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Stormarn Turmfalken erkunden den Kirchturm
Lokales Stormarn Turmfalken erkunden den Kirchturm
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19:01 17.04.2019
Da sitzt der Turmfalke und genießt den Ausblick über Klein Wesenberg. Hinter den Lamellen befindet sich die Öffnung des Nistkastens. Quelle: Erhard Graf/HFR
Klein Wesenberg

Sie haben auf jeden Fall den besten Ausblick von Klein Wesenberg: Zwei Turmfalken haben den hoch oben im Kirchturm eingerichteten Nistkasten entdeckt und überlegen nun, ob sie dort einziehen. Vor gut einer Woche hat Pastor Erhard Graf die beiden Greifvögel zum ersten Mal gesichtet. „Erst schwirrten sie um den Turm herum, dann sind sie in den Falkenkasten rein und flogen ein paar Tage hin und her. Dass nach den Störchen jetzt auch ein Falkenpaar in Klein Wesenberg angekommen ist – darüber freuen wir uns natürlich riesig“, sagt Graf.

Aktion zum Schutz der Turmfalken

Im Frühjahr 2018 hat die Kirchengemeinde Klein Wesenberg zusammen mit dem Nabu Reinfeld-Stormarn und dem Nabu Mölln einen maßgefertigten Turmfalkenkasten gebaut, in den die Vögel einziehen und brüten sollten. „Im letzten Frühjahr sind die Turmfalken nicht eingezogen, wahrscheinlich war es schon zu spät, als der Kasten fertig war“, vermutet Pastor Graf. Dafür ist die Begeisterung in diesem Jahr umso größer. Ob die Vögel in luftiger Höhe brüten werden, ist allerdings noch ungewiss.

Wer sich auf der Bank vor dem Klein Wesenberger Gemeindebüro niederlässt, kann den besten Ausblick genießen. Auf der linken Seite klappern die Störche im Nest, rechts oben beziehen hoffentlich die Turmfalken den Nistkasten in luftiger Höhe. Quelle: Britta Matzen

„Im Moment kann man gar nichts tun. Die Turmfalken müssen erst mal ankommen“, sagt Sabine Reichle vom Nabu Reinfeld-Stormarn. „Für die kommenden Wochen muss man die Vögel in Ruhe lassen, damit sie ihr neues Domizil begutachten und hoffentlich beziehen.“ Auf keinen Fall dürfe man in den Kasten schauen, dann seien die Turmfalken sofort weg, erzählt Pastor Graf, der im Moment etwas beunruhigt ist, da er die Turmfalken seit zwei Tagen nicht mehr beobachten konnte. „Vielleicht hat es ihnen bei uns doch nicht so gut gefallen“, befürchtet der Klein Wesenberger. Noch könne man gar nichts sagen. „Erst Mitte Mai kann man feststellen, ob die Falken im Kirchturm bleiben“, sagt Reichle.

Lebensraum Kirchturm

Kirchtürme sind optimale Orte, um Brutstätten für Turmfalken, Fledermäuse, Schleiereulen, Dohlen und andere Arten einzurichten. Kirchen, die sich besonders für den Artenschutz einsetzen, werden vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) mit einer Urkunde ausgezeichnet und erhalten eine Plakette, die sie an ihrer Kirche anbringen können. „Die Kirchengemeinde Klein Wesenberg und die Kirchengemeinde Zarpen haben so eine Plakette“, teilt Sabine Reichle vom Nabu Reinfeld-Stormarn mit.

In der Kirche von Zarpen gibt es ebenfalls einen Falkenkasten, in dem Turmfalken regelmäßig brüten. Zudem gibt es dort einen Fledermausschutz. Im Dachstuhl der Kirche von Klein Wesenberg sind Fledermauskästen angebracht. „Die Kästen haben wir mit unserem Reinfelder Schulprojekt aufgehängt. Wir bieten seit vielen Jahren für die Kinder der dritten Klassen das Fledermausprojekt an mit Abendexkursionen, Ausflügen ins Bad Segeberger Noctalis und dem Bau von Fledermauskästen“, informiert Nabu-Expertin Reichle.

in Klein Schenkenberg balzen die Turmfalken schon

Bei Emil Rathje in Klein Schenkenberg sind die Turmfalken bereits ordentlich am Balzen. „Das ist so toll, sie dabei zu beobachten“, sagt der Landwirt. Vor gut 25 Jahren hat Rathje erstmals Turmfalken auf dem Dachboden seines landwirtschaftlichen Gebäudes entdeckt. „Die wollten bei uns brüten. Zu der Zeit hatten wir einen Marder und noch unsere Katzen. Das kann doch nicht gut gehen, habe ich mir damals gedacht. Der Marder macht sich doch gleich über die Vögel her.“

Emil Rathje aus Klein Schenkenberg mit einem ausgestopften Exemplar. „Der Turmfalke war krank, ich wollte mit ihm zum Tierarzt, aber er ist schon vorher gestorben." Jetzt schmückt der Greifvogel Rathjes Diele. Quelle: Britta Matzen

Der Klein Schenkenberger überlegte nicht lange, sondern brachte draußen vor seiner Halle einen Nistkasten mitsamt „Terrasse“ an. „Schwupps, waren sie drin. Zu meiner Überraschung haben die das sofort angenommen“, erinnert er sich. Seitdem säubert Emil Rathje den Nistkasten jedes Jahr und legt eine Lage frisches Stroh hinein. „Die Turmfalken bauen sich kein Nest, sie suchen sich einfach ein Plätzchen, wo sie ihre Eier hineinlegen können, und dann geht das los.“

Falkenküken in Klein Schenkenberg

Zwei bis fünf Junge brüten die Turmfalken von Emil Rathje jedes Jahr aus. Schön sei es auch zu sehen, wie das Turmfalkenpaar sich umeinander kümmere. „Wenn die am Brüten sind, füttert einer den anderen. Sie kommen dann mit einer Maus für den Partner angeflogen, und wir können das beobachten. Fantastisch ist das“, schwärmt der Bauer.

Das Domizil der Turmfalken in Klein Schenkenberg: ein großer Nistkasten mit „Terrasse", wie Emil Rathje das Laufbrett nennt. Quelle: Britta Matzen

An die 75 Turmfalken-Junge sind bei Rathjes schon groß geworden. Manchmal läuft der Klein Schenkenberger über seinen Hof und sieht die Greifer auf den Pfählen des Weidezauns sitzen. Dann braucht er sich nur ein bisschen umzuschauen, um ein Küken zu entdecken, das aus dem Nest gefallen ist. „Die Turmfalken schlüpfen zeitlich unterschiedlich. Der ältere Nachwuchs kann schon fliegen, und die Jüngsten meinen, sie können das auch. Die Kleinen fallen aber runter.“ Zum Glück passiere den Jungen dabei nichts. Rathje zieht sich in solchen Fällen die Lederhandschuhe über, holt eine Leiter raus und setzt die Küken wieder in ihr Nest. „Lederhandschuhe deshalb, weil die Turmfalken eine Abwehrhaltung einnehmen, wenn sie nicht wegfliegen können. Sie werfen sich auf den Rücken und fahren die Krallen aus.“

Auf der Liste der bedrohten Arten stehen Turmfalken nicht. Sabine Reichle: „Aber Gebäudesanierungen im Zuge von Wärmedämmung und dem damit verbundenen Verschluss sämtlicher Öffnungen führen natürlich dazu, dass einiges an Brutmöglichkeiten verloren geht.“ Ein weiterer Aspekt gerade auf den Dörfern sei, dass aufgegebene Bauernhöfe immer öfter zu Wohnungen umgebaut würden. Scheunen mit Luken würden zunehmend verschwinden. „Insofern geht für den Turmfalken einiges an Wohnraum verloren“, fasst Reichle zusammen.

Nistmöglichkeiten am Claudiushof in Reinfeld

Ein positives Beispiel sei der Claudiushof in Reinfeld. „Das war früher die Claudiusmühle. Im Zuge der Umgestaltung zu einem Seniorenheim wurden am großen Turm, den man vom Rathaus aus sieht, Nistmöglichkeiten angebracht, um den Verlust dieses alten Mühlengebäudes für Schwalben, Fledermäuse und Turmfalken zu ersetzen“, erläutert die Nabu-Expertin. Am gesamten Gebäude des Claudiushofes seien auch Fledermauskästen installiert. „Die Nistmöglichkeiten sind alle gut angenommen worden.“

Britta Matzen

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