebieten in die günstig gelegenen Gegenden an Stormarns Autobahnen. „Trotz der im Vergleich mit Lübeck höheren Grundstückspreise“, sagt Leinius. Ansiedlungen dort könnten über Subventionen sogar günstiger angeboten werden, „während wir ohne Zuschüsse auskommen müssen“. Und je größer die Nähe eines Standorts zu Hamburg sei, desto höher liege der Quadratmeterpreis.

Für Unternehmer Hauschild war der marginale Preisunterschied zwischen Bad Oldesloe und Reinfeld weniger ausschlaggebend. Er hatte sich vor fünf Jahren in der Oldesloer Teichkoppel ein etwas kleineres Grundstück reservieren lassen. Doch dann habe sich das Verhältnis zur Verwaltung abgekühlt. Ihm habe die „dubiose Vergabepraxis der Stadt“ bei Aufträgen nicht mehr gefallen, da ortsansässige Firmen nicht berücksichtigt wurden. Außerdem gestalte sich die Genehmigung für den Neubau von 25 Wohnungen auf dem von ihm gekauften Gelände des früheren Kreiswehrersatzamtes als sehr schwierig und langwierig. „Gewerbesteuerzahler und Investoren, sagt er ärgerlich, „sind in Bad Oldesloe nicht willkommen.“

„So haben wir uns entschieden, die Koffer zu packen“, sagt Ehefrau Karina. „Geschäftlich wie privat.“ Leicht sei das nicht gefallen. Letztlich seien wirtschaftliche Erwägungen ausschlaggebend gewesen. Die habe ihnen der frühere Reinfelder Bürgermeister Gerhard Horn schmackhaft gemacht. „Reinfeld kann die Gewerbesteuer gut gebrauchen“, habe Horn geäußert.

Zunächst hatte sich Unternehmer Hauschild sehr für das futuristische Gebäude der insolventen Firma Balticsolar gleich neben seinem neuen Firmensitz interessiert. Doch den Zuschlag bekam Minimax.

Horn, schwärmt Bernd Hauschild, habe sich bei der Suche nach einer Alternative eingesetzt, „wie ich es von Oldesloe nie gekannt habe. Und jetzt haben wir ein noch größeres Grundstück und können bauen, wie wir wollen.“

Schon im Oktober sollen die 24 Kälteanlagen-Spezialisten, Monteure und Bürokräfte ihre neuenArbeitsplätze auf zwei Etagen beziehen. Mit dabei der Reinfelder Artur Piechota, der 1960 bei der Firma als Lehrling begann. Damals hatte Firmengründer Erich Hauschild sein Geschäft noch an der Ecke Lübecker Straße/Pferdemarkt zwischen dem Lokal „Lübecker Tor“ und Bäckerei Pump. Sein Laden hatte einen VW-Bulli für den Kundendienst. Die ersten Jahre kam der heute älteste Mitarbeiter jeden Morgen mit dem Fahrrad zur Arbeit, später mit dem Auto. Doch ab Herbst kann Artur Piechota zu Fuß zur Arbeit gehen. „Auch deshalb“, scherzt der Chef, „ziehen wir nach Reinfeld. Wir wollten ihm entgegenkommen.“

Lange Firmengeschichte
gründete den Betrieb 1946 in der Schützenstraße 2, wo heute die Volksbank ihren Anbau hat. Später war der Firmensitz an der Ecke Lübecker Straße/Pferdemarkt, dann in der Schützenstraße 18, dann wieder am Pferdemarkt, seit dem Jahr 2000 in der Schützenstraße 3. Aber dort wird es nach 69 Jahren allmählich zu eng. „Viele Firmen kamen und gingen in dieser Zeit“, sagt Bernd Hauschild. Einige wären sicher gern in Bad Oldesloe geblieben, „wäre da nicht dieses beeindruckende Desinteresse einiger Entscheidungsträger“.

Uwe Krog

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