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Stormarn Reinfeld will plastikfrei werden
Lokales Stormarn Reinfeld will plastikfrei werden
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06:00 08.04.2019
Pastorin Dr. Christina Duncker ist eine der ersten Kundinnen, die sich am Stand von Jürgen Wulff ein paar Stücke Käse in die mitgebrachten Dosen einpacken lässt. „Das ist super, dass das jetzt erlaubt ist. Das spart Verpackungsmüll." Quelle: Britta Matzen
Reinfeld

Linda Witte ist noch nicht lange bei den Grünen in Reinfeld – knapp ein Jahr. Aber sie hat schon einiges bewegt. Vor allem hat sie sich um ihre Herzensangelegenheit gekümmert: Thema Plastik. Jetzt hat sie es mit der Unterstützung vieler Reinfelder möglich gemacht, dass Händler auf dem Wochenmarkt ab sofort ihre Ware unverpackt verkaufen dürfen. Ob beim Käse-, Wurst- oder Fischstand – jeder kann sich jetzt seine Dose von zu Hause mitbringen und sich die Leckereien direkt dort reinlegen lassen. Das spart Verpackungsmüll.

Grünschnack zur Plastikvermeidung

„Im Oktober habe ich einen Grünschnack zum Thema Plastik organisiert“, berichtet Linda Witte. Mit ins Boot geholt hatte sie hochkarätige Experten: Tina Andres vom Landwege-Vorstand, Dennis Kissel, Geschäftsführer der Abfallwirtschaft AWSH, Grünen-Landtagsabgeordnete Marlies Fritzen, außerdem den Chef von Famila in Reinfeld und Vertreter der Superseven GmbH, die natürliche Folienverpackung aus Cellulose herstellt. „Der Abend war ziemlich erfolgreich, er war sehr gut besucht und es wurde viel diskutiert. Die Experten haben auch klar gesagt, dass das Thema Plastikvermeidung schwierig ist, viel muss von der Politik angetrieben werden. Aber es wurde auch gesagt, dass man im Kleinen anfangen muss und dass man nur so etwas verändern kann.“

Arbeitskreis „Plastikfreies Reinfeld

Daraufhin haben Linda Witte und Rolf Thielmann von den Reinfelder Grünen den Arbeitskreis „Plastikfreies Reinfeld“ gegründet. „Beim ersten Treffen im November kamen viele interessierte Bürger. Mit den Grünen hatte es gar nicht mehr so viel zu tun“, sagt Linda Witte Drei Grüne seien sie beim Arbeitskreis, die restlichen 15 Aktivisten seien ganz normale Bürger. Ihr Hauptanliegen: Verpackungsmüll einzusparen. „Wir haben uns erst einmal ganz viel ausgetauscht, viele wussten auch schon so viel über das Thema“, so die Grüne. Beim dritten Treffen hätten sie sich vorgenommen, in die Umsetzung zu kommen. „Wir haben uns dabei auf drei Topthemen konzentriert. Eines davon ist das Wochenmarktthema. Jeder kann mit seinen eigenen Dosen kommen und ohne ein schlechtes Gewissen einkaufe“, sagt sie. Unterstützt wird der Arbeitskreis von Wochenmarkthändler Jürgen Wulff, der Erzeugnisse aus kontrolliert biologischem Anbau anbietet.

Rolf Thielmann und Linda Witte von den Grünen haben den Arbeitskreis "Plastikfreies Reinfeld" gegründet. Sie planen noch weitere Aktionen, um die Stadt noch umweltfreundlicher zu machen. Quelle: Britta Matzen

Veterinäramt hat Verkauf freigegeben

Vor drei Wochen hat sich das Veterinäramt das Konzept und den Wochenmarkt angeschaut. „Das Amt hat noch das eine oder andere ergänzt und den Verkauf in mitgebrachten Dosen freigegeben. „Ab jetzt darf jeder mit seiner Plastik- oder Metalldose hier einkaufen“, sagt Linda Witte, die ganz stolz auf den Erfolg ist. Das Einzige, was man noch nicht in mitgebrachten Behältern einpacken lassen darf, ist Frischfleisch. „Landwege ist aber gerade dabei, sich die Genehmigung einzuholen“, berichtet Witte.

Großer Schritt nach vorn

Pastorin Dr. Christina Duncker ist eine der ersten Kundinnen, die sich am Stand von Jürgen Wulff ein paar Stücke Käse in die mitgebrachten Dosen einpacken lässt. „Das ist super, dass das jetzt erlaubt ist. Das spart Verpackungsmüll. Da bin ich auf jeden Fall dabei“, sagt die Reinfelderin.

Wochenmarkthändler Jürgen Wulff: "Wenn jeder die Aktion unterstützt und seine Mehrwegbehälter mitbringt, haben wir schon einen großen Schritt nach vorne gemacht.“ Quelle: Britta Matzen

Jürgen Wulff ist auch überzeugt von dem Konzept. „Es ist der einzig sinnvolle Weg, wir müssen endlich etwas für die Umwelt tun und nicht nur schnacken. Diskutiert wird schon seit Jahren, nur es muss auch gehandelt werden. Wenn jeder die Aktion unterstützt und seine Mehrwegbehälter mitbringt, haben wir schon einen großen Schritt nach vorne gemacht.“

Beutelbaum ist Thema im Arbeitskreis

Der Arbeitskreis „Plastikfreies Reinfeld“ trifft sich wieder am Montag, 29. April, um 18.30 Uhr im Sitzungssaal des Alten Rathauses. Thema bei der nächsten Zusammenkunft ist der Beutelbaum. Jeder ist eingeladen, mitzumachen. „Mit der Schule werden Beutelbäume gebaut und diese sollen in Märkten aufgestellt werden.“ Die Bäume sollten zunächst einmal mit recycelten Jutebeuteln ausgestattet werden, danach ist das Ganze als Tauschsystem angedacht. Man nimmt sich einen Beutel mit, wenn man gerade keinen dabei hat. Beim nächsten Marktbesuch bringt seine gesammelten Beutel von zu Hause mit und hängt sie an den Baum“, erläutert Linda Witte das Konzept. So soll eine Eigendynamik entstehen und Plastiktüten verbannt werden.

Britta Matzen

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