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Stormarn Turbulente Szenen im Prozess wegen möglichen Raubüberfalls
Lokales Stormarn Turbulente Szenen im Prozess wegen möglichen Raubüberfalls
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21:14 07.12.2017
Das Ahrensburger Amtsgericht war am Donnerstag Schauplatz dramatischer Szenen. Quelle: Fotos: Bettina Albrod
Ahrensburg

Der Alarm stellte sich nach Prüfung durch die Feuerwehr als Fehlalarm heraus, und auch die Gewahrsamnahme wurde wieder aufgehoben, aber eine endgültige Entscheidung steht noch aus. Angeklagt sind zwei Männer, die sich vor dem Schöffengericht verantworten müssen, weil sie im Februar einen Mann in der Großen Straße in Ahrensburg überfallen haben sollen.

Erst wurde das Ahrensburger Amtsgericht wegen eines Feueralarms geräumt, dann klickten im Gerichtssaal die Handschellen: Beim Prozessauftakt gegen zwei Männer aus Ahrensburg war am Donnerstag ordentlich Action zu erleben. Verhandelt wird ein möglicher Raubüberfall.

Die 41 und 42 Jahre alten Angeklagten sagten aus, dass sie betrunken spät noch eine Spielhalle besucht hätten. Der eine Angeklagte habe zwei Euro in einen Automaten gesteckt und verloren. Ein weiterer Spielhallenbesucher neben ihm habe gegrinst. „Als er rauskam, bin ich ihm nachgegangen“, sagte der Angeklagte. Er habe ihn fragen wollen, warum er gegrinst habe. Als der Mann zu rennen begonnen habe, sei auch er gerannt, und dann sei der Verfolgte hingefallen und er über ihn gestolpert.

Der andere Angeklagte erklärte, er habe gedacht, dass sein Begleiter überfallen worden sei. Deshalb habe er dem Verfolgten Pfefferspray ins Gesicht gesprüht. Weil Zeugen die Polizei gerufen hatten, ließen die Angeklagten von ihrem Opfer ab und wurden kurz darauf von der Polizei angehalten.

„Wenn Sie zu einer Rangelei kommen, warum besprühen Sie dann den Mann mit Pfefferspray, der unten liegt und um Hilfe ruft?“, wollte der Vorsitzende Richter wissen. Der Sprayer gab an, dass sein Kumpel geblutet habe und er ihn deshalb für das Opfer gehalten habe. Tatsächlich war der eine Angeklagte über den Verfolgten gestolpert, aufs Gesicht gefallen und hatte sich eine Platzwunde zugezogen.

Auch Staatsanwalt Martin Peterlein wurde hellhörig. „Ich bin losgelaufen, weil mein Kollege gesagt hat, da ist er“, hatte der eine Angeklagte die Verfolgung begründet – und damit steht der Verdacht im Raum, dass es sich um eine vorsätzliche Tat, nämlich einen geplanten Raubüberfall gehandelt haben könnte. Deshalb stellte der Staatsanwalt den Antrag, den Angeklagten, der das Opfer am Boden gehalten hatte, wegen Fluchtgefahr vorläufig in Gewahrsam zu nehmen. „Sie wissen, dass Ihnen für einen Raubüberfall Haft zwischen zwei und elf Jahren droht.“ Da der Angeklagte in instabilen Verhältnissen lebe, sehe er Fluchtgefahr.

„Ich habe nicht gegrinst“, erklärte der Geschädigte in seiner Version des Hergangs. Demnach seien die beiden Angeklagten nachts in die Spielhalle gekommen. Der eine habe sich neben ihn gestellt und um eine Zigarette gebeten, er sei aber Nichtraucher. Kurz darauf seien die Männer gegangen.

„Ich hatte ein komisches Gefühl“, sagte der Geschädigte. Er habe noch zehn Minuten gewartet, ehe er gegangen sei. Der Mitarbeiter der Spielhalle habe ihn zur Tür gebracht, und da hätten sie einen der Angeklagten vor der Tür sitzen sehen. „Es war spät, ich wollte nach Hause“, begründete der Zeuge, warum er trotzdem losging. „Ich merkte, dass er mir folgt. Als ich mich umgedreht habe, ist er stehen geblieben, wenn ich weiterging, ist er auch weitergegangen.“ Der Mann rannte los, seinen Verfolger auf den Fersen, stolperte und ging zu Boden.

„Der Angeklagte hat mich festgehalten und zu Boden gedrückt“, sagte der Zeuge, der sich im Saal zu Boden warf, um den Hergang zu illustrieren. „Der andere hat mir Pfefferspray ins Gesicht gesprüht und meine Taschen abgetastet, als ob er den Geldbeutel suchte.“ Er habe laut um Hilfe gerufen, und da hätten die Angeklagten von ihm abgelassen.

„Es tut mir Leid“, zeigte der eine Angeklagte Reue. Weil er – anders als der Mitangeklagte – keine Vorstrafen hat und angab, seinen Vermieter pflegen zu müssen, entschied das Gericht vorerst gegen den Haftantrag des Staatsanwalts.

Der Prozess wird am Dienstag,

19. Dezember, im Amtsgericht Ahrensburg fortgesetzt.

Von Bettina Albrod

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