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Stormarn „Umwelt klein“: Heikler Einsatz der Feuerwehr bei Nacht und Nebel
Lokales Stormarn „Umwelt klein“: Heikler Einsatz der Feuerwehr bei Nacht und Nebel
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12:23 11.11.2013
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Schmachthagen

Es ist 18.40 Uhr, düster, windig und regnerisch, als in Schulenburg in der Gemeinde Pölitz die Sirenen heulen. „Umwelt klein“, heißt die knappe Ansage, die der Diensthabende in der Leitstelle in Bad Oldesloe über Funk zu den ins Gerätehaus geeilten Feuerwehrmänner und -frauen schickt. „Die Polizei bittet um Amtshilfe. Am Ende des Schmachthagener Redders soll jemand illegal Müll entsorgt haben.“

Tim Sufin schaut auf die Uhr. „Mal sehen, wie lange sie brauchen“, sagt der Gruppenführer der Freiwilligen Feuerwehr Schulenburg - und versteckt sich mit drei Kollegen der Nachbarortswehr aus Pölitz hinter einem Knick. Gemeinsam werden sie die Gefahrgut-Übung aus dem Dunkeln heraus beobachten. „Das ist ein ungeliebter Einsatz. Es gibt dabei soviel zu beachten“, sagt der Brandoberinspektor, der hauptberuflich bei der Hamburger Feuerwehr tätig ist. Vor einigen Wochen hat er seine Kameraden in Schulenburg theoretisch auf das Thema „Gefahrgut“ eingestimmt. „Wenn sie auf Zack sind, fällt ihnen das gleich ein und sie wissen, dass es nur eine Übung sein kann“, sagt er lachend.

Nach wenigen Minuten kommt das Einsatzfahrzeug in Sicht. Tonlos drehen sich die Martinshörner, werfen blaue Lichtpunkte in die stockdunkel Nacht. Mit Schwung biegt das Feuerwehrauto um die Ecke und wird dann abrupt abgebremst. „Sie haben die Tonne gesehen. Ich bin gespannt, was sie jetzt machen“, flüstert Tim Sufin. Nur Sekunden dauert es, bis das Fahrzeug zügig an dem ominösen Behälter, den Sufin zuvor am Straßenrand platziert hat, vorbeifährt und in sicherem Abstand hält. Jemand steigt aus und sperrt den Gefahrenbereich ab. „Das haben sie schon mal sehr gut gemacht“, sagt der Feuerwehrmann. „Sicherheit und Abstand sind am wichtigsten.“

Vier Atemschutzträger machen sich fertig. Kameraden bauen auf einer ebenen Fläche ein Dekontaminationsbecken auf. „Da werden die zwei Feuerwehrleute, die das Fass erkundet haben, nachher gereinigt“, erklärt Tim Sufin. Irgendwann wird die Szenerie in Flutlicht getaucht. Erst wenn alle Schritte zur Sicherheit der Retter exakt abgearbeitet sind, wird die blaue Tonne genau unter die Lupe genommen.

„Dynamik werden Sie hier nicht sehen. Alles muss umsichtig und ruhig angegangen werden“, sagt Sufin und begibt sich aus seiner Deckung, um die Kameraden besser unterstützen zu können.

Pölitz‘ Bürgermeister Martin Beck ist mittlerweile am Einsatzort, beobachtet das Geschehen. Der zweiköpfige Erkundungstrupp mit Atemschutz untersucht gewissenhaft das Fass, erkennt, dass es sich dem Aufkleber nach um eine Flüssigkeit der Gefahrenklasse 8 handeln muss - entzündbare giftige flüssige Stoffe. Sie melden zudem einen unbeschädigten Behälter und ziehen sich wenig später zurück ins Reinigungsbecken.

„Das ist keine einfache Lage“, sagt Tim Sufin. Die Tücke stecke dabei im Detail. „Aber ich bin sehr zufrieden. Die Kameraden haben erkannt, dass sie hier alleine nicht weiter kommen.“ Wäre die Tonne echt, müsste nun der Löschzug Gefahrgut angefordert werden, das Umweltamt des Kreises sowie die Polizei wären am Einsatzort — rund 40 Helfer, die den illegal entsorgten Fotoentwickler bergen müssten. Für die Schulenburger Feuerwehr heißt es nach 40 Minuten: „Übung beendet“. Aber statt anschließend im Gerätehaus die Übung zu analysieren, müssen die Kameraden tatsächlich noch ausrücken - zum Ernstfall „Baum auf Straße“ .

Verena Bosslet

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