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Stormarn Tunnel sorgt für ein mulmiges Gefühl
Lokales Stormarn Tunnel sorgt für ein mulmiges Gefühl
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21:52 01.06.2017
Auf dem Weg ins Travestadion: Ohne ihren Freund Sascha Heltzel würde die 17-jährige Anna Stoltenberg nicht durch den Tunnel gehen.

Bei dem tätlichen Angriff von vier betrunkenen jungen Männern trug das Opfer zwar keine Verletzungen davon, doch die Bedrohung mit einem Messer allein dürfte ein traumatisches Erlebnis gewesen sein. Hinweise auf die Täter gibt es nach Aussagen der Polizei noch nicht.

Überfall am Oldesloer Exer löst eine Sicherheitsdebatte aus – Polizei empfiehlt Runden Tisch.

Eis schleckend näherte sich auch Anna Stoltenberg in Begleitung ihres Freundes Sascha Heltzel dem Tunnel auf dem Weg zu einem Fußballspiel im Travestadion. „Wenn ich mir vorstelle, hier auch noch im Dunkeln langgehen zu müssen! Es wirkt alles in allem nicht sehr vertrauenserweckend hier. Dadurch, dass über einem die Autos Lärm machen, hört ja niemand, wenn man um Hilfe ruft“, sagt die 17-Jährige. Ihr Freund räumt ein, dass er größere Bedenken hätte, abends durch die Innenstadt zu gehen. „Nachts ist dort kein cooles Volk unterwegs. Auch die Bahnhofsgegend ist nicht so sicher“, sagt Sascha Heltzel.

Letzteres kann Cornelia Plessen nur bestätigen. „Meine Schwägerin ist am Eisenbahntunnel schon einmal überfallen worden. Ihre Handtasche war weg. Solche Ereignisse nehmen einen mit und verängstigen.“

Nadine Dechows größte Sorge ist, dass ihren Kindern etwas zustoßen könnte. „Ich würde Jannik und Larissa dort nie allein langlaufen lassen“, sagt die 38-Jährige und erklärt, dass sie sich sehr bemüht, die beiden zu schützen. Dazu gehöre, ihnen Verhaltenstipps zu geben – so auch, dass sie nie allein, sondern nur in der Gruppe durch einsame Gegenden laufen.

Selbst bei den Sportlern, die den Fußgängertunnel vom Parkplatz zum Travestadion benutzen, sei das Usus, berichtet Gudrun Fandrey, Vorsitzende des VfL Oldesloe. „Ansonsten habe ich noch nie Klagen gehört, dass sich jemand in der Unterführung belästigt fühlte“, sagt sie. Es sei zu hoffen, dass es bei diesem Einzelfall bleibe.

„Unabhängig vom konkreten Fall würden wir uns wünschen, wenn in Kommunen, in denen es Orte der Unsicherheit gibt, ein Runder Tisch eingeführt wird“, erklärte Gerd Dietel, Leiter des Sachgebiets Prävention bei der Polizeidirektion Ratzeburg. Einen solchen kriminalpräventiven Rat rufe meist der Bürgermeister ins Leben. Ihm könnten Ordnungsamt und – je nach Lage des „Angstraums“ – die benachbarte Wohnungsbaugesellschaft, die Schule, Kirchengemeinde oder andere Betroffene im Umfeld angehören, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen, wie die Situation verbessert werden könne. Die örtliche Polizei sei selbstverständlich auch anwesend. Wenn es etwa um Zwischenfälle an Bahnunterführungen gehe – wie bei der LN-Umfrage offenkundig wurde – auch Vertreter der Bundespolizei.

Dieses Gremium könne auch entscheiden, ob eine Videoüberwachung an bestimmten Stellen installiert werden solle. „Man muss sich aber darüber im Klaren sein, dass Straftaten dadurch nicht verhindert werden, die Aufnahmen helfen aber bei der Ergreifung der Täter“, sagt Dietel. Er verweist darauf, dass zwar auf die Kameras hingewiesen werden müsse, wie auch am Lübecker Zob, wo es häufiger zu Übergriffen gekommen sei, doch davon nähmen Täter im Affekt meist keine Notiz.

Das sei so einfach nicht, erklärt dagegen Oldesloes Bürgermeister Jörg Lembke. „Videoüberwachung berührt den Datenschutz und ist im öffentlichen Raum nicht so einfach zu verwirklichen – schon gar nicht, wenn sie mit Aufzeichnungen verbunden ist“, sagte er. Und ohne diese gebe es keine Beweissicherung.

Was den kriminalpräventiven Rat anbelangt, so sei dieser in Bad Oldesloe mangels Beteiligung eingeschlafen. „Aber nach meinem Urlaub werde ich mich darum kümmern,“ sagt Jörg Lembke, „Jede Straftat ist zu verurteilen. Wir müssen nur unterscheiden zwischen subjektiv empfundenen und tatsächlichen Sicherheitsproblemen in der Stadt. Meiner Ansicht nach gibt es keine.“

 Dorothea von Dahlen

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