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Stormarn Und Tschüs: Klaus Plöger hat heute seinen letzten Arbeitstag
Lokales Stormarn Und Tschüs: Klaus Plöger hat heute seinen letzten Arbeitstag
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20:13 21.04.2016

Zehn Minuten zu spät, tut mir leid! „Kommen Sie auch noch mal?“, knurrt Landrat Klaus Plöger herzlich. „Heute mal in Grün“, fällt sein Blick auf meine Jacke. „Ja, ist ja Frühling.“ Der Landrat heute nicht so leger, keine rote Hose, die Schuhe sind nicht bunt abgesetzt. Stattdessen weißes Hemd, dunkle Jeans. Am Anfang seiner Landratskarriere wurde noch darüber diskutiert, wenn er im Rollkragenpulli zum Dienst kam. Aber damals war die Verwaltung auch noch nicht so auf dem Posten wie nach 18 Jahren Klaus Plöger.

„Was trinken Sie?“ „Wasser, ich nehme auch Leitungswasser.“ Was im Hause Plöger nur Haustiere bekämen, die es allerdings nicht gibt. Auch wenn der Hocker im Wohnzimmer eine wahnsinnige Ähnlichkeit mit einem Hirtenhund hat — ist aber aus Schafswolle und eigentlich eher Kunst. Also Plastikflasche auf den Tisch, Glas daneben. Bis Jutta Plöger kommt und die Flasche gegen eine Karaffe mit Minzeblättern austauscht — sie hasst Plastikflaschen auf dem Tisch. Plöger hebt kaum merklich die Augenbraue — mit Jutta ist er seit 43 Jahren verheiratet.

„Er hat sich ganz schön verändert in den 18 Jahren, aber zum Positiven“, erzählt sie. „Er war früher zu vehement, zu aggressiv, auch verbal“, erinnert sie sich an die Vor-Landrat-Zeit. Da war er Lehrer für Politik sowie Mathe und schon lange als Sozialdemokrat in der Politik aktiv, zum Schluss als Fraktionschef der SPD im Kreistag. „Ja, ich war noch spezieller“, bestätigt Plöger. Heute sei er ausgeglichener.

Das mag so sein. Und doch, der Landrat fällt immer wieder durch seine hemdsärmelige, schnodderige Art auf. „Ich finde seine Ausdrucksweise manchmal furchtbar. Ich hätte mir mitunter gewünscht, dass er eine gut ausformulierte Rede hält“, bemerkt seine Frau. „Aber die besten Sachen, die fallen einem spontan ein, die Hütte muss brennen“, argumentiert er. Diesmal hebt sich die Augenbraue seiner Frau. „Ich mag die Vereinfachungen nicht.“ Aber es ist gerade diese frotzelige Art, die viele vermissen werden. Nicht alle natürlich. Vermissen werden die Menschen auch seine Fähigkeit der Analyse, seine Fähigkeit, Menschen unterschiedlichster Meinungen an einen Tisch zu bringen und mit einer Lösung wieder aufzustehen. Vermissen werden viele seine — das Wort mag abgedroschen klingen — Handschlagqualitäten. Seine Art, die Dinge zu bewegen, für den Kreis, für die Menschen, die im Kreis leben.

Der 67-Jährige gibt jetzt die Schlüssel ab, verlässt den Chefposten. Er wird sich erst einmal sortieren, Urlaub genießen, sich entspannen, 20000 Schritte am Tag gehen. Sport im eigentlichen Sinne ist nämlich nicht seins. Aber strammes Gehen. Von Barsbüttel zum Kaffeeholen nach Wandsbek und zurück — nicht auf direktem Weg, sondern über die Seitenstraßen. Oder auf Bornholm oder in Meran. Aber bitte nicht auf die Gipfel, das macht er lieber mit der Gondel. „Meine Frau ist die Bergziege, nicht ich.“ Bergab, ja „bergab können wir drei Stunden lang laufen“. Es wäre aber nicht genug Zeit zum Plaudern über die vergangenen 18 Jahre, über das, was war.

Unterwegs gibt es immer einen schönen Kaffee, den richtigen Einkehrschwung machen die Plögers erst am Abend. „Das liebt mein Mann, am Abend ein gutes Restaurant und gutes Essen“, erzählt Jutta Plöger. Ja, in aller Ruhe, ohne Hektik. Der Mann, der heute als Landrat verabschiedet wird, ist kein Mensch für Massenabfertigung. Er bestellt lieber drei Vorspeisen als ein Hauptgericht. Der Vielfalt wegen. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel: Wenn er mit seinem 90-jährigen Onkel in Ahrensburg zum Essen geht — „das machen wir alle drei Monate“ — gehen sie ins Blockhouse.

Und dann, nach dem sich Sortieren, nach der Entspannung, nach dem Urlaub? Klaus Plöger beim Bingo im Seniorenclub? Oder, ganz geerdet, bei der Verteilung von Lebensmitteln an der Seite seiner Frau, die in Barsbüttel die Tafel leitet? Nein, dafür reicht die Vorstellungskraft nicht. „Mein Mann muss etwas machen, das ihn noch richtig fordert. Er muss etwas für den Kopf machen“, weiß die Frau an seiner Seite. Das Soziale, „dafür bin ich zuständig“.

Also der ehemalige Landrat als Berater eines Unternehmens, das dann doch eher. „Oder ein richtig spannendes Ehrenamt“, sagt Klaus Plöger nickend. Mit Stress und dem Gefühl, gefordert zu sein.

Zumindest ein, zwei Tage die Woche. Denn an den anderen Tagen will er das machen, wofür ihm die letzten 18 Jahre viel zu wenig Zeit gelassen haben: „Ich habe dann die Zeit, meine Freundschaften besser zu pflegen. Möchte mich mit Männern in meinem Alter treffen.“ Mit interessanten, schrägen Typen, wie er sie nennt.

Von K. Kuhlmann-Schultz

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