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Stormarn „Uganda — na, dann viel Spaß“
Lokales Stormarn „Uganda — na, dann viel Spaß“
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20:26 24.06.2013
Von Christian Spreer
Blick in die Produktionsstätte, in der Holzkohleherde gebaut werden. Damit wird fast überall das Essen zubereitet. Stefan Riethling hat die Produktion in der ugandischen Firma effizienter gestaltet. Quelle: Fotos: Riethling (3)/spr (1)
Sülfeld

Vor vier Jahren war das Leben der Sülfelder Familie Riethling noch ganz normal: Vater Stefan betrieb mit zwei Kollegen ein Ingenieur-Büro, Mutter Ute kümmerte sich im eigenen Häuschen um Jan Phillip (3), Lara Sophia (4) und Anna Maria (7). Doch Stefan Riethling suchte nach einer „neuen beruflichen Herausforderung“, erzählt seine Frau. „Eines Tages sagte er:

,Ich könnte eine Arbeit in Uganda haben‘.“ Als Abgesandter der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). „Da habe ich nur gesagt: ,Uganda? Na, dann viel Spaß‘“, erinnert sich Ute Riethling.

Man schlief ein paar Mal drüber, machte sich über Uganda schlau, und Stefan Riethling fuhr nach Eschborn zu einem Info-Gespräch mit der Entwicklungshilfeorganisation. Er war angetan. Ute Riethling, die wir beim Heimaturlaub trafen, erinnert sich: Sie habe sich dann an die Botschaft in Kampala gewandt und mit deutschen Angestellten gesprochen, wie das denn so sei in dem afrikanischen Land — tausend Fragen habe sie gestellt. „Dann hatte ich drei schlaflose Nächte — und dann stand fest: Ich geh‘ mit.“

Das Abenteuer Afrika konnte beginnen. Und zwar schon in Deutschland. Einen kompletten Haushalt auflösen, etwas verschenken, etwas verkaufen, den Rest einlagern, das Auto verkaufen, das Haus vermieten. „Sich mal reduzieren zu müssen, ist im Nachhinein betrachtet gar nicht so schlecht“, erinnert sich die 46-Jährige. Über die GIZ erhielt ihr Mann Kontakt zu einer Privatfirma, die Holzherde herstellt. Sie suchte einen pfiffigen Mann, der den Ausstoß dieser in Uganda gängigen Kochstellen vergrößert. Das hat der 47-Jährige geschafft: Ute Riethling: „Als mein Mann dort anfing, stellte die Firma mit 55 Mitarbeitern monatlich 1000 Herde her. Jetzt bauen 100 Leute im Monat 10 000 Stück.“ Mehr noch: In der Entwicklungshilfe geht es nicht nur um Ökonomie, sondern auch um Ökologie. Die Riethling‘schen Kochapparate verbrauchen nur noch halb so viel Holzkohle wie ihre Vorgänger.

Bevor das „Abenteuer Afrika“ begann, war die Familie zu einer mehrwöchigen Vorbereitung in Bad Honnef. Eine wertvolle Zeit. Ute Riethling: „Da haben wir viel gelernt.“ Von der englischen Sprache über Bräuche, Traditionen, Lebensumstände in Uganda. September 2009: Stefan flog drei Monate vor den anderen in die Zwei-Millionen-Stadt Kampala, sollte sich auch um eine Wohnung kümmern. Ute löste in Sülfeld alles auf, packte zusammen, bereitete die Kinder auf ihre neue Heimat vor. „Was wir mitnehmen konnten, passte in acht Koffer“, erinnert sie sich. „Das war stressig.“ Am Tag vor der Abreise bekam die siebenjährige Tochter einen Rappel: „Ich will hier nicht weg.“ Ihre Mutter: „Zum Glück war das nach einer Stunde vorbei.“ Die letzte Nacht verbrachten sie im Flughafenhotel. „Da haben wir alle aneinandergekuschelt geschlafen.“

Bei der Ankunft mitten in der Nacht in Uganda war das Gepäck weg. Es war in Brüssel geblieben. Mit Nichts in der Fremde zu landen, das afrikanische Englisch nicht verstehend, das war der Horror für die kleine Truppe. „Ich habe ich nur noch geheult.“ Plötzlich sprach ein Schwarzer sie an: „Mrs. Riethling?“ Ihr Mann hatte ihn geschickt, dass er die Familie abholt.

Inzwischen haben sich alle Fünf längst eingelebt. Die Kinder sprechen beinahe besser Englisch als Deutsch. „Deswegen wird in der Familie nur Deutsch gesprochen“, sagt ihre Mutter. Sie leben in einer internationalen Siedlung, haben viele Freunde und finden sich in der chaotisch-schönen Stadt inzwischen prima zurecht. Ute Riethling: „Ich fühle mich hier absolut sicher.“ Sie haben viele Ausflüge gemacht, interessante Menschen kennengelernt. Ute Riethling, die inzwischen auch fließend Englisch spricht, hat eine Ausbildung zum Personal Coach absolviert und bietet Reisen durch Afrika an (www.ostafrikaindividuell.com).

Bleibt die Frage: Wann geht‘s zurück nach Sülfeld? „Erst mal nicht.“ Die ganze Familie scheint sich in Kampala wohlzufühlen. „Sogar die Kinder sagen: ,Wir fahren nach Deutschland in Urlaub, und dann fahren wir wieder nach Hause‘.“

Christian Spreer

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