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Stormarn Übergabe geplatzt: Neuer Betreiber für Pflegeheim gesucht
Lokales Stormarn Übergabe geplatzt: Neuer Betreiber für Pflegeheim gesucht
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00:11 06.03.2016
Sichtlich geschockt: der Vorsitzende des Stiftungsvorstandes, Rainer Fehrmann, vor dem alten Gebäude des Pflegeheimes am Kirchberg nach den gescheiterten Verhandlungen.

Das sind überaus schlechte Nachrichten für 52 Heimbewohner und 32 Mitarbeiter des St.-Jürgen-Hospitals in Bad Oldesloe. Eigentlich sollte in diesen Tagen ein Vertrag mit einem neuen Betreiber unterschrieben werden, der dann in wenigen Wochen die Regie des Alten- und Pflegeheimes übernehmen wollte. „Doch unser Verhandlungspartner ist kurzfristig abgesprungen“, erklärte Bürgerworthalter Rainer Fehrmann, der auch Vorsitzender des Stiftungsvorstandes ist.

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Sichtlich geschockt: der Vorsitzende des Stiftungsvorstandes, Rainer Fehrmann, vor dem alten Gebäude des Pflegeheimes am Kirchberg nach den gescheiterten Verhandlungen.

Seit rund einem Jahr habe der Stiftungsvorstand intensive Verhandlungen mit der Familie Riedel geführt, die Einrichtungen am Oldesloer Sülzberg und in Rohlfshagen betreibt. Einzelheiten für die Verträge seien immer wieder besprochen worden, es habe sogar bereits Termine bei einem Notar gegeben. Umso enttäuschender, so Rainer Fehrmann, sei dann die Information gewesen, dass der bisherige Verhandlungspartner kein Interesse mehr habe: „Das wurde mir mit einer E-Mail mitgeteilt.“ Die Familie Riedel sagte auf LN-Anfrage, sie werde sich zu dem Vorgang nicht äußern. Vereinbart sei, dass der Stiftungsvorstand von St. Jürgen dazu informieren werde.

Und dessen Vorsitzender Rainer Fehrmann bedauerte, dass angesichts der ohne jeden erkennbaren Grund abgebrochenen Verhandlung sehr viel wertvolle Zeit verloren gegangen sei. Auch Heimleiter Harald Krüchten machte aus seiner Enttäuschung keinen Hehl: „Die aktuelle Entwicklung ist für mich und die Mitarbeiter überraschend gekommen. Wir werden trotzdem versuchen, die Einrichtung mit einer hohen Loyalität weiter zu führen.“ Fehrmann und Krüchten erklärten übereinstimmend, angesichts der bereits geführten Gespräche habe es keinen Zweifel gegeben, dass die angestrebte Nachfolgeregelung gelingen werde.

Um einen neuen Betreiber für die Einrichtung am Oldesloer Kirchberg zu finden, gibt es nach den Worten von Rainer Fehrmann nur noch ein sehr enges Zeitfenster: „Vielleicht noch zwei bis drei Monate.“

Jetzt sollen „mit Volldampf“ wieder Gespräche mit zwei bis drei Interessenten aufgenommen werden, die sich zu den so genannten Oldesloer Werten bekannt hätten: Dabei gehe es um das Gehaltsniveau und die Altersvorsorge für die Mitarbeiter sowie um die Zusicherung, das Heim weiter betreiben und das Grundstück nicht für andere Zwecke nutzen zu wollen. „Der Stiftungsvorstand ist sich einig, dass wir St. Jürgen keinesfalls in die Hände einer Heuschrecke geben werden, die sich diesen Vorgaben nicht verpflichtet fühlt“, betonte Rainer Fehrmann.

Eine erhebliche finanzielle Schieflage, in der sich das von der Stiftung St. Jürgen betriebene Alten- und Pflegeheim befindet, macht die Suche nach einem neuen Eigentümer nicht leicht. Der Stiftungsvorsitzende wies darauf hin, dass mindestens 400000 Euro investiert werden müssten, um die aktuellen Brandschutzbestimmungen zu erfüllen. Darüber hinaus gebe es beim Betrieb der seniorengerechten Wohnungen im Neubau ein chronisches Defizit: „Wir haben hier Wohnraum für 13 Senioren. Doch davon ist zurzeit nicht einmal die Hälfte vermietet.“ Rainer Fehrmann bezifferte das jährlich in diesem Bereich auflaufende Defizit auf rund 150 0000 Euro.

Ein wenig Hoffnung gibt es doch noch, in den kommenden Wochen einen neuen Betreiber zu finden. „Das Wertgutachten liegt vor, und auch die Zahlen, wie die Übernahme der Mitarbeiter von einem anderen Arbeitgeber möglich ist sowie die Finanzierung der Altersvorsorge bezahlt werden kann. Daran haben vier Anwälte mitgearbeitet“, sagte Rainer Fehrmann. Sollten Verhandlungen dennoch scheitern, dann gebe es einige „Rückfallebenen“, zu denen sich der Stiftungsvorstand nicht äußern wollte.

Soziale Aufgaben

700 Jahre besteht das St.-Jürgen-Hospital. Nach seinem Stiftungszweck gewährt es vorrangig finanziell bedürftigen Bürgern, die mindestens 25 Jahre in Bad Oldesloer ansässig waren oder hier geboren wurden, Unterkunft und Versorgung. 1877 wurde das heutige Gebäude am Kirchberg errichtet. Nach einem 2004 fertiggestellten Neubau am Kirchberg 3 stehen 37 Pflegeplätze und zwei Kurzzeitpflegeplätze, die meistens auch vergeben sind, sowie 13 Wohnheimappartements zur Verfügung. Um die Bewohner kümmern sich 32 Mitarbeiter, darunter auch Teilzeitkräfte.

5 Mitglieder hat der Stiftungsvorstand, der eigenständig entscheiden kann. Kraft Amtes übernimmt der amtierende Bürgerworthalter den Vorsitz. Dem Gremium gehören neben Rainer Fehrmann (CDU) weitere Stadtverordnete an: Horst Möller (CDU), Matthias Schröder (FBO) und Rosemarie Behrend (SPD). Der den Grünen zustehende Sitz ist zurzeit unbesetzt.

Von Michael Thormählen

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