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Überlebender des Sandsturm-Unfalls: „Ich hatte einen Schutzengel“

Rettungsübung Überlebender des Sandsturm-Unfalls: „Ich hatte einen Schutzengel“

„Wenn ich das hier sehe, kommen die Erinnerungen wieder hoch. Ich höre, wie Auto um Auto in die Unfallstelle kracht, so wie es damals war. Dieses Geräusch, wenn Blech auf Blech donnert, vergisst man nicht.“ Frank Trogisch (54) aus Brandenburg w

Stormarn. „Wenn ich das hier sehe, kommen die Erinnerungen wieder hoch. Ich höre, wie Auto um Auto in die Unfallstelle kracht, so wie es damals war. Dieses Geräusch, wenn Blech auf Blech donnert, vergisst man nicht.“ Frank Trogisch (54) aus Brandenburg war im April 2011 auf der A19 unterwegs, krachte wie viele andere mit seinem Auto in die Unfallstelle. Bei der wohl schlimmsten Massenkarambolage Norddeutschlands in einem Sandsturm starben damals acht Menschen, mehr als 100 Personen wurden verletzt. Am Sonnabend war Trogisch in Bargteheide, wo dieser Massenunfall als Übung für Retter nachgestellt wurde.

Bargteheide: Übungsszenario Massenkarambolage - mit Video

Die Vorbereitungen dauerten fast ein Jahr. Allein der Aufbau von 80 Schrottautos, vier Lastwagen und einem Reisebus nahm knapp eine Woche in Anspruch. Die Luftbilder des Originalschauplatzes dienten den Machern als Vorlage. Jedes Auto wurde so platziert, wie es auf der A19 damals vorgefunden wurde. Sogar den Sand auf den Autos hatten sie nicht vergessen. Und der Sandsturm mit gegen Null tendierenden Sichtweite wurde mit Bühnennebel und Rauchbomben simuliert.

Etwa 400 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und THW nahmen an der Übung teil. Acht Beobachter schauten den Einsatzkräften genau auf die Finger, wenn sie mit hydraulischem Rettungsgerät die Menschen aus ihren Fahrzeugen befreiten oder wenn sie die medizinische Betreuung sicherstellten.

Zwischendrin erzählt Frank Trogisch, wie sich das ganze damals auf der A19 abspielte. Er war von Berlin in Richtung Rostock unterwegs. „Die Wolke war schon von weitem zu sehen. Ich bin schon deutlich langsamer gefahren, so wie viele andere auch. Man wusste ja nicht was einen erwartet. Es war wie eine gelbe Wand. Ich bin auf dem Mittelstreifen gefahren, aber irgendwann ging nichts mehr. Die Scheibe war wie zugeklebt. Da blieb nur noch eine Vollbremsung.“

Vor ihm habe es schon geknallt und ihm sei klar gewesen, irgendwie wäre er der Nächste. Das alles habe sich in Sekunden abgespielt und dann habe er auch schon den Airbag auf der Nase gehabt. „Der Schutzengel war wohl über mir“, sagt Trogisch heute. Außer einer Schramme an der Nase sei er unverletzt geblieben.

Beobachter der Großübung, für die die Firma Backring Nord ihr Firmengelände zur Verfügung gestellt hatte, sind voll des Lobes für die gezeigten Leistungen der Einsatzkräfte. „Die beiden Organisatoren Michael Schermer und Sven-Arne Werner von der Bargteheider Wehr haben hier eine fantastische und realistische Übung geplant und aufgebaut“, lobte der ehemalige Finanzminister Rainer Wiegardt.

„Trotz der Unübersichtlichkeit bei einer solchen Lage glaube ich, dass das hier alles sehr sauber und sorgfältig abgearbeitet wird“, Bargteheides Bürgermeister Henning Görtz. Und Kreisverwaltungsdirektorin Anja Kühl, die an diesem Tag Landrat Klaus Plöger vertrat, stellte fest: „Wenn ich hier vor Ort sehe, wie professionell das alles abläuft, muss ich mir um unsere Sicherheit keine Sorgen machen.“

Nach drei Stunden war die Übung beendet. Die Organisatoren zeigten sich zwar erschöpft, aber zufrieden. Tom Reher von der Feuerwehr Glinde, der die Übung als Pressebetreuer begleitete, erklärte hinterher: „Die Übung wurde nicht von der Feuerwehr finanziert, sondern von einer Filmproduktionsfirma aus Berlin, die an diesem Tag einen Dokumentarfilm gedreht hat.“

Gestern Morgen, als der Betrieb bei Backring Nord wieder begann, war vom für die Übung aufgebauten Chaos nichts mehr zu sehen. Dafür hatten die vielen ehrenamtlichen Helfer von der Feuerwehr gesorgt.

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